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Jugendliche Aussiedler
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Vorwort

Anlässlich der Auszeichnung der Sieger des bundesweiten Wettbewerbs "Teilhabe und Integration von Migrantinnen und Migranten durch bürgerschaftliches Engagement" im April 2006 erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der parlamentarische Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner: "Laut aktuellen Prognosen werden im Jahre 2010 rund 40% der Bewohner vieler deutscher Großstädte einen Migrationshintergrund haben. Ein friedliches Miteinander, eine Koexistenz von Aufhahmegesellschaft und Zuwanderern setzt eine möglichst gute Integration voraus. Integration ist in der Tat eine der wichtigsten innenpolitischen Aufgaben und Herausforderungen der kommenden Jahre und zu Recht ist sogar die Rede vom Jahrzehnt der Integration" (Bergner 2006: 1).

Was hier deutlich wird, ist der "neue Stellenwert", den die Bundesregierung Migrations- und Integrationsfragen beimisst. Damit verbunden ist die wachsende Einsicht, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und Integration ein langfristiger - und sehr prekärer - Prozess sein kann.

Um die Art und den Umfang des Integrationsbedarfs genauer abschätzen zu können, ist es zudem notwendig, präzise zu klären, welche Personengruppen als Migranten zu betrachten sind. Die Mikrozensus-Erhebung aus dem Jahr 2005 versucht das "statistische Verwirrspiel", das bisweilen mit dem Ausländeranteil in Deutschland getrieben wird, zu beenden, und führt als Zuordnungskriterium den Tatbestand des "Migrationshintergrundes" ein. Darunter fallen neben Ausländern auch bestimmte Teile der Bevölkerung mit deutscher Staatsangehörigkeit (Eingebürgerte, Aussiedler) sowie Personen, die zwar im Inland geboren sind, aber mindestens ein Elternteil ein Ausländer, Eingebürgerter oder (Spät-)Aussiedler ist. In Zahlen: Fast ein Fünftel (genau: 19% beziehungsweise 15,3 Mio. Personen) der deutschen Bevölkerung verfügt in diesem Sinne über direkte oder indirekte Migrationserfahrungen. "Damit sind," so die Schlussfolgerung des Statistischen Bundesamtes (2006: 74), "sowohl die Zahl aller Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland wie auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch wie die bislang bekannten Ausländerzahlen."

Einen großen Anteil an den bisher statistisch unsichtbaren' Personen mit Migrationshintergrund bilden die Aussiedler. Etwa 5 Millionen sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland ein beziehungsweise rückgewandert, etwa die Hälfte davon allein seit Ende der 1980er Jahre, als mit dem Niedergang der Sowjetunion ein Zuwanderungsstrom von Deutschstämmigen aus den ehemaligen GUS-Staaten einsetzte, der hierzulande mit großen Integrationsproblemen verbunden war - und bis heute noch ist. Dass vor allem russlanddeutsche Jugendliche zu ,Migrationsverlierern' werden könnten, zählt dabei zu den bedrückendsten Beobachtungen: "Eine Gesellschaft in der Gesellschaft wächst heran. Mehr als 350.000 jugendliche Aussiedler sind seit Anfang der neunziger Jahre nach Deutschland gekommen. Als die Sowjetunion auseinanderbrach, stiegen ihre Eltern mit ihnen in die Züge und Flugzeuge Richtung Westen. In der neuen Heimat landeten die Kinder im besten Alter. Und vielleicht auch im schlimmsten. Jung genug, um sich zu verändern und durch die neue Welt zu navigieren. Alt genug, um sich zu verweigern und einen tiefen Schmerz nach der alten Welt zu spüren" (Kaiser 2000: 35).

Diese Sätze von Mario Kaiser, die am 30. März 2000 in der Wochenzeitung "Die Zeit" unter dem so bezeichnenden Titel: "Deutsch, aber nicht ganz" erschienen, beschreiben in anschaulichen Worten die Risiken und Chancen, denen jugendliche Aussiedler in ihrer neuen, unbekannten Heimat Deutschland begegnen. Sie signalisieren - neben Hinweisen aus anderen Untersuchungen und eigenen Forschungen - den Ausgangspunkt unseres Projektes, das wir als Regionalstudie im Raum Trier sowie den Regionen Eifel und Hunsrück durchgeführt haben. Finanziell unterstützt wurde die Untersuchung von der Nikolaus Koch-Stiftung und dem Generalvikariat Trier. Beiden Institutionen sei an dieser Stelle für ihre Projektförderung ganz herzlich gedankt. Unser Dank gilt auch den zahlreichen Helfern, Beratern und Ideengebern (Iris Eisenbürger, Markus Gamper, Jörg Hunold, Alexander Lambert, Sonja Laux, Frank Welker, Barbara Ulm), für die teils wohlwollende und teils kritische, aber stets konstruktive Begleitung unseres Projektes. Zu großem Dank verpflichtet sind wir auch den Teilnehmern des studentischen Forschungsseminars (Philipp Altmann, Mario Ahrweiler, Markus Andree, Katrin Arndt, Jessica Backes, Christiane Böer, Jasmin Don, Alexander Erber, Dorothee Faber, Melena Fellens, Ina Filbert, Britta Franke, Heidi Heberlein, Frederik Herkt, Tina Hoferichter, Alexandra Klimas, Pia Krickel, Jonny Labrenz, Michael Lambertz, Julia Lieser, Pei-Chun Lin, Anna Liss. Andrea Mazilu, Agnes Piemikarczyk, Nathalie Müller, Florian Raber, Julia Schneider, Elina Valdmane, Luisa Vitello, Nathalie Wagner, Melanie Wagner, Ching-Yun Wang, Joanna Zarzycka), die durch ihre engagierte Mitwirkung die Voraussetzung schufen, um den vorliegenden ,Datenberg' gleichermaßen anzuhäufen und abzutragen. Unser Dank gilt weiterhin den zahlreichen .Feldexperten', die im Rahmen ihrer Berufsarbeit in unterschiedlichen Funktionen (Polizei, Justiz, Jugendarbeit, Wohlfahrtsverbände, Schulen, ADD, Bildungsträger, Kreisverwaltung, Kirchen, Beratungsstellen) mit Aussiedlern zu tun haben, und uns in zahlreichen Gesprächen über ihre Erfahrungen mit ihnen berichtet haben. In der Bündelung dieser unterschiedlichen Perspektiven liegt ftir uns nicht nur eine wesentliche Erkenntnisquelle zum Verständnis der Lebenssituation von jugendlichen Aussiedlern, sie hatten auch eine »seismografische Funktion', indem sie unsere weitere Forschungsarbeit auf ganz spezifische Problem- und Konfliktfelder lenkten. Als ,Forschungslotsen' par excellence erwiesen sich hier die leitenden Mitarbeiter der DEKRA in Gerolstein, Herr Andre Löffler und Frau Maria Gilles. Als Zeichen unserer Hochachtung und Wertschätzung ihrer Unterstützung unseres Forschungsprojekts widmen wir ihnen diese Studie.


 
   


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