Vorwort
Die Welt ist klein geworden. In einer Zeit, in der man einmal ganz schnell um den Globus jettet, Erlebnisberichte in Internetcafes verfasst, um die Menschen in der fernen Heimat an der Lust des Reisens und des Entdeckens fremder Länder und ihrer Völker teilhaben zu lassen, verliert sich der Blick auf das Naheliegende. Er wird zumindest getrübt, weil das, was vor der sprichwörtlichen Haustür liegt, eben immer noch erobert werden kann. Später. In ein paar Jahren.
Was dabei oft vergessen wird: In ein paar Jahren fehlt manchmal neben der Muße auch die Zeit. Denn die schnelllebige Welt fordert ihren Tribut, und dann bleibt das auf der Strecke, was eigentlich am nächsten liegt. Es kann warten. Es ist ja da.
Wer einmal in seinem engeren Lebensumfeld auf die Suche gegangen ist, die Augen geöffnet hat, begreift das Sprichwort vom Guten, das so nahe liegt. Für diese Erkenntnis braucht es Anstöße, bedarf es manchmal Menschen, die wissen, wovon sie reden, weil sie mit eigenen Augen die Schönheiten der Heimat im besten Sinne ihres Wortes gesehen, erlebt haben.
Alfred Havlicek ist so ein Mensch. Ein Schatzsucher, der seine Erfahrung aus dem Wissen des Vergleichenden schöpft. Er ist gerne und viel in der Welt unterwegs, kennt auch die entlegenen Winkel der Erde, die mit bizarrer Schönheit oder atemberaubender Natürlichkeit punkten. Doch Havlicek weiß auch, wie schön das Land ist, in dem er lebt. Als Hubschrauberpilot des Bundesheeres hat er in seiner aktiven Zeit viel erspäht. Er hat viel von oben gesehen. Und das hat seinen Blick geschärft. Wie den eines Adlers.
Der in Linz lebende Fotograf paart seine Leidenschaft mit Perfektion - und besitzt gleichzeitig die Begeisterungsfähigkeit eines Kindes. Wer ihn einmal von einem besonderen Bild reden gehört hat, weiß, was damit gemeint ist. Havlicek geht darin auf, den Menschen ihr Land aus der Vogelperspektive zu zeigen. Und weil er darin so aufgeht, vermag das Ergebnis den Blickwinkel des Betrachters zu verändern. Denn von oben sieht die Welt ganz anders aus.
Dieses Stück Welt unmittelbar vor der Haustür – man spürt, dass es hier einen Schatz zu heben und zu bewahren gilt. Einen Schatz, von dem viele von uns nicht wissen, dass es ihn gibt. Einen Schatz, den wir zu wenig pflegen, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt sind, die Welt zu erobern.
Die Leistung von Alfred Havlicek besteht nicht nur darin, dass er mit seinen Fotos Oberösterreich aus einer anderen Perspektive erlebbar macht. Er öffnet unsere Augen für etwas, das wir nicht mehr sehen. Das Faszinierende daran ist aber auch, dass selbst Bekanntes mit den Augen des Adlers so anders aussieht. Von oben ist dieses Land Oberösterreich so vielfältig wie atemberaubend schön, so interessant wie beeindruckend, so bizarr wie idyllisch.
Dass Havlicek diese Bilder machen konnte, verdankt er nicht nur seinem Können, seiner Leidenschaft und seinem fotografischen Gespür. Er verdankt es auch Hans Peter Leitner und Hermann Teufelauer. Die beiden Piloten sind mit ihm über das Land geflogen. Immer wieder. Und haben ihre Runden dort gedreht, wo der Fotograf noch auf der Suche nach der richtigen Lichtstimmung, dem passenden Moment, dem geeigneten Blickwinkel war. Ohne die Piloten wäre dieses Buch nicht zustande gekommen. Ein Buch, das von der Art des Alfred Havlicek lebt. Er ist ein Mann, der weiß, worauf es bei einem Bild ankommt. Er weiß aber auch, worauf es im Leben ankommt. Seine Begeisterung ist ansteckend. Es ist eine Freude mit ihm zusammenzuarbeiten. Eine Ehre. Eine Herausforderung. Denn schließlich begegnet man nicht jeden Tag einem Menschen, der die Augen eines Adlers hat – und daraus spitzbübisch lacht.
Fliegen Sie mit uns und genießen Sie Oberösterreich von oben!