Vorwort zur zweiten Auflage
Dieses Buch ist vor zehn Jahren herausgekommen und ich bin dem Verlag und seiner Lektorin sehr dankbar, dass es in neuer und veränderter Auflage erscheinen kann. Veränderungen waren notwendig, weil sich in diesen Jahren in Kirche und Gesellschaft einiges verändert hat. In allen evangelischen Landeskirchen, besonders auch auf der Ebene von Synoden und Gemeinden, hat die Diskussion über homosexuelle Liebe zugenommen, sind die Gespräche offener und angstfreier geworden. Gesprochen wird hier vor allem über biblische Orientierungen und über Segensgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare. Solche Gottesdienste haben schon in vielen evangelischen Gemeinden stattgefunden, manchmal eher im Verborgenen, aber auch - so in der Evangelischen Kirche im Rheinland - öffentlich, wie es sich eigentlich gehört. Leider steht die offizielle römisch-katholische Kirche weiterhin abseits, wenn auch an der "Basis", in Gemeinden, in Gruppen der "Initiative Kirche von unten" und der Leserinitiative "Publik e.V." ganz anders, offen und akzeptierend über das Thema gesprochen wird.
Veränderungen gab es aber vor allem im staatlichen Bereich. Im Jahr 2001 wurde das Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft vom Bundestag beschlossen, wodurch lesbische und schwule Paare erstmals rechtlich anerkannt wurden. Durch die Blockade des Bundesrates ist aber im Vergleich zur Ehe eine Schiefläge entstanden, die darin besteht, dass den Pflichten der Partner nur wenig Rechte gegenüberstehen. Hier ist eine Gerechtigkeitslücke entstanden, die geschlossen werden muss. Sonst bleibt es bei einer "Ehe minderen Ranges", die nur als diskriminierend empfunden werden kann.
Trotz dieser Fortschritte, die auch in Staaten der EU zu beobachten sind, bleibt das Eis der Toleranz dünn. So wie antisemitische und rassistische Tendenzen immer wieder aufflammen, ist das auch für die Antihomosexualität zu befürchten. Besonders schwule und lesbische Jugendliche haben es noch schwer. Nach einer neueren Studie des niedersächsischen Familienministeriums geben 56 % der befragten Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren an, dass sie vor allem in der Schule massiven Beschimpfungen und Ausgrenzungen begegnen.
Auch wenn die zahlreichen Selbsthilfegruppen, die sich in den achtziger Jahren gebildet hatten, kleiner geworden sind und das große Informationsdefizit vor allem für junge Lesben und Schwule durch das Internet abgebaut wurde, muss es weiter heißen: wachsam bleiben, informieren, zum Verstehen helfen, durch Begegnung Angst abbauen.
Dazu will dieses Buch weiterhin einen Beitrag leisten.