EINLEITUNG
Am 9. November 1907 kam in Potsdam der zweite Sohn des deutschen Kronprinzenpaares zur Welt. Der Versuch, ihn nach dem russischen Großvater der Kronprinzessin Michael zu nennen, scheiterte am Widerstand des Kaisers. Ein bisschen preußischer sollte der Name schon sein. Also einigten sich Kronprinz Wilhelm und Kronprinzessin Cecilie darauf, ihn Louis Ferdinand zu taufen. "Diesmal", so schreibt der spätere, langjährige Chef des Hauses Hohenzollern in seinen Memoiren, "konnte niemand sagen, der Name entspreche nicht den Traditionen unseres Hauses. Mein Großvater willigte denn auch ein, freilich nicht ohne einiges Widerstreben. Ich glaube, er hat den Namen nie recht gemocht... er sah in ihm so etwas wie ein schwarzes Schaf".
Er habe, so Louis Ferdinand weiter, lange nicht begriffen, warum man um einen Namen "ein solches Wesen machte". Doch der Namengeber des 1994 verstorbenen Prinzen war eben nicht irgendein Hohenzoller. Er sprengte die Konventionen seiner Zeit, von denen seiner Familie ganz zu schweigen. Und er wurde bewundert wie kaum ein anderer: Ludwig van Beethoven nannte ihn den "menschlichsten Menschen" und lobte sein Klavierspiel; die Frauen verfielen reihenweise seinem Charme, und in den geistreichen Berliner Salons seiner Zeit stand er im Mittelpunkt.
Wo so viel Licht, da ist auch Schatten: Schon dem 30-Jährigen sah man an, dass er entschieden zu viel trank, und seine Schuldenberge wuchsen in unermessliche Höhen. Wenn der tollkühne Prinz etwas nicht beherrschte, dann war es der Umgang mit Geld.
Als Prinz Louis Ferdinand am 10. Oktober 1806 in der Schlacht von Saalfeld fiel - natürlich an der Spitze seiner Truppen -, da hatte Preußen in der Stunde seiner größten Niederlagen einen neuen Helden gefunden, fernab der biederen Mittelmäßigkeit, die das Land in diesen Jahrzehnten prägte. Doch die Lobeshymnen, die auf ihn gesungen, geschrieben und gedichtet wurden, haben wie so oft den Blick auf das eigentliche Leben verstellt. Dabei ist das doch allein schon spannend genug.