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Berns goldene Zeit
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Vorwort

Nachdem in den vergangenen Jahren die Bände zu Berns mutiger Zeit (13./14. Jahrhundert), zu Berns grosser Zeit (15. Jahrhundert) und zu Berns mächtiger Zeit (16./17. Jahrhundert) erschienen sind, übergibt der Verein Berner Zeiten der Fachwelt und einer weiteren interessierten Öffentlichkeit mit dem vorliegenden Buch eine in jeder Beziehung gewichtige Publikation zu Bern im 18. und frühen 19. Jahrhundert, die den Titel trägt: «Berns goldene Zeit. Das 18. Jahrhundert neu entdeckt». Wer mit Blick auf die Jahrzehnte vor und kurz nach 1800 das Motiv des goldenen Zeitalters thematisiert, findet sich in ehrenvoller Gesellschaft: Lessing, Herder, Hölderlin, Fichte hofften darauf, das verlorene goldene Zeitalter werde, geprägt von umfassender Humanität, in naher Zukunft wieder erstehen. Ausgehend von dieser verbreiteten Sichtweise schrieb Friedrich Schiller in seiner Abhandlung Über naive und sentimentalische Dichtung von 1795/96: Alle Völker, die eine Geschichte haben, haben ein Paradies, einen Stand der Unschuld, ein goldnes Alter; ja, jeder einzelne Mensch hat sein Paradies, sein goldnes Alter, dessen er sich, je nachdem er mehr oder weniger Poetisches in seiner Natur hat, mit mehr oder weniger Begeisterung erinnert. In der Tat: Bereits die frühen Darstellungen eines goldenen Zeitalters bei Hesiod oder Theokrit schildern einen entschwundenen, idealen Urzustand, der entweder als Chronoszeit vor den Feuerraub des Prometheus und das Erscheinen der Pandora oder in einem idyllischen, zeitlosen Arkadien der Schäferinnen und Schäfer angesiedelt worden ist. Diese Vorstellungen, die bei Vergil und Horaz mit der Überzeugung verknüpft wurden, der einstige Idealzustand werde in ihrer eigenen Zeit, d.h. unter Augustus, erneuert, erwiesen sich in der europäischen Geistesgeschichte als überaus mächtig, bis hin zu Miltons Paradise Lost von 1667. Mit leiser Ironie schreibt denn auch Friedrich Schlegel in seinen Gesprächen über die Poesie von 1799 über die Dichter des augusteischen Zeitalters und deren Nachfolger: (...) und das nannten sie ihre Goldene Zeit der Poesie. Die Modernen sind ihnen darin gefolgt (...) keine Nation wollte fernerhin ohne ihr Goldenes Zeitalter bleiben; jedes folgende war leerer und schlechter noch als das vorhergehende.

Damit wird deutlich: Wer von einer verflossenen goldenen Zeit spricht, verwendet - anders als mit den Attributen mutig, gross oder mächtig - als Epochencharakterisierung eine fest gefügte semantische Formel, die diese Vergangenheit unausweichlich in helles Licht rückt, die eigene Gegenwart aber in Schatten hüllt. Nun hat es sich zwar in der bernischen Geschichtsschreibung seit fast zweihundert Jahren eingebürgert, das 18. Jahrhundert als das goldene Zeitalter der Aarestadt zu bezeichnen. Wer diese Charakterisierung übernimmt, wie das beim vorliegenden Band geschehen ist, wird dieses Gold aber in zweifacher Hinsicht zu prüfen haben. Zum einen ist zu fragen, woher denn die Vorstellung komme, Bern habe im 18. Jahrhundert sein goldenes Zeitalter erlebt: Wer verwendete diese Umschreibung erstmals, welche Intentionen verfolgte er, weshalb war sie so erfolgreich? Zum andern gilt es, dieses 18. Jahrhundert mit den vorangehenden und den nachfolgenden Jahrzehnten zu vergleichen, die Verteilung von Licht und Schatten nüchtern zu überprüfen. Aus diesen Gründen wird das Untersuchungsfeld des vorliegenden Buches, die angesprochene goldene Zeit Berns, über das 18. Jahrhundert hinaus ins späte 17. und vor allem ins frühe 19. Jahrhundert erweitert. Zugleich wird versucht, sich der Epoche mit einer möglichst breiten Palette von Fragestellungen zu nähern. Inwiefern die Fülle unterschiedlicher Blickwinkel insgesamt das Bild einer goldenen Zeit entstehen lässt, mag die Leserschaft nach eingehender Beschäftigung mit dem Thema selber entscheiden.

Auch der vierte Band der Reihe Berner Zeiten ist das Werk einer Vielzahl von Mitwirkenden: Über hundert Autorinnen und Autoren setzten sich mit vielfältigen Einzelaspekten der bernischen Geschichte in der Zeit des Ancien Régime auseinander; die Herren Dr. Daniel Schläppi, PD Dr. Dieter Schnell, Dr. Hubert Steinke, Dr. Martin Stuber und PD Dr. Andreas Würgler betreuten und koordinierten die einzelnen Kapitel als Redaktoren inhaltlich und formal; Frau Dr. Charlotte Gutscher hielt als zuverlässige und unerschütterliche Redaktorin die Organisationsfäden in sicherer Hand. Für Übersetzungen und die Hilfe bei der Bildbeschaffung waren Dr. Lucienne Hubler und Dr. Susanne Ritter-Lutz besorgt. Und Herr Prof. Dr. André Holenstein erwies sich erneut als umsichtiger spiritus rector, der nicht nur das Konzept der gesamten Publikation wesentlich prägte und wichtige Beiträge aus eigener Feder beisteuerte, sondern auch in zahlreichen praktischen Fragen kluge und hilfreiche Lösungen erarbeitete. Neben den Autorinnen, Autoren und Herausgebern leisteten aber auch die Buchhersteller einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen unseres Unterfangens: Die Herren Eugen Götz-Gee und Neil Götz vom Atelier Design + Druck AG Bern als Buchgestalter und der Verlag Stämpfli AG arbeiteten als ausserordentlich kompetente und entgegenkommende Buchmacher mit den Herausgebern zusammen. Ihnen allen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt! Ohne ihr unermüdliches Engagement, das immer wieder weit über die üblichen Berufsverpflichtungen hinausging, wäre der vorliegende Band nie zu verwirklichen gewesen.

Wesentliches zur Realisierung dieses Buchprojektes haben aber auch die zahlreichen Sponsoren beigetragen. Ohne die sehr namhaften Geldmittel, die uns private Spender, verschiedene Firmen und Stiftungen, die Historisch-Antiquarische Gesellschaft Bern, der Kanton Bern, die Stadt Bern, die Burgergemeinde Bern und die Universität Bern zukommen Hessen, wäre es unmöglich gewesen, den vorliegenden Band zu einem doch sehr moderaten Preis einem weiten Kreis von In - teressierten anzubieten. Auch im Namen der Leserinnen und Leser dankt der Verein Berner Zeiten als Herausgebergemeinschaft allen Sponsoren ganz herzlich; das Buch über Berns goldene Zeit hat mit dem heutigen Mäzenatentum ganz offensichtlich sein saeculum aureum erfahren!

Prof. Dr. Urs Martin Zahnd
Präsident des Vereins Berner Zeiten

Préface

L'Association Berner Zeiten a déjà publié trois volumes qui concernent les temps du courage (Berns mutige Zeit, XIIIe et XIVe siècles), de la grandeur (Berns grosse Zeit, XVe siècle) et de la puissance (Berns mächtige Zeit, XVIe et XVIIe siècles). Cette année, elle offre aux historiens et amateurs d'histoire un nouveau volume consacré au XVIIIe et au début du XIXe siècle, qui porte le titre de Berns goldene Zeit Das 18. Jahrhundert neu entdeckt. L'âge d'or! Quiconque s'attache à ce thème avant et peu après 1800 se trouve en bonne compagnie: Lessing, Herder, Hölderlin, Fichte espéraient alors dans un proche avenir un nouvel Äge d'or, qui se caractériserait par sa généreuse humanité. Partant de cette opinion largement répandue, Friedrich Schiller écrivait dans son essai Poésie naïve et poésie sentimentale (1795-1796) les lignes suivantes: Tous les peuples qui ont une histoire ont un paradis, un état d'innocence, un Äge d'or; tout individu même a son paradis, son Äge d'or qu'il se rappelle avec plus ou moins d'enthousiasme selon que sa nature est plus ou moins poétique (traduction Robert Leroux, Paris, Aubier, 1947, pp. 200-201, Collection bilingue des classiques étrangers).

Hésiode et Théocrite, les premiers à évoquer l'âge d'or, le décrivent comme un état primitif idéal disparu. Hésiode rappelle le règne de Cronos avant que Prométhée dérobe le feu aux dieux et crée Pandore. Théocrite dépeint une Arcadie idyllique et intemporelle, peuplée de bergers et de bergères. Pour Virgile et Horace, l'âge d'or est de leur temps: c'est le siècle d'Auguste. Ce thème reste majeur dans l'histoire intellectuelle européenne jusqu'au Paradis perdu de Milton (1667). Ce qui amène Friedrich Schlegel, dans sa Lettre à Dorothée ou Entretiens sur la poésie (1799) à ironiser doucement sur les poètes de l'époque augustéenne et sur leurs successeurs: ... ils la nommèrent [l'époque d'Auguste] l'âge d'or de la poésie. Les modernes les imitèrent... aucune nation ne voulut se passer de son Äge d'or. Mais chacun d'eux eut moins d'éclat et fut plus mauvais que le précédent.

Il est évident que celui qui évoque un Äge d'or disparu se place à un autre niveau sémantique que celui qui parle des temps du courage, de la grandeur ou de la puissance. L'emploi de cette expression présente inévitablement l'époque considérée comme une période de rayonnement, au détriment du terne présent. Or depuis près de deux cents ans, l'historiographie bernoise a fait sienne l'idée que le XVIIIe siècle a été l'âge d'or de la ville de l'Aar. Celui qui, comme nous dans ce volume, adopte cette vision doit toutefois examiner la question sous deux angles et c'est ce que nous avons fait. Nous nous sommes demandé d'où venait cette idée, quel historien l'avait lancée le premier et dans quel but, et pourquoi elle avait rencontré un tel succès. Nous avons aussi comparé le XVIIIe siècle avec les décennies qui l'ont précédé et qui l'ont suivi pour repérer objectivement les zones d'ombre et de lumière; l'ouvrage, pour cette raison, englobe aussi la fin du XVIIe et, surtout, le début du XIXe siècle. Nous avons tenté également de cerner cette époque par toute une palette de questions, les plus variées possible. Il appartiendra au lecteur de juger si nous avons ainsi peint ou non un Äge d'or.

Comme les volumes précédents de la série Berner Zeiten, le quatrième est un ouvrage collectif, plus de cent auteurs s'étant occupés des multiples aspects de l'histoire de Berne sous l'Ancien Régime. MM. Daniel Schläppi, Dieter Schnell, Hubert Steinke, Martin Stuber et Andreas Würgler ont coordonné tous les textes pour le fond et la forme. Mme Charlotte Gutscher, rédactrice au calme olympien et sur qui l'on peut toujours compter, a mené d'une main sûre l'organisation du travail. Mme Lucienne Hubler nous a aidé avec la traduction de textes, et Mme Susanne Ritter-Lutz a contribué à l'aquisition des illustrations. Pour la seconde fois, M. le professeur André Holenstein a joué le rôle de s piritus rector avisé, ne se contentant pas d'influencer largement la conception de l'ouvrage et d'écrire quelques pages importantes, mais trouvant aussi des solutions pertinentes et utiles à de nombreuses questions pratiques. Outre les auteurs et les éditeurs, les fabricants du livre ont apporté leur contribution, essentielle, à la réussite de l'entreprise. Les graphistes chargés de la mise en page, MM. Eugen Götz-Gee et Neil Götz d'ADD Atelier Design + Druck AG Bern, et les collaborateurs de la maison Stämpfli Editions SA ont travaillé avec une grande compétence et en parfaite union avecles éditeurs scientifiques. Qu'ils en soient tous cordialement remerciés! Sans leur infatigable engagement, qui dépasse de beaucoup les obligations professionnelles usuelles, le volume n'aurait jamais été réalisé.

De nombreux mécènes ont contribué de manière substantielle à l'achèvement du projet. Sans les moyens considérables mis à la disposition de l'Association Berner Zeiten par des particuliers, des entreprises, des fondations, par l'Historisch-Antiquarische Gesellschaft Bern, par le canton, la ville, la bourgeoisie et l'Université de Berne, il aurait été impossible d'offrir au plus grand nombre ce volume à un prix qui reste modique. Au nom des futurs lecteurs, l'Association, maître d'œuvre, remercie chaleureusement tous les donateurs. Ce volume sur l'âge d'or de Berne a de toute évidence rencontré lui aussi son saeculum aureum gräce au mécénat contemporain.

Professeur Urs Martin Zahnd
Président de l'Association Berner Zeiten


 
   


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