Vorwort
Ziel der Landschaftsplanung sind Planung, Sicherung und Entwicklung von Natur und Landschaft. Im schweizerischen Verständnis hat die Landschaftsplanung im Rahmen der gesamträumlichen Planung die Funktion einer Grundlagenplanung, welche die ökologischen Ansprüche an den Raum formuliert und von allen anderen Teil- und Bereichsplanungen zu berücksichtigen ist. Die Landschaftsplanung ist jedoch nicht nur eine Bereichsplanung - wie dies die Verkehrsplanungen und Siedlungsplanungen sind -, sondern sie ist darüber hinaus auch eine überprüfende Planung, welche die Auswirkungen eines Vorhabens auf die Landschaft überprüft und bewertet. In diesem Kontext stehen auch die Umweltverträglichkeits- und die Raumverträglichkeitsprüfung.
Heute sind die genannten Ziele und Funktionen der Landschaftsplanung zwar nicht in Frage gestellt, doch zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab, indem vermehrt das Prozesshafte und Kommunikative des Planungsablaufs ins Zentrum der Planung rückt. Die Erfolge der partizipativen Planung sind greifbar, indem sie klar die Umsetzung von Planungsvorhaben fördert. Allerdings sind die herkömmlichen Planungsgrundlagen in Form von Texten, Karten und Bilder oft unzureichend, um den partizipativen Prozess sachlich informiert zu führen. Kommunikation und Information sind zentrale Bereiche der Partizipation, ohne die keine Planung mehr auskommen kann. Dabei gilt die Hypothese, dass der Wandel der Landschaftsplanung zur kommunikativen Prozessplanung sich nur dann sinnvoll gestalten lässt, wenn die entsprechenden technischen Möglichkeiten der computergestützten 3D Visualisierungen genutzt werden. Letzteres wirft aber zugleich grundlegende Fragen auf.
Die heute beinahe fotorealistischen 3D Darstellungen von Landschaften erlauben die freie dreidimensionale Erkundung der virtuellen Landschaft. Das Ziel des Planungsprozesses darf aber nicht darin bestehen, höchstmöglichen «Realismus» zu erreichen, sondern muss im höchstmöglichen Informationsgewinn liegen. Das Ziel der vorliegenden Dissertation liegt daher nicht nur im Bereich der technischen Machbarkeit von 3D Visualisierungen, sondern es gilt zu erforschen, wie die räumliche Information mit Hilfe von 3D Illustrationen für planerische Laien einen möglichst grossen Informationsgewinn, der über das Bild hinausgeht, ermöglicht. Mittels Analyse der durchgeführten Fallstudien im UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch (Schweiz) wurden die Darstellungsprinzipien für 3D Landschaftsvisualisierungen für den Einsatz in partizipativen Planungsprozessen konkretisiert. Auf planerisch-technischer Seite stellt sich zunächst die Frage nach der Legitimität und Validität der 3D Visualisierung. Trotz der weit fortgeschrittenen Technik der Landschaftsvisualisierung und der Faszination, die von ihr ausgeht, ist dieser der Rezipient mit seiner limitierten Fähigkeit, die damit transportierte Information zu erfassen, gegenüberzustellen. Dies verlangt zwingend die Verknüpfung der Erkenntnisse aus den Kommunikationswissenschaften, insbesondere der Medienpsychologie und der Medienpädagogik, mit den Visualisierungstechniken. Die Arbeit zeigt, dass die 3D Landschaftsvisualisierung ein kraftvolles Instrument zur Kommunikation in der Planung darstellt. Die weitere Entwicklung in 3D Landschaftsvisualisierungen ermöglicht neue Perspektiven für die Zukunft und eröffnet uns neue methodische Ansätze in der Planung. Die vorliegende Arbeit leistet diese Verknüpfung von Kommunikationswissenschaften und planungsrelevanten 3D Visualisierungen. Sie zeigt auf, wie Visualisierungen in der Planung optimiert werden sollen, um ein Maximum an Information gewinnen zu können. Die Resultate der Arbeit sind handlungsorientiert. Ausgehend vom Informationsbedarf und den technischen Möglichkeiten der Visualisierung sowie der Umsetzung von Prinzipien der Kommunikationswissenschaften werden konkrete Empfehlungen formuliert. Nicht das Ausmass des Informationsverständnisses ist von erstrangiger Bedeutung, sondern die Erkenntnisse, wie sich die verschiedenen Landschaftsansprüche hinsichtlich des Prozesses der Partizipation optimieren lassen.
Prof. Dr. Willy A.Schmid