Zum Geleit
I
Es gibt aus unserer Sicht viele Gründe, sich über das Erscheinen dieses Handbuchs zu freuen. Grössere Forschungsvorhaben und Programme geniessen im In- und Ausland einen hohen Stellenwert und ebensolches Prestige. Nicht so das Forschungsmanagement! Ihm wird nach wie vor erstaunlicherweise nicht die Beachtung zuteil, die es verdient. Mit Recht weisen die Autorin und die Autoren jedoch darauf hin, dass sich hier ein Wandel abzeichnet und das Bewusstsein dafür gestiegen ist, dass das Management inter- und transdisziplinärer Verbünde eine anspruchsvolle wissenschaftliche Aufgabe ist.
Die Programmforschung nimmt innerhalb des SNF schon lange einen wichtigen Platz ein; die "Nationalen Forschungsprogramme" (NFP) seit 1975, die "Nationalen Forschungsschwerpunkte" (NFS) seit 2001 bieten einen privilegierten Raum für inter- und transdisziplinäre Forschung. In diesen Programmen gehören Managementaufgaben wie die Ausrichtung der Forschungsarbeiten auf übergeordnete Ziele und auf eine Synthese zu den zentralen Herausforderungen. Den NFP kommt aufgrund ihres problemlösungsorientierten Ansatzes und der thematischen Vorgabe durch die Politik eine Pionierrolle zu. Bei den NFS mit ihrer langfristigen Perspektive erhält die angemessene Organisation bereits bei der Auswahl grosses Gewicht. Nachdem sich der SNF in den letzten Jahren intensiv mit Aspekten des inter- und transdisziplinären Forschens befasst hat, will er auch innerhalb der Projektförderung mit neuen Verfahren, die ab 2006 erprobt werden sollen, die Unterstützung von bottom-up-initiierten Verbundprojekten ermöglichen. Direkt und indirekt wird zunehmend in die Bewältigung der Managementaufgaben in Verbünden investiert. Das Handbuch, das zu einem grossen Teil durch Schweizer Beiträge finanziert werden konnte, reiht sich in diese Bemühungen ein.
Schliesslich sei auf den erfreulichen Umstand hingewiesen, dass es sich bei dem vorliegenden Handbuch um ein Produkt handelt, das aus einer trilateralen Zusammenarbeit von Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) unter Berner Federführung entstanden ist. Wertvolle Erfahrungen von vier Programmen aus drei Ländern (im Falle der Schweiz war es das Schwerpunktprogramm "Umwelt") fliessen in dieses Handbuch ein. Wir wünschen ihm viele aufmerksame Leserinnen und Leser aus Kreisen der Forschung und der Verwaltung.
Dr. Beat Butz
Leiter der Abteilung Orientierte Forschung der Geschäftsstelle
des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), Bern
II
Als die DFG 1995 das Schwerpunktprogramm (SPP) "Mensch und globale Umweltveränderungen" einrichtete, startete ein anspruchsvolles Unternehmen: Es war das zu diesem Zeitpunkt mit Abstand aufwendigste sozialwissenschaftliche SPP der DFG; es widmete sich einem gesellschaftlichen Problem; es sollte "fremde" Disziplinen zusammenbringen; und es sollte den Austausch mit Programmen anderer Länder pflegen. Es war von Anfang an klar, dass nur eine Chance bestand, dies alles zu meistern, wenn das Programm ein quasi-professionelles Management erhielt. Die Erfahrungen mit dieser Pionieraufgabe sind eine der Quellen dieses Handbuchs. Und die frühe und enge Kooperation mit Parallelprogrammen in der Schweiz und Österreich hat die Erfahrungsbasis entscheidend erweitert und das Autorenteam zusammengeführt. Die DFG hat dies immer unterstützt und davon profitiert. Innerhalb des SPP wurden z.B. neue Formen der disziplinübergreifenden Vernetzung und des Austausches von Nachwuchsforschenden erprobt - ich freue mich, dass im Handbuch der Rolle des Nachwuchses nun ebenfalls gebührend Raum gegeben wird.
In Forschungsverbünde wird national wie europäisch zunehmend investiert. Das Gelingen solcher Verbünde ist deshalb für die Förderorganisationen von grosser Bedeutung. Und zu diesem Gelingen ist ein zielorientiertes Management erforderlich. Die DFG hat deshalb vor wenigen Jahren eine Pilotphase begonnen, in der Wissenschaftler/innen, die Verbünde leiten, in Seminaren und Workshops die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Management reflektieren können und auch darin geschult werden. Die Autorin und die Autoren dieses Handbuches haben diese Module entwickelt und in mehreren Sequenzen mit Sprecherinnen und Geschäftsführern von Schwerpunktprogrammen, Sonderforschungsbereichen, Forschergruppen und Graduiertenkollegs durchgeführt. Die Resonanz bestätigte die Notwendigkeit, diesem Aspekt des Forschungsmanagements die erforderliche Beachtung zu schenken. Das Zielpublikum dieser Veranstaltungen und dieses Handbuchs ist dasselbe - stets geht es darum, die Verantwortlichen von Verbünden in ihrer Arbeit zu unterstützen, mit dem Ziel, die Forschungsleistung zu verbessern.
Insofern hat das SPP zur globalen Umweltveränderung neben seinen inhaltlichen Ergebnissen auf einer ganz anderen Ebene reichen Ertrag gebracht, der in diesem Handbuch zum Ausdruck kommt. Ich wünsche ihm nicht nur eine weite Verbreitung, sondern auch ein Wirken in die Tiefe.
Dr. Manfred Nießen
Leiter der Gruppe Geistes- und Sozialwissenschaften der Geschäftsstelle
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Bonn
III
Als 1992 das deutsche BMBF einen Förderschwerpunkt "Stadtökologie" einrichtete, war zunächst grosse Skepsis angesagt. Erstmals wurde in der Ökosystemforschung die Bearbeitung gesellschaftlicher Problemlagen in den Mittelpunkt gestellt, die nicht nur die Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften forderte, sondern auch die Integration von Praxispartnern. Diese inter- und transdisziplinäre Forschung stellte neue Herausforderungen an die Organisation des Forschungsprozesses. Das grösste Problem und damit die vorrangigste Aufgabe in den recht grossen Forschungsverbünden von zehn und mehr Partnern war es, die unterschiedlichen Interessenlagen und methodischen Vorgehensweisen aller Beteiligten zu bündeln und Produkte zu erarbeiten, die sowohl wissenschaftlich anerkannt als auch praktisch anwendbar zu sein hatten. Dies erfordert Klarheit über das Zielpublikum, eine früh einsetzende Produktentwicklung, die spätere Nutzer einbezieht, und eine Organisation der gemeinsamen Arbeit, die für alle Partner verbindlich ist und gleichzeitig die nötige Flexibilität aufweist, um auf sich ändernde Verhältnisse reagieren zu können.
Die DACH-Erhebung bei den Beteiligten aus der Stadtökologie und drei weiteren Programmen hat es ermöglicht, die individuell gemachten Erfahrungen systematisch zu erheben und aufzubereiten. Gerne denke ich an den internationalen Expertenworkshop im Oktober 2000 in Basel zurück, bei dem Verantwortliche aus den vier Programmen und weitere Experten und Expertinnen intensiv die ersten Ergebnisse diskutierten und Hinweise für die weitere Arbeit am Handbuch gaben.
Mittlerweile hat sich der inter- und transdisziplinäre Forschungsansatz im Umweltbereich der BMBF-Förderung durchgesetzt. Es wird kaum noch ein Projekt gefördert, das nicht diesen Anspruch aufweist. Umso bedeutender ist es, den Forschungsgruppen ein Instrument an die Hand zu geben, das ihnen die Umsetzung dieser Art Forschung erleichtert, auf die Gefahren hinweist, die im Prozessverlauf auftreten können, und Lösungen präsentiert, welche die so unterschiedlichen Welten der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und gesellschaftlichen Akteure zur Erarbeitung einer gemeinsamen Problemlösung zusammenführen hilft. Das Handbuch versteht sich als ein solches Instrument, und ich bin sicher, dass viele Verantwortliche von Forschungsverbünden es mit Gewinn nutzen werden.
Ingrid Balzer
Leiterin des BMBF-Projektträgers GSF im GSF-Forschungszentrum
für Urnwelt und Gesundheit GmbH, München
IV
Für das österreichische BMBWK gehört die Unterstützung inter- und transdisziplinären Forschens seit langem zu einem wichtigen Anliegen seiner Forschungspolitik. Das Programm "Kulturlandschaftsforschung", dessen Beteiligte in der DACH-Erhebung ihre Erfahrungen zu diesem Handbuch beisteuern durften, hatte wegweisenden Charakter und stiess im In- und Ausland auf grosse Beachtung. Auch das aktuell laufende Forschungsprogramm für nachhaltige Entwicklung "proVision - Vorsorge für Natur und Gesellschaft" setzt auf die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen und mit der Praxis. Dieses forschungspolitische Interesse des BMBWK zeigt sich etwa auch am Programm "TRAFO (Transdisziplinäres Forschen - Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften)", das als ausdrückliches Methodenprogramm den transdisziplinären Forschungsprozess ins Zentrum der Forschung rückt.
Weshalb dieser Akzent bei der inter- und insbesondere transdisziplinären Forschungsförderung? Wir sind davon überzeugt, dass diese Forschung uns dabei hilft, zum einen wissenschaftsinterne Innovation auszulösen, zum anderen institutionelle Entwicklungen sowohl in der Wissenschaft als auch in anderen Feldern der Gesellschaft zu unterstützen. Transdisziplinäre Forschung hat sich als ausgezeichnete Form des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft erwiesen. Während früher davon ausgegangen wurde, dass die Wissenschaft die gesellschaftliche Praxis verändert, hat die transdisziplinäre Forschungspraxis gezeigt, dass Lernprozesse auch in umgekehrter Richtung angestossen werden, indem die gesellschaftliche Praxis die Wissenschaft verändert.
In inter- und transdisziplinären Verbünden sind alle Beteiligten darauf angewiesen, die Methoden und Sichtweisen der anderen zu verstehen, Daten zueinander in Beziehung zu setzen, gemeinsam Interpretationen vorzunehmen. Dies sind anspruchsvolle Aufgaben. Um sie erfolgreich zu bewältigen, muss auf Programmebene eine entsprechende Begleitung und auf Forschungsebene ein entsprechendes Management vorgesehen werden. Das Handbuch will diejenigen unterstützen, die sich diesem Anspruch stellen und ihn in der konkreten Arbeit verwirklichen wollen. Wir hoffen, dass es auch viele Forschende dazu ermuntert, sich auf Wagnis und Chancen einer intensiven Zusammenarbeit über Disziplinen- und Wissenschaftsgrenzen hinweg einzulassen.
| MR Dr. Christian Smoliner | Dr. Karolina Begusch-Pfefferkorn |
| Leiter der Abteilung VI/4 | Programmleitung proVision |
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK), Wien