Vorwort
Wer das Radio anschaltet, Jugendzeitschriften durchblättert, sich durch TVMusiksender zappt oder Gespräche auf dem Pausenhof belauscht, merkt rasch, worum es Heranwachsenden vor allem geht: weniger um den schulischen oder beruflichen Fortschritt (ja, das ist auch wichtig), weniger um die Analyse politischer Wahlprogramme, weniger um den Generationenkonflikt, sondern vor allem - um die Liebe. Ob hoffnungsvoll-sehnsüchtig, lustvoll genießerisch, tragisch gescheitert, enttäuschend ernüchtert, kaum ein Thema wird so facettenreich umspielt und ist so allgegenwärtig präsent in jeglichen Äußerungsformen von Jugendkultur. Und doch hat die Psychologie lange Zeit beharrlich ihren Blick auf andere Themen des Jugendalters geworfen. Nur vereinzelt wurden romantische Impulse zur Kenntnis genommen, wurde an das Wesen der Pubertätsentwicklung erinnert und ernst genommen, was Jugendliche und junge Erwachsene so stark beschäftigt.
Es ist erst gerade eine Dekade her, dass die Entwicklungspsychologie das Terrain jugendlicher Liebesbeziehungen entdeckt und näher in den fachkundigen Blick genommen hat. Seither ist im anglo-amerikanischen Raum eine Fülle empirischer Untersuchungen entstanden, die Besonderheiten von romantischen Beziehungen im Jugendalter aufzeigen und Einflussfaktoren auf deren Qualität und Verlauf beleuchten. In Deutschland blieb dies jedoch lange weitgehend "terra incognita" - eine Lücke, die mit der vorliegenden Arbeit auf hervorragende Weise geschlossen wird, zumal sie das Jugendalter nicht isoliert betrachtet, sondern gleichermaßen das frühe Erwachsenenalter in den Blick nimmt. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel der emotionalen Seite früher Liebesbeziehungen mit dem Thema "Getting physical", der Ausgestaltung von Sexualität, die hier allerdings weniger von ihrer "technischen" Seite her betrachtet wird, sondern deren Qualität und zugrunde liegenden Motive interessieren, nicht zuletzt vor dem Hintergrund früherer Beziehungserfahrungen im Familienkontext, die Unterschiede in der Zugewandtheit aber auch Ängstlichkeit gegenüber dem/der Partner/in erwarten lassen. Die Bindungstheorie wie auch evolutionspsychologische Ansätze liefern hierfür den theoretischen Rahmen.
Es sei hervorgehoben, dass viele Studien über frühe Liebesbeziehungen nur begrenzten Aufschluss über das geben, was die Paardynamik charakterisiert. Zumeist bleiben sie bei der Analyse individueller Erlebniswelten und Verhaltensweisen stehen. Hier jedoch stehen "echte" Paare im Mittelpunkt, deren Interdependenz und wechselseitige Beeinflussung der Partner - nicht zuletzt dank geeigneten methodischen Rüstzeugs - versiert herausgearbeitet werden kann. Ich wünsche dieser Arbeit viele neugierige Leser/innen!
Sabine Walper