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Die "Izutsu-Bibliothek der orientalischen Philosophie" hat als ihre basale Koordinate die Schlüsselbegriffe, die Izutsu selber gesammelt hat bzw. hätte. Sie zielt darauf, Texte in fundierten Übersetzungen zu präsentieren und die darin enthaltenen Schlüsselbegriffe philosophisch zu entwickeln. Jeder der so vorgelegten Texte wird in die jeweiligen Philosopheme einführen, und die Sammlung insgesamt soll im Sinne Izutsus "das Ganze der orientalischen Philosopheme als einen fügsamen und plastischen "Text von Begriffsmosaiken" zusammenweben". Als Aufbau einer solchen Textsammlung will diese Bibliothek eher ein Beitrag zur Zukunft als nur eine bloße Aufbewahrung der Vergangenheit sein.

Im vorliegenden dritten Band der Izutsu-Bibliothek werden Texte aus dem Shōbōgenzō von Dōgen (1200-1253), dem Begründer der japanischen Sōtō-Schule des Zen, ausgewählt, übersetzt und kommentiert. Durch die aufgenommenen Texte werden drei Texttypen des Shōbōgenzō im ganzen repräsentiert: Die spekulative Reflexion, das Aufzeigen derselben in konkreten Situationen und die praktisch einführende Anweisung. Das Buch soll ein Forschungsinstrument in deutscher Sprache an die Hand geben, mit dem das Denken Dōgens in verschiedene Richtungen weiter bearbeitet werden kann, und zwar vor allem auch im Sinne eines "anders Philosophieren aus dem Zen".




Die Texte von Dōgen, diesem Altmeister aus der Frühzeit des japanischen Zen-Buddhismus, lassen sich verschieden lesen, als klösterliche Meditationsanweisungen, als Proben einer naturnahen Lebenspoesie oder eben als fernöstliche Spielart dessen, was im Westen Philosophie heißt. Philosophisch interessierte Leser stoßen auf wichtige Motive, die in unserem gegenwärtigen Denken eine besondere Resonanz finden. Dies betrifft vor allem den Komplex der Zeit: das Wirken der Zeit, das Ineinander der verschiedenen Zeitdimensionen, das Leben des leiblichen Selbst zwischen Erwachen und Versinken oder die Verschränkung von Geschichts- und Naturzeit. Hinzu kommt eine besondere Lust an Paradoxien, mit denen die Sprache ihre Grenzen markiert, und die Anknüpfung an Alltägliches, das jederzeit in Unalltägliches umschlägt. Das sachkundige japanisch-deutsche Herausgeberpaar, das seine Herkunft aus der Würzburger Phänomenologie nicht verleugnet, achtet darauf, daß bei aller willkommenen Nähe eine fruchtbare Ferne gewahrt bleibt. Eigens geprägte Doppelwörter wie "Leib-Herz" zur Bezeichnung des leiblichen Selbst und "Sein-Zeit" zur Bezeichnung einer ereignishaften Zeit schieben sich als Leseschwellen in den Text und verhindern mit ihren Verfremdungseffekten eine rasche Verwandlung ins Eigene. Ein besonderer Reiz liegt in dem Wechselspiel von Sagen und Zeigen, wie es uns ebenso von der neueren Phänomenologie oder von Wittgenstein her vertraut ist. Der Weg von Ost nach West und der Weg von West nach Ost ist nicht derselbe und kann es auch nicht sein, doch fehlt es nicht an Kreuzungspunkten, die zu einem fruchtbaren Philosophieren zwischen den Kulturen einladen.


BERNHARD WALDENFELS

Professor emeritus für Philosophie
an der Ruhr-Universität Bochum



ISBN 3-7728-2390-4








 
   


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