Vorwort
Die Texte dieses Bandes basieren auf Überlegungen, die anlässlich des Salzburger Symposions Herausforderung Mozart. Komponieren im Schatten kanonischer Musik (29./30. Juli 2006) zur Diskussion gestellt wurden. Konzipiert, finanziert und durchgeführt wurde diese Veranstaltung im Auftrag der Internationalen Sommerakademie der Universität Mozarteum Salzburg. Der Impuls hierfür ging vom 2006 an der Universität Mozarteum Salzburg eingerichteten Institut für Musikalische Rezeptions- und Interpretationsgeschichte aus.1 Die Mitarbeiter dieses Instituts Joachim Brügge, Wolfgang Gratzer und Thomas Hochradner) fühlen sich in besonderer Weise der kritischen Auseinandersetzung mit der Wirkungsgeschichte Wolfgang A. Mozarts verpflichtet. So gesehen ist es als Signal zu werten, dass im Gründungsjahr eine weitere Tagung demselben Themenfeld gewidmet war.2 Das neue Institut nimmt eine Brückenfunktion zwischen Lehre und Forschung wahr: Zur Vorbereitung des Symposions Herausforderung Mozart gehörten zwei jeweils für die Studierenden der Universität Mozarteum Salzburg angebotene Seminare: Geschichte der Mozartrezeption (SS 2005) sowie Mozart und die Kunst der Bearbeitung (WS 2005/06). Die dortigen - mitunter sehr lebhaften - Diskussionen hatten auf die Konzeption des Symposions nicht geringen Einfluss. Allen Mitwirkenden gebührt Dank.
Der Symposions verlauf findet sich im Anschluss. Die Diskussionen sind in redigierter Form den einzelnen Beiträge beigefügt.
Musikwissenschaftliche Debatten ohne klingende Musik wirken nicht selten defizitär. Im Rahmen des Symposions Herausforderung Mozart kam es zu einem Konzert des von Reinhard Febel begründeten Ensemble acrobat Dabei wurden zum einen neue Bearbeitungen Mozart'scher Lieder samt deren Vorlagen präsentiert; zum anderen kam es zur Gegenüberstellung zweier Mozart-Elaborazioni Salvatore Sciarrinos (1993/1994) und Arvo Pärts Mozart-Adagio (1992, rev. 1997). Nicht zuletzt bot das Konzert Gelegenheit zur Uraufführung des von Wolfgang Rihm »vergessenen«, von Joachim Brügge entdeckten und 2000 erstveröffentlichten Fragments Streicherfantasie über eine Momrtsche Sequenz für Streichquartett (~ 1975) .3 Wolfgang Rihm gestattete die Aufführung nicht ohne - lakonisch formuliertes - Zögern.4 Die Schlussdiskussion am Ende dieses Bandes nimmt auf dieses Konzert Bezug.
Besonderer Dank für die Realisierung des Symposions sowie des vorliegenden Bandes gebührt
den Autorinnen und Autoren der Texte;
Alexander Müllenbach (Leiter der Internationalen Sommerakademie) für seine engagierte ideelle und budgetäre Unterstützung der Symposionsidee sowie dessen Mitarbeiterin Michaela Wieser-Hois für stets unbürokratische logistische Hilfestellungen;
Reinhard Febel und den Mitgliedern seines Ensembles acrobat für die Realisierung des Konzerts;
Stefanie Annies ( Ton- und Filmsammlung der Internationalen Stiftung Mozarteum) für die freundliche Bereitstellung der Räumlichkeiten und Tontechnik (inkl. Aufnahme der Diskussionen);
Dr. Edelgard Spaude und den Mitarbeitern des Rombach Verlages Freiburg i.Br. für die umsichtige Redaktion und Drucklegung.
Salzburg, 12. Juni 2007 Wolfgang Gratzer
| 1 | Mit dem Institutsnamen einher geht eine Unterscheidung zwischen Modi der musikalischen Interpretation (künstlerische Anverwandlungen wie Aufführungen oder komponierte Bearbeitungen) und Modi der musikalischen Rezeption (Auseinandersetzungen mit Musik u.a. von Seiten der Wissenschaften oder des Feuilletons). |
| 2 | Mozarts letzte drei Sinfonien. Stationen ihrer Interpretationsgeschichte (Salzburg, 5.-7. Dezember 2006). Die Ergebnisse finden sich in Band 1 der Institutsreihe klang-reden. |
| 3 | Vgl. Joachim Brügge, Streicherfantasie über eine Mozart'sche Sequenz und Mißlungene Komposition. Zur Mozartrezeption in zwei Fragmenten Wolfgang Rihms, in: Acta Mozartiana (2000) 3/4, S. 85-96. |
| 4 | Wolfgang Rihm, Brief an den Hg. (9. Juli 2006). |