Vorwort
Schon oft wurden Aussagen über den Kölner Rosenmontagszug formuliert und zitiert. Wer sich die Mühe macht und die vielen Zitate entdeckt, wird schnell feststellen, dass gerade hier Vergangenes auch heute noch Bestand hat. Der Kölner Rosenmontagszug war zu allen Zeiten - seit seiner neuen Ordnung im Jahr 1823 - das publikumswirksamste Ereignis des Kölner Karnevals und damit auch "das" Großereignis der Stadt Köln. Wer Köln kennt, kennt auch den Kölner Rosenmontagszug. Er war und ist bis heute die Veranstaltung, welche national und international gesehen maßgeblich die Außendarstellung unserer Stadt prägt. Der Narr genießt die "Narrenfreiheit", seine Aufgabe ist es, der Welt den Spiegel vorzuhalten. Dies leistet der Rosenmontagszug in beeindruckender Weise. Ganz in diesem Sinne spiegelt er Entwicklungen innerhalb des Kölner Karnevals wider und persifliert zudem Themen, die weit über die Domstadt hinaus Bedeutung haben. Mit Selbstbewusstsein zeigen der Rosenmontagszug, seine Gestalter und Teilnehmer, dass Tradition hier mit Leidenschaft gelebt wird. Dies ist Teil der einzigartigen Kölner Mentalität und Identität. Dabei ist dieses gigantische Stück Brauchtum offen für alle Kölner und für die Gäste aus aller Welt.
Als 1991 das Buch "Die Kölner Maskenzüge 1823-1914" von Michael Euler-Schmidt erschien, hielt es sehr schnell Einzug in viele, nicht nur Kölner Haushalte. Diese Publikation als anschauliche Dokumentation wurde rasch zum Nachschlagewerk. Seit Jahren ist sie vergriffen und die Rufe nach einer Neuauflage wurden immer lauter. Diesen Rufen folgten nun engagierte Taten. Gemeinsam mit Marcus Leifeld hat Michael Euler-Schmidt das Buch überarbeitet und um neue Quellen und interessante Forschungsergebnisse ergänzt. Zusätzlich wurde der Betrachtungszeitraum bis in die unmittelbare Nachkriegszeit erweitert. Zahlreiche Bilder und moderne Gestaltungsformen schaffen den Spagat zwischen Wissenschaft und Anschaulichkeit. Geschichten, Anekdoten und interessante Hintergründe lassen die Rosenmontagszüge des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder lebendig werden.
Diese Publikation erzählt aber auch die Geschichte des gesamten "geordneten Kölner Karnevals, untersucht Masken und Bräuche, erläutert und hinterfragt die Entwicklung der Züge und des Karnevals allgemein. So ist ein Werk entstanden, das die Stadtgeschichte und die Kulturgeschichte des Brauchtums Karneval transparent macht. Sichtbar wird belegt, dass die Geschichte des Kölner Karnevals und seiner Rosenmontagszüge immer auch Stadtgeschichte und genauso Spiegel der Weltgeschichte war.
Christoph Kuckelkorn
Leiter Kölner Rosenmontagszug