Vorwort
Eckart Severing
Geschäftsführer des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb)
Die Beschäftigungsquote Älterer in Deutschland ist im internationalen Vergleich immer noch unterdurchschnittlich. Zwar ist der Anteil der erwerbstätigen 55 bis 64-jährigen in den letzten Jahren gestiegen. Im Vergleich zu anderen europäischen Nationen schneidet Deutschland aber nach wie vor nicht gut ab - und das, obwohl sich die Einstellung der Betriebe zu Älteren und ihrem Leistungsvermögen in vielen Untersuchungen als durchaus positiv darstellt. Notwendige Maßnahmen wie Krankheitsprävention und der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit durch Weiterbildung unterbleiben vielfach noch. Vielen Maßnahmen fehlt es am bedarfsgerechten Zuschnitt:
Die jetzt älteren Mitarbeiter haben anderen Weiterbildungsbedarf als junge Absolventen einer dualen Ausbildung oder eines Hochschulstudiums. Die Personalentwicklung hat diesen Unterschieden Rechnung zu tragen und sehr genau nach Altersgruppen und unterschiedlichen Bildungsanforderungen zu unterscheiden.
Der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit darf nicht erst mit den älteren Mitarbeitern einsetzen, er muss sich alterssensibel über das gesamte Erwerbsleben erstrecken. Mittlerweile liegt eine Vielzahl an Konzepten und Instrumenten vor, die Unternehmen für diese Zwecke einsetzen können. Es gilt, diese nun in der Breite umzusetzen.
Der vorliegende Band versammelt Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Er will Mut machen, sich den Herausforderungen einer alternsgerechten Personalentwicklung zu stellen. Die Beiträge des ersten Teils stellen Konzepte einer differenzierten Personalentwicklungspolitik vor, die nach den Anforderungen der unterschiedlichen Beschäftigtengruppen unterscheidet, und diskutieren Möglichkeiten ihrer strategischen Verankerung im Unternehmen. Es wird deutlich, dass auch Maßnahmen der Arbeitsplatzgestaltung dazu beitragen müssen, Leistungsfähigkeit und -motivation der Mitarbeiter über alle Lebensphasen hinweg zu erhalten.
Im zweiten Teil des Bandes geht es um demografischen Wandel und betriebliche Weiterbildung im Lichte empirischer Untersuchungen: Welche Faktoren beeinflussen das Weiterbildungsangebot von Unternehmen? Welche Korrelation besteht zwischen betrieblicher Alterssensibilität und Weiterbildungsverhalten? Wie sieht die Weiterbildungssituation älterer Mitarbeiter in der Produktion aus? Der dritte Teil diskutiert die wichtigen Fragen der Gesundheitsprävention und der alternsgerechten Arbeitsgestaltung an Beispielen aus dem Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs. Hier geht es um Möglichkeiten der Einbettung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements in die Personal- und Organisationsentwicklung und den Einfluss von Führungsverhalten auf Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung .
Die in diesem Sammelband enthaltenen Beiträge machen deutlich, dass es zu den Herausforderungen des demografischen Wandels bereits eine Vielzahl differenzierter Handlungsempfehlungen und erprobter Konzepte alternsgerechter Personalentwicklung und Weiterbildung gibt. Wir hoffen, mit dieser Veröffentlichung eine hilfreiche Dokumentation und einen erneuten Anstoß für eine konstruktive Diskussion und Weiterentwicklung alternsgerechter Personalpolitik geben zu können.