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Eltern lösen Konflikte
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Einleitung



"Sobald einer merkt, dass seine ganze
Kommunikation erlernt ist, kann er sich
daranmachen, sie zu ändern, wenn er es will."

VIRGINIA SATIR,
Selbstwert und Kommunikation


Ich erinnere mich an einen Abend, als unser erster Sohn drei Jahre alt, der zweite ein Säugling war. Mein Mann war für einige Tage beruflich unterwegs und eine gute Freundin kam mich besuchen. Ich freute mich, den Abend in angenehmer Gesellschaft zu verbringen, und war sehr bemüht, mich als Gastgeberin von meiner besten Seite zu zeigen. Als der Tisch für das Essen gedeckt war, hatte sich mein Erstgeborener gerade in ein Spiel mit Bauklötzen vertieft. Ich sah wenig Chancen, ihn davon wegzulotsen. Deshalb versuchte ich es mit einem vermeintlich schlauen pädagogischen Trick: "Was meinst du, mein Schatz", lockte ich ihn mit zuckersüßer Stimme, "sollen wir mal ein paar Kerzen anzünden?" Tatsächlich, es schien zu wirken, der Goldjunge kam angetrottet! Fasziniert schaute er zu, wie ich die Kerzen anzündete - und pustete sie aus. Das Spielchen war ganz nach seinem Geschmack. Er wiederholte es so lange, bis ich entnervt aufgab, worauf er sich unverzüglich davonmachte. Später, als mein Kleiner im Bett lag, gab mir meine Freundin (von Beruf Erzieherin) einen interessanten Hinweis, den ich mir gemerkt habe: "Frag nicht lange, sag lieber, was Sache ist."

Zugegeben, ich verstand damals nicht sofort, was gemeint war. Mein erster Gedanke war vielmehr: "Was soll die Haarspalterei? Ich habe mit meinem Nachwuchs wirklich genügend zu tun - soll ich jetzt auch noch jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen?" Erst im Nachhinein wurde mir klar, was meine Freundin gemeint hatte. Anstatt ein Lockmittel zu gebrauchen, hätte ich meinem Sprössling ganz einfach sagen sollen, was ich von ihm wollte: "Komm zu Tisch!" Abgesehen davon, was sollte die Frage, wenn sie doch gar nicht als Frage gemeint war? (Näheres dazu Seite 51-52.)

Im Familien- und Erziehungsalltag fängt es oft bei solchen Kleinigkeiten an, dass wir uns das Leben unnötig schwer machen. Wir bemühen uns, wenden Tricks und Raffinessen an und kommen auf keinen grünen Zweig. Würden wir jedoch einen Schritt zurücktreten und die Sache aus einiger Distanz betrachten, wäre uns schnell klar, was einem Außenstehenden vermutlich auf den ersten Blick aufgefallen wäre: Es liegt an der Kommunikation.

Damit ist klar, wozu das vorliegende Buch dient - als Kommunikationsratgeber für Eltern. Nun war am Beispiel meiner Freundin schon zu sehen, dass Verständigungsprobleme aus der Warto eines unbeteiligten Dritten gewöhnlich leichter zu durchschauen sind. Diese Tatsache habe ich berücksichtigt und die einzelnen Themen in diesem Buch nicht nur sachlich abgehandelt, sondern auch mit Beispielszenen illustriert. Es handelt sich um Gesprächssituationen, wie man sie im Familien- und Erziehungsalltag typischerweise oft erlebt: Die Mutter redet mit Engelszungen, trotzdem macht der Sprössling, was er will. - Der Nachwuchs bittet den Vater um praktische Hilfe, der antwortet mit einer endlosen Belehrung. - Die Eltern versuchen sich über Erziehungsaufgaben abzustimmen und kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. - Die Großeltern mischen sich in die Erziehung ein. - Beim Elterngespräch im Kindergarten oder in der Schule prallen gegensätzliche Meinungen aufeinander...

Diese Szenen geben Ihnen als Leser die Möglichkeit, die jeweilige Situation in aller Ruhe aus der Warte des Zuschauers zu betrachten. So lassen sich zugrunde liegende Probleme besser durchschauen. Die Beispiele sind bewusst sehr alltäglich gehalten. Man kann sie praktisch überall beobachten, sich möglicherweise in der einen oder anderen Situation selber wieder finden. Dennoch zielt dieses Buch nicht darauf ab, "typische Fehler" von Eltern im Gespräch mit ihren Kindern, mit Verwandten oder Pädagogen aufs Korn zu nehmen. Ebenso wenig kann es zeigen, wie man alles richtig oder gar perfekt macht; das wäre gar nicht möglich. Indes, schon mit wenigen Verbesserungen lässt sich manchmal erstaunlich viel bewirken.

In den folgenden Kapiteln stelle ich Möglichkeiten und Methoden vor, mit denen Eltern ihr Kommunikationsverhalten wirksam verbessern können. Sie werden zu jedem Thema eine Beispielszene und praktische Anregungen finden. Manchmal sind kleine Übungen und Tests dabei, die Ihnen die Umsetzung in die Praxis erleichtern können.

Was die Beispielszenen in diesem Buch angeht, so weise ich darauf hin, dass sie keinerlei persönliche Anspielungen enthalten. Die Szenen und die genannten Personen sind alle erfunden, jede namentliche Übereinstimmung wäre rein zufällig.

Noch ein letzter Hinweis: Wenn in diesem Buch von Eltern oder Familien die Rede ist, so sind damit nicht nur Ehepaare mit ihrem eigenen Nachwuchs gemeint. Die Begriffe schließen selbstverständlich alle anderen Formen familiären Zusammenlebens - von Alleinerziehenden bis hin zu Patchwork- und Pflegefamilien - mit ein.

Viel Freude am Kennenlernen und Anwenden der beschriebenen Möglichkeiten wünscht Ihnen

Rita Steininger





 
   


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