Vorwort
Die Pilgerfahrt zum Grab des Apostels Jakobus ist ein europäisches Phänomen, dass seit dem Mittelalter Menschen zusammen auf den Weg quer durch Europa über Frankreich in den äußersten Westen Spaniens führt. Glaubt man Goethe, so ist durch den Jakobsweg über die Jahrhunderte hinweg eine gewisse kulturelle und innere Einheit Europas entstanden. Wer sich damals wie heute auf den Weg macht, wird mit vielfältigen Begegnungen beschenkt, durch abwechslungsreiche Landschaften geführt und erfährt stets ganz persönliche Erlebnisse. Das Abenteuer Jakobsweg ist heutzutage kalkulierbarer geworden und hält trotzdem für jeden, der sich auf den Weg macht, seine Überraschungen bereit.
Von den vier Hauptwegen, die durch Frankreich führen, gilt die Via Podiensis als die herausragende Strecke hinsichtlich der kulturellen Höhepunkte, wie zum Beispiel die Kathedrale von Le Puy-en-Velay, die Abtei von Conques oder der Kreuzgang von Moissac. Eingebettet sind diese Perlen der romanischen Baukunst in einen atemberaubend schönen Naturraum, der dem Wanderer von Vulkanlandschaften über Kalkhochflächen und milde Hügelketten bis hin zu schroffen Canyons und lieblichen Flussläufen alles zu bieten hat. Durch Wiesen, Wälder, Weiden und Felder schlängelt sich der französische Jakobsweg vom Ausgangsort Le Puy-en-Velay im südlichen Zentralmassiv zu den Pyrenäen, die auf zwei traditionellen Passwegen überwunden werden können.
Im Wanderführer ist die Via Podiensis, die als Fernwanderweg GR 65 gekennzeichnet ist, mit ausführlichen Routenbeschreibungen, Streckenprofil, Infrastruktur sowie kurzen kulturhistorischen Hinweisen und Legenden dargestellt. Der Weg lebt von den Landschaften, den Kirchen, Klöstern und Brücken, aber vor allem durch die Pilger und Wanderer aus allen Ländern, die sich durch alle Generationen hindurch und mit verschiedensten Motivationen auf den Jakobsweg begeben haben. Allen, die sich auf den Weg machen, ein gutes Gelingen: Bon Courage!
Kirchheim/Teck, Frühjahr 2007
Bettina Forst