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Abschlüsse und Zertifikate in der Weiterbildung
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Vorwort

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem in der Weiterbildungsforschung relativ wenig bearbeiteten Thema. Zertifikate und Abschlüsse sind in der Weiterbildungspraxis zwar oft zu finden, aber es gibt wenig wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema. Die Idee für diese Arbeit ist bei der Auseinandersetzung mit der Erfassung und Dokumentation von informell erworbenen Kompetenzen entstanden, was momentan sowohl bildungspolitisch als auch in der Weiterbildungsforschung en vogue ist. Hier sind in den letzten Jahren einige Untersuchungen, Modellprojekte und theoretische Arbeiten entstanden. In ihnen wird oftmals auf das bestehende Nachweiswesen hingewiesen, wobei allerdings eine Überblicksdarstellung zu Abschlüssen und Zertifikaten bislang fehlt. Ob man zu Dokumentationen über informelle und non-formelle Kompetenzen arbeiten kann, ohne das formale System grundlegend zu verstehen, erscheint durchaus diskussionswürdig. Diese Forschungslücke will die hier vorliegende Arbeit zumindest teilweise schließen.

Im Folgenden beschäftige ich mich nur mit der Zertifizierung von Lernleistungen und nicht mit der Zertifizierung von Einrichtungen im Sinne des Qualitätsmanagements. Auch Fragen der Prüfungsmethodik werden allenfalls am Rande gestreift. Insgesamt konzentriert sich diese Arbeit auf Abschlüsse und Zertifikate von Lernenden1 , die auf Prüfungen basieren, während reine Teilnahmebescheinigungen nicht eingehend untersucht werden. Der Begriff Nachweis wird gelegentlich als Sammel oder Oberbegriff verwendet. Die Begriffe Erwachsenenbildung und Weiterbildung werden in der Regel synonym verwendet, wobei im historischen Teil der Erwachsenenbildungs- und im aktuellen Teil der Weiterbildungsbegriff bevorzugt wird.

Wenngleich die Programmanalyse sich in der Weiterbildungsforschung momentan methodisch nicht der allergrößten Beliebtheit erfreut, hat diese sich im Rahmen dieser Arbeit sehr bewährt. Wenn man sich mit ihrer Hilfe nicht ideologisch-normativ, sondern empirisch mit Abschlüssen und Zertifikaten in der Weiterbildung befasst, wird man auf eine Praxisvielfalt stoßen, die bislang nur in rudimentären Ansätzen beschrieben und analysiert ist. Über die kleinteilige Beschreibung und Analyse der in Weiterbildungsprogrammen abgebildeten Praxis kann man theoretische Aufschlüsse gewinnen und das Praxisfeld besser systematisieren. Dies ist sowohl für Theorie und Praxis erkenntnisreich, da es dabei helfen kann, eine gemeinsame Begrifflichkeit zu entwickeln, ohne die Kommunikation kaum gelingen kann. Vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens, welches die bildungspolitische und wissenschaftliche Diskussionen seit einigen Jahren als Leitidee bestimmt, sollten Nachweise eigentlich an Bedeutung gewinnen. Wenn man nämlich kontinuierliche Bildungslebensläufe über Schule und Ausbildung hinaus fördern will, dann braucht man auch Nachweise, welche diese Bildungsprozesse dokumentieren helfen. Bislang stellt man aber allenfalls im Bereich der Dokumentation des informellen oder non-formalen Lernens ein wachsendes Interesse fest, während man versäumt, Nachweise in der Weiterbildung in ihrer Gesamtheit zu erfassen und an einem Gesamtsystem mit vielfältigen Verzahnungen zu arbeiten. Diese Arbeit kann auch als Plädoyer für eine Verwirklichung des Konzepts lebenslangen Lernens im Sinne des Ausbaus der Durchlässigkeit des Bildungssystems, einer Offenheit für Bildungschancen für alle bis ins hohe Erwachsenenalter hinein und einer Bekenntnis zum meritokratischen System in Abgrenzung zur Dominanz von Geburtsprivilegien gelesen werden. Letztere sollten im 19. Jahrhundert durch Nachweise in ihrer Bedeutung relativiert werden. Am Anfang des 21. Jahrhunderts stellt sich die Frage neu, wie Begabung und Leistungsbereitschaft und nicht Geburtsstand über Lebensperspektiven entscheiden können.

Besonderen Dank möchte ich Friederike Behringer und Gerhard Reutter aussprechen, die als "kritische Freunde" viele Textentwürfe gelesen und mir immer wieder wichtige inhaltliche und formale Hinweise gegeben haben. Wiltrud Gieseke danke ich für wichtige Impulse bei der Konzeption und Durchführung dieser Arbeit sowie für ihre engagierte Betreuung des Schreibprozesses. Sie hat meine wissenschaftliche Laufbahn frühzeitig und kontinuierlich im Menschlichen und im Fachlichen entscheidend gefördert. Meiner Frau Meike Eichele danke ich für die emotionale Unterstützung und den motivierenden Zuspruch in schwierigen Arbeitsphasen. Sie hat viele arbeitsreiche Wochenenden und Abende kritikfrei toleriert und mir unseren Sohn David geschenkt, der die Fertigstellung dieser Arbeit beschleunigt hat. Widmen möchte ich diese Arbeit meiner Mutter.


 
   


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