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Französische und spanische Malerei
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Vorwort

Gegenüber dem Reichtum der Alten Pinakothek an altdeutscher, flämischer, holländischer und italienischer Malerei sind die Gemälde aus Frankreich und Spanien vergleichsweise gering an Zahl. Doch der hohe Rang der Meisterwerke, Glanzpunkte der jeweiligen Schule, wiegt diesen vermeintlichen Mangel bei Weitem auf. Damit sind auch die Abteilungen der französischen und spanischen Malerei dem Anspruch der Alten Pinakothek verpflichtet, das Augenmerk auf exzeptionelle Schlüsselwerke zu richten, den Höhenweg entlang der Spitzen der Malkunst zu beschreiten. Sämtliche großen Meister Spaniens sind vertreten, und in der Versammlung ihrer französischen Kollegen werden allein Georges de la Tour und Antoine Watteau schmerzlich vermisst. Die Existenz dieser kleinen, aber erlesenen Kollektionen verdankt sich - wie überhaupt der Gesamtbestand der Alten Pinakothek - der Sammeltradition des Hauses Witteisbach, wird jedoch nachdrücklicher noch als bei den anderen Malschulen verstärkt durch glückliche Entscheidungen während des 20. Jahrhunderts.

Politische Allianzen und dynastische Beziehungen haben in den verschiedenen Zweigen des Hauses Witteisbach den Blick auf Frankreich und Spanien richten lassen und somit Chancen der Erweiterung des Kunstbesitzes geboten. So gelangte das meisterhafte Bildnis von der Hand des Velazquez 1694 durch Vermittlung der spanischen Königin Maria Anna an ihren Bruder, den Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, um dann in dessen Düsseldorfer Galerie ein frühes Beispiel für die Wertschätzung spanischer Malerei zu setzen. Ebenso hat der Vetter Johann Wilhelms, Kurfürst Max Emanuel von Bayern, während seiner politischen Mission in den Spanischen Niederlanden den Grundstock für den Reichtum an Murillos Genrebildern gelegt, die heute nirgends so umfassend vertreten sind wie in der Alten Pinakothek. Wie sehr dabei selbst politische Wetterlagen der Sammeltätigkeit förderlich sein konnten, belegt der Umstand, dass Max Emanuel für zwei zuvor auf dem Pariser Markt erworbene Hauptwerke von Nicolas Poussin ausgerechnet während der Jahre seines Exils am Hof Ludwigs XIV. Rahmen in Auftrag gab, die kürzlich aufgefunden und mit Poussins »Midas und Bacchus« und »Apollo und Daphne« wiedervereint wurden. Sie dürfen heute als die wohl kostbarsten französischen Prunkrahmen der Zeit um 1710 gelten. Politische Allianzen, ja Freundschaft mit Ludwig XV. und Madame de Pompadour setzten überdies Herzog Christian IV von Pfalz-Zweibrücken in die Lage, Hauptwerke von François Boucher und Joseph Vernet in Paris zu erwerben. Um 1800 wurden dann mit der Mannheimer, der Zweibrücker, der Düsseldorfer Galerie auch deren Bestände an französischer und spanischer Malerei nach München verbracht und dort mit der kurfürstlich-bayerischen Sammlung vereinigt. Damals verfügte keine andere Galerie in Deutschland über eine derart reiche Sammlung an Gemälden dieser Kunstlandschaften.

Leider wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts sich bietende Chancen für Erwerbungen auf dem Feld beider Malschulen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht genutzt, während etwa die Museen in Berlin ihren planmäßigen Ausbau betrieben. Umso bedeutsamer war dann der Einsatz Hugo von Tschudis, der während seiner kurzen Amtszeit als Generaldirektor von 1909 bis 1911, ausgehend von der Wertschätzung zeitgenössischer Avantgarde, El Greco unter die Meister der Alten Pinakothek aufnahm, beraten und bestärkt durch August Liebmann Mayer, einen der ersten Spezialisten für spanische Malerei. Dessen Stellung als Konservator der Alten Pinakothek, dessen international geachteter Ruf als Wissenschaftler schützten nicht vor antisemitischer Diffamierung, vor Berufsverbot, Verfolgung, schließlich Ermordung in Auschwitz. Mit dem frühen Tod Tschudis und dem grauenvollen Schicksal Mayers schloss eine Phase der Kennerschaft spanischer Kunst, die für die Alte Pinakothek reichere Frucht hätte tragen sollen.

Mit Halldor Soehner, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen von 1964 bis 1968 und hier in den Jahren zuvor als Konservator tätig, erwuchs der Forschung erneut ein Spanienkenner. Er schuf 1966 zudem die Voraussetzung für eine der glücklichsten Entwicklungen, die ein deutsches Museum im 20. Jahrhundert für das Anwachsen seiner Bestände verzeichnen durfte. Als mäzenatische Förderung der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank - sie war 1835, ein Jahr vor Eröffnung der Alten Pinakothek, wie diese von König Ludwig I. gegründet worden und ist heute aufgegangen in der HVB Group - konnte dank Vertrauens und enger Absprache zwischen Pinakothek und Bank eine Sammlung von französischen, spanischen und italienischen Gemälden des 18. Jahrhunderts zusammengetragen werden, die seither unsere Häuser als nobles Vermächtnis bereichert. Das Rokoko, das bis dahin nur unzulänglich vertreten war, hielt Einzug mit meisterhaften Werken von Jean-Baptiste Greuze, Nicolas Lancret, Jean Marc Nattier, Jean-Baptiste François Pater, Maurice Quentin de la Tour, aber auch Francisco José Goya. Die Krönung dieses innerhalb deutscher Sammlungen außergewöhnlich qualitätvollen Besitzes gelang dann unter Erich Steingräber, Generaldirektor von 1969 bis 1987, mit der Erwerbung des zauberhaften Bildnisses der Madame de Pompadour von François Boucher, einem der Höhepunkte der Malkultur des französischen Rokoko.

Die Autorin des vorliegenden Kataloges und Konservatorin für französische und spanische Malerei, Helge Siefert, beschreibt sämtliche in der Alten Pinakothek gezeigten Gemälde beider Malschulen. Weitere bedeutende Bestände ihres Referats, die sich in den Staatsgalerien der Schlösser Schleißheim und Ansbach befinden, werden in einer künftigen Katalogisierung erfasst, Werke Goyas oder das Bildnis des Jacques Louis David werden in Katalogen der Neuen Pinakothek behandelt, wo sie sich, gleichfalls als Leihgaben der HVB Group, seit vielen Jahren befinden. Auf der Grundlage der 1963 und 1972 erschienenen Kataloge ihrer Vorgänger im Konservatorenamt, Halldor Soehner und Johann Georg Prinz von Hohenzollern, hat Helge Siefert ihr über viele Jahre gewachsenes Wissen eingebracht und sich zudem Fragen der Kulturgeschichte bis hin zur Kostümkunde gewidmet. Ihre Texte, die meisterhaften Aufnahmen der Hausfotografen Sibylle Forster und Bruno Hartinger, Schönheit und Sorgfalt von Gestaltung und Lektorat des Büro Caroline Sieveking, schließlich die vom Hatje Cantz Verlag vorgegebene und erreichte drucktechnische Qualität machen diesen Katalog zu einem Buch, das Werke der Malerei würdig feiert. Ich danke allen, die hierfür bewundernswerten Einsatz geleistet haben.

Von Velazquez bis Boucher den Wandel des Menschenbildes, von Claude Lorrain bis Hubert Robert die Gestimmtheit eines Blicks auf die Landschaft, von Poussin bis Murillo die Kraft der Emotion im Bild aufzuspüren, dazu lädt die Alte Pinakothek mit der Fülle ihrer Meisterwerke ein, hierfür dient der vorliegende Band, der in den Händen der Besucher und vor den zu betrachtenden Werken seinen eigentlichen Nutzen findet. Zugleich soll er dazu beitragen, die Augen zu öffnen für die Sprache der Malerei, die in Frankreich wie in Spanien ihren je eigenen Ausdruck gefunden hat.

Reinhold Baumstark


 
   


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