Vorbemerkungen
Bildung und Kultur gehören zu den Kernbereichen, in denen Ziele und Identitäten im zusammenwachsenden Europa gefunden und gefestigt werden. So ist das Leitziel der Europäischen Union, im Jahre 2010 die global gesehen wettbewerbfähigste wissensbasierte Region der Welt zu sein, eng verbunden mit den Bemühungen um das lebenslange Lernen in den Mitgliedstaaten. Gerade in Bildung und Kultur, insbesondere auch in der Weiter- und Erwachsenenbildung, bestehen aber zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union große Unterschiede.
Die erste Fassung des hier vorliegenden "Porträts Weiterbildung Deutschland" ist 1994 veröffentlicht worden -und damit in einer Phase beginnender europäischer Bildungspolitik, in der sich Partnerschaften entwickelten, Diskurse und Projekte entstanden sowie Kenntnisse zusammengetragen wurden. Das meiste davon geschah mit Unterstützung der Europäischen Union, die in Programmen solche Kommunikationen und Produktionen förderte. Damals diente das Buch dazu, die Informationsinteressen der speziellen Projektpartner aus den europäischen Nachbarländern zu befriedigen, Hilfe zu bieten, das jeweils nationale Erwachsenenbildungssystem zu verstehen und Anknüpfungspunkte zu formulieren für eine engere Zusammenarbeit. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) hat diese Interessen zu der damaligen Zeit nicht nur für Deutschland realisiert, sondern - im weiteren Verlauf dann mit dem Europäischen Konsortium "European Research and Development Institutes of Adult Education" (ERDI) - für andere Länder realisiert (Frankreich, Griechenland, Österreich, Spanien, Schweiz, Dänemark, Rumänien und Finnland), schließlich auch in einem Band über die Europäische Union selbst. Diese kurzen Texte wurden außerordentlich begrüßt von all jenen, die praktisch in der Erwachsenenbildung arbeiten, aber auch von Studierenden sowie von denjenigen, die einen ersten Zugang zu der Erwachsenenbildung in dem jeweiligen Land suchten.
Inzwischen haben sich die Dinge weiterentwickelt. Es gibt zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und ihren Bildungsbereichen vielfältige Kommunikationen, Verknüpfungen, Projekt- und Programmbeziehungen. Die Kenntnisse über die jeweiligen nationalen Systeme haben sich deutlich verbessert, es werden immer häufiger "Best-practice// -Modelle ausgetauscht und es wird gemeinsam nach Lösungen für gemeinsame Probleme gesucht. Auch das politische Geschehen in Europa, in dem nach dem Verfahren der offenen Koordinierung Indikatoren definiert und Benchmarks gesetzt werden, hat die Transparenz erhöht. Europaweite Verfahren wie der Bologna-Prozess haben auch in der Weiterbildung Europäer einander nähergebracht: Die Aktivitäten im Anschluss an das "Memorandum lebenslanges Lernen" (2000) sind hier ebenso zu nennen wie der Einsatz des "Adult Education Survey", der teilweise nationale Erhebungen ersetzen wird. Die geringe Kenntnis von- und die Neugier aufeinander aus den ersten Jahren europäischer Bildungspolitik sind damit in den Hintergrund getreten.
Umso deutlicher wird dabei aber auch die Schwierigkeit, aktuelle und systematisch aufbereitete Daten über die jeweiligen Bildungssysteme zu erhalten. Gerade in der Erwachsenenbildung ist die Datenlage in allen europäischen Mitgliedstaaten eher dürftig, genauere Kenntnisse über diesen Bildungsbereich ergeben sich hauptsächlich durch langjährige Arbeit und damit erworbenes Wissen. Dem Bedürfnis nach einer knappen, übersichtlichen, systematischen und aktuellen Information über das jeweilige Bildungssystem dienen die "Porträts Weiterbildung" des DIE heute. Das innerhalb und außerhalb Deutschlands bestehende Interesse an einer solchen Informationsbroschüre über die deutsche Weiterbildung ist unübersehbar, belegt durch die Anzahl der verkauften Exemplare, aber auch durch die Übersetzungen von Vorauflagen im europäischen Raum (albanisch, englisch, französisch, polnisch, rumänisch, russisch, türkisch, ungarisch) und darüber hinaus (chinesisch, koreanisch). Ergänzend zur vorliegenden Printversion werden die herangezogenen Daten und Fakten in einem besonderen Servicebereich der DIE-Website zugänglich gemacht werden und dort jeweils aktualisiert erreichbar sein.
Mit der erneuten und aktualisierten Auflage des "Porträts Weiterbildung Deutschland" verfolgt das DIE seine Aufgabe, Dienstleistungen für Wissenschaft und Praxis der Erwachsenenbildung zu erbringen. Dazu stellt es jeweils Informationen, Dokumente und Materialien zur Verfügung und disseminiert diese in Konferenzen, Arbeitsgruppen und Publikationen. Die Dienstleistungen des DIE stehen dabei jeweils in engem Zusammenhang mit seinen Forschungsarbeiten, die unverzichtbarer Bestandteil der Weiterbildungsforschung in Deutschland sind. So stützt sich der vorliegende Text auf die institutsinterne Arbeit zu den "Trends der Weiterbildung" (für 2008) und auf die Statistiken, die im DIE bearbeitet werden (zuletzt "Verbundstatistik 2006"; "Volkshochschul-Statistik 2007").
Im Interesse einer weiteren Verbesserung des "Porträts Weiterbildung Deutschland" ist das DIE auch an Rückmeldungen der Leser/innen interessiert; bitte wenden Sie sich mit Fragen, Anregungen und Kommentaren direkt an meinen Co-Autor Peter Brandt (brandt@die-bonn.de).
Ekkehard Nuissl von Rein
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung