Editorial
Die leistungssportliche Basisarbeit in Nordrhein-Westfalen wird über das Landesprogramm "Talentsuche und Talentförderung in Zusammenarbeit von Schule und Verein/Verband" gesteuert. Sein Ziel ist eine gesellschaftlich akzeptierte Nachwuchsförderung in Kooperation von Schulen und Sportvereinen, die den Prinzipien eines humanen Leistungssports verpflichtet ist.
Bezogen auf die Gestaltung des Trainings und der Wettkämpfe für Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum Leistungssport ist der behutsame, langfristige Leistungsaufbau und damit die Verhinderung einer zu frühen Spezialisierung eine der wesentlichen Forderungen. Die Veränderung von Training unter entwicklungspsychologischen und pädagogischen Gesichtspunkten und die Umsetzung neuer Erkenntnisse der Trainingswissenschaft läßt sich nur durch die Bereitstellung entsprechender Trainingsmaterialien und gezielter Aus- und Fortbildungsmaßnahmen erreichen.
Daher werden in Nordrhein-Westfalen seit Anfang der neunziger Jahre im Rahmen des Landesprogramms in gemeinsamer Arbeit des Landesausschusses "Talentsuche und Talentförderung" und der Landes- und Bundesfachverbände - unter Mitwirkung von Vertreterinnen und Vertretern des Schulsports, der Sportwissenschaft und in Abstimmung mit dem Bereich Leistungssport des Deutschen Sportbundes - Handreichungen für den Personenkreis erarbeitet, der in Nordrhein-Westfalen und den anderen Ländern der Bundesrepublik mit Kindern und Jugendlichen im Leistungssport arbeitet.
Mit diesen Handreichungen für ein vielseitiges Training im Kindes- und Jugendalter soll nicht nur eine umfassende Entwicklung motorischer Grundeigenschaften und koordinativer Bewegungserfahrungen als Grundlagen der sportspezifischen Ausbildung gefördert werden, sie sollen auch dazu beitragen, die beim langfristigen Leistungsaufbau entstehenden Brüche bei den Übergängen vom Sportverein zum Kadertraining der Landesfachverbände sowie von der Betreuung durch die Landestrainer/innen in die Förderung durch die Bundestrainer/innen der Spitzenverbände zu beseitigen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport NRW möchte der LandesSportBund NRW als Herausgeber der Schriftenreihe "Rahmentrainingskonzeptionen für Kinder und Jugendliche im Leistungssport" mit dem vorliegenden Band einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Nachwuchsförderung im weiblichen Kunstturnen im Sportland NRW und über die Landesgrenzen hinaus in allen Ländern der Bundesrepublik leisten.
| Bisher erschienen in dieser Schriftenreihe sind die Rahmentraininqskonzeptionen: | | Bd. 1 Weibliches Kunstturnen Bd. 2 Hockey Bd. 3 Gewichtheben Bd. 4 Kanusport Bd. 5 Kunstturnen männlich AK 7-9 Bd. 6 Eishockey Bd. 7 Volleyball | Bd. 8 Fechten Bd. 9 Basketball Bd. 10 Schwimmen Bd. 11 Eisschnellauf Bd. 12 Ringen Bd. 13 Badminton | |
Vorwort
Als wir im Jahr 1992 als erster Sportverband im Deutschen Sportbund eine Rahmentrainingskonzeption für die Nachwuchsförderung im weiblichen Kunstturnen vorgelegt haben, geschah dies in der Hoffnung, den Vereinen sowie den mit ihnen zusammenarbeitenden schulischen Talentfördergruppen konkrete Hilfen bei der Gestaltung des Trainings im Nachwuchsbereich zu liefern.
Die Tatsache, daß die ersten beiden Auflagen dieser Rahmentrainingskonzeption mit über 5000 Exemplaren innerhalb kürzester Zeit vergriffen waren, zeigt uns im Nachhinein die Notwendigkeit einer solchen Handreichung.
Nunmehr liegt die 3. Auflage vor, bei der wir die Inhalte evaluiert und fortgeschrieben haben. Dabei möchten wir vor allem herausstellen, daß in die Überarbeitung unserer Rahmentrainingskonzeption die Ergebnisse der vom Kölner Bundesinstitut für Sportwissenschaft in enger Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Langzeitstudie zu Belastungen und Risiken im Kunstturnen der Frauen eingeflossen sind. Das betrifft insbesondere Ergänzungen zur Optimierung der grundlegenden Bewegungstechniken wie auch der muskulären Ausbildung, die einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der körperlichen Belastung und damit zur Minimierung von Risiken leisten können. Unter dieser Zielsetzung ist die Rahmentrainingskonzeption auch um ein Kapitel zur Ballettschulung sowie um ein Trampolin- und Fußprogramm erweitert worden.
Da aber nicht allein die körperlichen Belastungen im weiblichen Kunstturnen von Bedeutung sind, ist an das Pädagogische Seminar der Deutschen Sporthochschule Köln inzwischen ein weiterer Forschungsauftrag zur Untersuchung der psychosozialen Belastungen junger Kunstturnerinnen erteilt worden. Auch hier liegen erste Ergebnisse vor, die wir in die Neuauflage der Rahmentrainingskonzeption eingearbeitet haben. Dies zeigt, daß sich der DTB nach wie vor uneingeschränkt zu einem humanen Leistungssport bekennt und diesen seit Jahren eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen wird.
Unsere große Zielsetzung bleibt es dabei, diese Rahmentrainingskonzeption auf die internationale Ebene zu übertragen und somit weltweit zu einer verantwortbaren Nachwuchsförderung im Turnsport der Frauen beizutragen.
Deutscher Turner-Bund
Rheinischer und Westfälischer Turnerbund