Vorwort oder Der Mann - das unbekannte Wesen
Ich liiiebe Feldstudien! Der Mann an sich fasziniert mich deshalb so, weil das Leben mit ihm sowohl ein Quell der Freude als auch ein Tal der Tränen ist.
Er reißt uns mit, wirft uns um, und damit wir nicht das Gleichgewicht verlieren, müssen wir stark sein. Kaum ein Projekt hält so viel an Lernaufgaben für uns bereit wie der Mann oder die Beziehung zu ihm. Ein Mann hat es geschafft, mich über viele Jahre hinweg zu faszinieren: Mein eigener. Nicht, dass er mein "Eigentum" wäre, nein, er bringt mich zum Lachen, stellt mich vor unlösbare Rätsel, hinterlässt Verwirrung und Chaos, ist mal laut, mal leise und so vielfältig und facettenreich, dass die Verhaltensforscherin in mir sich mit großer Vorliebe dem Lieblingsforschungsobjekt widmet: Meinem Mann und natürlich dem Mann als solchem.
Seit der wirklich logischen, wissenschaftlich erforschten Erkenntnis "Männer sind Jäger" und "Frauen sind Nesthüterinnen", ist viel geschrieben worden und Heerscharen von Umfrageinstituten machen sich national und international auf den Weg, das ewige Rätsel der Menschheit zu lösen: Wie schaffen es Männer und Frauen, glücklich vereint zusammenzuleben, ohne sich zu bekriegen? Da die Suche nach der Lösung sich etwa so schwierig gestaltet wie die Suche nach dem Heiligen Gral, sind wir alle noch lange nicht am Ende unseres Lernprozesses.
Viele Prozesse bringen aber etwas zu Ende - zum Beispiel die Scheidungsprozesse. Sie hinterlassen Beziehungsleichen und Jäger, die keine Lust haben, Nester zu bauen.
Dabei könnte es so schön und romantisch sein! Wir brauchten uns "nur" so zu akzeptieren, wie wir sind. Die vermeintlichen Schwächen des jeweils anderen als Stärken anzuerkennen und die eigene Sichtweise darüber zu ändern. Diese Erkenntnisse gewürzt mit einer gewaltigen Prise Humor, und schon sehen wir dem Ganzen etwas gelassener ins Auge.
Am Anfang der Beziehung war doch alles so leicht und liebevoll! Warum sollte das jetzt alles plötzlich ganz anders sein? Also: Lassen Sie uns einen schmunzelnden Blick auf die Unterschiede von Männern und Frauen werfen. Auf meiner Seite werde ich Ihnen natürlich "nur" die "Vorzüge" der Spezies "Mann" vor Augen führen. Es ist frappierend, wie anders Männer denken! Manchmal hat man das Gefühl, man müsste erst einen Fremdsprachenkurs besuchen, um sich einigermaßen zurechtzufinden. Dieses Buch soll helfen, Ihnen die Fremdsprache Ihres Mannes näherzubringen. Dabei wünsche ich Ihnen viel Spaß!
Das hätte das Vorwort werden können
Dies ist also meine Seite. Sagt der Verlag. Hier kann ich schreiben, wie Männer sich an der Seite einer Frau fühlen. Was sie denken, erwarten und dann tatsächlich bekommen.
Leider ist das nicht die Wahrheit. Es wäre auch zu schön gewesen. Aber leider, nein. Es muss nämlich heißen, dies wäre meine Seite, auf der ich schreiben könnte, aber...
... es nie tun werde. Denn wenn man in einer Beziehung lebt und es geschafft hat, nicht gleich wieder ausgetauscht zu werden, hat man gelernt, eben nicht zu sagen, was man wirklich denkt.
Warum sollte "Mann" auch durch so was Profanes wie die Wahrheit seine Partnerschaft gefährden? Wo man es sich doch gerade so gemütlich eingerichtet hat, die Sender im Fernseher gut geordnet sind und man erfolgreich durchgesetzt hat, am Samstagnachmittag ungestört Fußball sehen zu dürfen.
Ich muss Ihnen auch dringend abraten laut zu lachen, wenn Ihre Partnerin in der Nähe ist. Und falls Ihre Liebste Sie fragt, ob das alles, was hier steht, auch auf sie zutreffen würde, gibt es nur eins, was Sie tun können, um den Sex nicht auch noch für weitere zwei Monate zu verlieren: lügen, abstreiten, auf Unverständnis pochen und behaupten, dass alles, was in diesem Buch steht, zumindest auf der rechten Seite, völlig überzogen und unglaubwürdig sei. Wenn das nichts nützen sollte, loben Sie die linke Seite, sagen Sie, wie sehr Sie sich wiedererkennen würden und wie leid es Ihnen tun würde, dass Männer so sind, wie sie sind.
Ich weiß jedenfalls, wie es Ihnen geht. Mir brauchen Sie nichts zu erzählen. Sie haben mein vollstes Verständnis.
Ich selbst distanziere mich ja schon jetzt von den folgenden Seiten. Wer will schon nachts das Buch an den Kopf geknallt bekommen und in eine Diskussion verwickelt werden. Diskussionen finden ja immer nachts statt. Seltsamerweise immer dann, wenn man gerade eingeschlafen ist und am nächsten Morgen früh raus muss.
Auch das ist natürlich nicht die Wahrheit. "Jedenfalls nicht meine, Schatz. Ich rede gerne mit dir. Ja, auch nachts um drei. Wobei du mich natürlich noch nie geweckt hast. Und die wenigen paar Male habe ich es verdient. Wirklich."
Sie sehen, wie verfänglich bereits ein Vorwort sein kann. Am besten, Sie lesen heimlich und behaupten, dieses Buch nie in den Händen gehalten zu haben. Aber welche Frau glaubt schon einem Mann?