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Erich Mendelsohn. Architekt 1887-1953. Gebaute Welten
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Vorwort und Dank

Drei Dinge, die sehr eng miteinander verknüpft sind, möchte ich diesem Buch vorausschicken: eine Erläuterung, wie es zu diesem Projekt kam, eine Erklärung zunächst vielleicht verwirrender Punkte und den Dank für Hilfe und Unterstützung.

Entstanden ist das Buch aus der Überlegung heraus, daß die Arbeit und die Person Erich Mendelsohns, gemessen an ihrer Bedeutung für die Architektur des 20. Jahrhunderts, aus einer Vielzahl von Gründen auf dem internationalen Buchmarkt völlig unterrepräsentiert sind. Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren eine Reihe von jüngeren Architekturhistorikern mit einzelnen Themen oder Werkabschnitten befaßt und ihre Arbeiten auch publiziert, allerdings in einer Form, die sich weniger an die breite Öffentlichkeit wendet: als streng wissenschaftliche Dissertation. So reifte der Entschluß, diese Kolleginnen und Kollegen sowie Charlotte Benton, die seit vielen Jahren über die Architektur der zwanziger und dreißiger Jahre in Großbritannien forscht, in einem gemeinsamen Buch zusammenzubringen und damit die Forschungsergebnisse allgemein zugänglich zu machen. Außerordentlich erfreulich war die Reaktion von Charlotte Benton, Cambridge/Großbritannien, Ita Heinze-Greenberg, Haifa/Israel, Kathleen James, Berkeley/USA, und Hans R. Morgenthaler, Denver/USA, die spontan ihre Bereitschaft erklärten, ihre Beiträge zu dem Buch zu leisten. Besonders anregend war die enge, sachorientierte Zusammenarbeit und der dem gemeinsamen Ziel dienende selbstlose Austausch von Informationen und Material. Sie erlaubten es, Verknüpfungen zwischen den einzelnen Themenbereichen herzustellen, auch wenn sich die Autoren ganz auf ihr jeweiliges Forschungsgebiet konzentrierten. So präsentiert sich diese Publikation heute als eine Sammlung von Aufsätzen von fünf Autoren - durchaus unterschiedlich in Stil und wissenschaftlichem Ansatz. Die Beiträge sind auch ein Abbild der verschiedenen Hochschulen, aus denen die Autoren kommen beziehungsweise an denen sie heute lehren, und stellen das breite Spektrum architekturhistorischer Forschung vor. Es ist unserer Meinung nach zudem eine, wenn nicht die einzige, angemessene Antwort auf die Persönlichkeit und die Architektur Erich Mendelsohns, in dessen Leben und CEuvre sich die politischen, technischen, künstlerischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts wie in einem Brennspiegel zeigen.

Geboren 1887 in der ostpreußischen Kleinstadt Allenstein als fünftes Kind kleinbürgerlicher Eltern, war es Mendelsohn nicht in die Wiege gelegt, daß er sich im Laufe seines Lebens zu einem kosmopolitischen Architekten entwickeln sollte, der in mehreren Kontinenten leben und arbeiten würde. Zugleich ist es erstaunlich, wie früh sich diese Entwicklung abzeichnete: So stand er schon als junger Mann in enger freundschaftlicher Beziehung zu Erwin Finlay-Freundlich, Einsteins Mitarbeiter, der ihm den Auftrag für den Einsteinturm in Potsdam vermitteln sollte; schon zu Beginn der zwanziger Jahre hielt er im Ausland Vorträge über seine Architektur, und bereits 1920 wurde ihm eine erste Publikation gewidmet.

Konsequent wie nur wenige knüpfte er sich ein internationales Netzwerk aus Auftraggebern und Kollegen, mit denen er zum Teil über Jahre hinweg eng zusammenarbeitete. Wie wichtig dies für ihn war, zeigte sich 1933, als er zusammen mit seiner Frau Luise nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten im Frühjahr Deutschland verließ. Im ersten Land seiner Zuflucht, Großbritannien, war er kein Unbekannter, da er dort in den Jahren zuvor Vorträge gehalten hatte und seine Werke in Fachzeitschriften publiziert worden waren. Man empfing ihn mit offenen Armen, ermöglichte ihm umgehend zu arbeiten, wo andere, unbekanntere Architekten mit Internierung zu rechnen hatten. Als er schließlich 1938 die englische Staatsbürgerschaft erhielt, änderte er seinen Vornamen in Eric; seine Frau Luise nannte sich fortan, wenn auch nicht völlig konsequent, Louise. Wir haben diesen Namenswechsel in den Texten berücksichtigt, weil er auf beeindruckende Weise verdeutlicht, wie sehr Mendelsohn zu Deutschland auf Distanz ging, nach allem, was dort mit den jüdischen Mitbürgern geschah und es ihm unmöglich machte, noch einmal nach Deutschland zurückzukehren. Andere taten im übrigen dasselbe, wie Salmann Schocken, sein Hauptauftraggeber in Deutschland und sein großer Förderer in Palästina, der sich im Exil Salman nannte. Mit Palästina verbanden sich die größten Hoffnungen und wohl auch die größten Enttäuschungen für Erich Mendelsohn: Als überzeugter Zionist wollte er seinen Beitrag zum Aufbau des Landes leisten, weshalb er 1935 ein Büro in Jerusalem gründete. Die politischen und wirtschaftlichen Umstände veranlaßten ihn jedoch 1941, Palästina zusammen mit seiner Frau zu verlassen, nachdem er bereits 1939 sein Londoner Büro aufgelöst hatte. Das dritte »Asyl« bot ihm die USA, doch kam er zu einem Zeitpunkt, als es nichts zu bauen gab und seine bereits früher aus Deutschland immigrierten Kollegen Lehrstühle und Aufträge untereinander aufgeteilt hatten. Da er den Ruf hatte, sehr selbstbewußt, ja arrogant zu sein, hielt sich ihre Unterstützung für ihn in Grenzen. Wir als Nachgeborene sehen die Persönlichkeit Mendelsohns anders, differenzierter, weil wir über die vielen Tausend Briefe, die Erich und Luise im Laufe ihres Lebens austauschten, Einsicht in sein Denken und Handeln haben. Uns erscheint er als ungewöhnlich integre, die Gegebenheiten klar analysierende und zugleich visionäre Persönlichkeit. Er tat sich schwer, erneut Fuß zu fassen, die Liebe zu Palästina und Europa hatte ihn zu lange in ihren Bann gezogen. Wie vorausblickend er war, zeigt sich an der Academie Europeenne Mediterranee, die er zusammen mit anderen als internationales Forschungs- und Lehrinstitut aufbauen wollte: länderübergreifend, europäisch, wie es erst viele Jahrzehnte später im Rahmen eines vereinten Europa realisierbar wurde. In den USA verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Arbeit. Ganz allgemein kann man sagen, daß die unterschiedlichen Länder unterschiedliche architektonische Akzente setzten. Dies bezieht sich im übrigen nicht nur auf die Art des Gebäudes, sondern auch auf seine Struktur, bei der es Mendelsohn, ganz Theodor-Fischer-Schüler, vor allem auf die Einbindung in den städtebaulichen und landschaftlichen Kontext ankam. Seine Bauten sind stets dialogisch entwickelt, für den jeweiligen Zusammenhang entworfen. Hätte sich seine Architektur an den amerikanischen Hochschulen der fünfziger Jahre durchgesetzt, hätten die Städte - überspitzt formuliert - nicht derart uniforme und unwirtliche Formen angenommen. Im Hinblick auf die zunehmende Berücksichtigung bestehender Stadtstrukturen in der aktuellen Architektur - Stichwort: »Bauen im Bestand« - gewinnt Erich Mendelsohns architektonischer Ansatz enorm an Bedeutung. Dies aufzuzeigen ist eines unserer Ziele.

Natürlich läßt sich ein solches Buch nicht ohne vielfältige Unterstützung realisieren. Nennen möchte ich hier in erster Linie die Archive, Bauämter, Bibliotheken, Kollegen und Privatpersonen, die uns Autoren bei den Recherchen unterstützten, die Materialien zugänglich machten und ihrer Veröffentlichung zustimmten. Alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Vorworts sprengen. Doch eine Institution soll an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden: die Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Ihr Direktor, Herr Prof. Dr. Bernd Evers, hat unsere Arbeit seit Jahren großzügig unterstützt und gefördert, ohne ihn wären viele Erkenntnisse nicht möglich gewesen. Herr Bernd Meier hat mit großer Geduld und Engagement die Schätze des Erich Mendelsohn-Archivs gehoben und uns zugänglich gemacht. Der Berliner Kunstbibliothek gebührt daher unser aufrichtiger Dank! In ihn eingeschlossen seien auch die Photographen, die das Archivmaterial reproduzierten; stellvertretend für alle möchte ich hier Herrn Dietmar Katz nennen, der die jüngsten Aufnahmen beisteuerte.

Ohne Verlag jedoch gäbe es kein Buch, bliebe die beste Konzeption auf dem Papier. Der Verlag Gerd Hatje hat das Projekt von Anfang an unterstützt. Frau Annette Kulenkampff, die Geschäftsführerin, hat es mit sehr viel Energie und Engagement zu ihrem eigenen gemacht und somit seine Realisierung ermöglicht. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Nicht zuletzt auch, weil sie mit Frau Ute Barba eine exzellente, sehr genaue Lektorin und mit Frau Christine Müller eine überaus kompetente und stets einsatzbereite Herstellerin mit der Produktion betraute. Mit diesem Team zusammenzuarbeiten, bereitete große Freude, und ich möchte mich bei ihnen auch im Namen der Koautoren herzlich bedanken.

Esther Mendelsohn-Joseph, die Tochter des Architekten, war in allen Phasen über den Stand der Arbeiten informiert. Sie förderte, motivierte und informierte uns nach Kräften. Ihr großes Engagement war uns Ansporn und Vergnügen zugleich. Auch ihr sind wir zu großem Dank verpflichtet. Mein Mann Peter unterstützte mich in der zweieinhalb Jahre währenden Zeit von der Idee bis zur Drucklegung tatkräftig. Ihm widme ich dieses Buch.

Regina Stephan


 
   


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