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Das war das Waldsterben!
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Vorwort

Eigentlich erklären die zahlreichen, in Fachzeitschriften zerstreuten Artikel des Autors das Waldsterben und dessen Symptome an den Bäumen hinlänglich als natürliche Krankheitsereignisse des Waldes. Diese Krankheiten sind teils selten, teils schwierig erkennbar. In der vorliegenden Schrift sind diese Artikel zusammengefasst, da von niemandem zu erwarten ist, er nähme diese Arbeit selbst vor. Die einzelnen Aufsätze entstanden in der Zeit von 1977 bis 1998. In diesem Buch wird versucht, die manchmal komplizierten Vorgänge vereinfacht darzustellen. Jeder interessierte Waldbesucher soll in das Krankheitsgeschehen der Bäume hineinlinden können. Er soll im Wald mehr sehen, ein tieferes Walderlebnis erfahren. Aus diesem Grunde wurde teilweise auch in erzählendem Stil geschrieben.

Die Erlebnisse und die vielen Zufälle, die oft entscheidende Fortschritte gebracht haben, werden so dargestellt, wie sie mir begegnet waren. Damit sei auch gezeigt, dass Aufmerksamkeit auf beiläufige, manchmal flüchtige Besonderheiten oft geeigneter sind, weiterzuhelfen, als langwierige Arbeiten. Auch ein zu trockener, fachlicher Vortrag sei hierdurch vermieden. Mein Vorgehen und die Arbeitsweise waren: viele Reisen in alle deutschen Gebirge und viele Regionen Österreichs, der Schweiz sowie Frankreichs; intensive Gespräche mit und bei Kollegen vor Ort; genaue Besichtigungen von Waldungen, die besonders aufgefallen waren. Als außerordentlich hilfreich erwies sich die frühe Einsicht, es müsse sich bei der damals sehr offensichtlichen Waldschwäche um ein natürliches Ereignis handeln. Das Fällen oder Fällen lassen auffälliger Bäume und die Zerlegung derselben, oft im eigenen Garten, also das Hineinsehen in die Bäume, brachten viele Erkenntnisse. Einfache Sägearbeiten, das Hobeln, Anfärben und Fotografieren sowie zahlreiche kleine Versuche gehörten zu den ertragreichsten Methoden. Waren Ansätze gefunden, dann musste die zur Verfügung stehende neuere, aber jeweils auch die ältere Literatur möglichst vollständig studiert werden. Denn meist sind Befunde ja nicht singulär, sondern bereits niedergelegt. Gerade die ältere Literatur wurde, von Literaturarbeiten abgesehen, z.B. Cramer (1984) und Wachter (1979), seitens der Waldsterbeforscher meist beiseite gelassen, selten beachtet, handelte es sich doch um »neuartige Waldschäden« ein, wie in der Folge gezeigt werden wird, falscher Ansatz. Das Wissen und die Kenntnisse wuchsen langsam, von Jahr zu Jahr. Mit der Zeit jedoch wuchs ein Gesamtbild über das Waldsterben heran, das zusätzlich darzustellen in meiner aktiven Dienstzeit selbstverständlich nicht möglich war. Nach der Pensionierung störte dann mehrere Jahre das Zeit fressende Engagement in einem umweit-politischen Problem. Mir ist bewusst, dass es sehr anmaßend klingen mag, neben den Dienstgeschäften als Forstamtsvorstand wesentliche, wissenschaftliche Funde über das Waldsterben getätigt zu haben. Nun, bei genauem Hinsehen ist das so ungewöhnlich nicht. Zunächst hat ein wissenschaftlich interessierter Praktiker gegenüber einem Labor-Profi ganz beachtliche Vorteile in der Breite und Häufigkeit der Anschauung, in den praxisnahen Berichten von Kollegen und Waldbesitzern, in den Hinweisen der Kunden. Das vertiefte Wissen auf Spezialgebieten, die apparative Ausrüstung und die Zeit sind die großen Vorteile der professionellen Wissenschaftler. Sie befassen sich aber meist mit einem engen Segment, einem Spezialgebiet. Dies verengt zwangsläufig den Blick, lässt ältere Literatur sowie die Meinungen und Thesen anderer leicht an Bedeutung zurücktreten, unwichtig erscheinen. Ein für mich typisches Beispiel stellt Prof. Schütt mit seinem Forstbotanischen Institut in München dar. Er selbst war ein besonders überzeugter Anhänger und Propagandist der Waldsterbensthese und stand sich damit vielleicht selbst im Wege. Doch bemerkenswerterweise forschten er und seine Leute tatsächlich auf völlig richtigem Gebiet in die Bäume hinein. Mit den Ergebnissen kamen er sowie seine Mitarbeiter Baasch (1987) und Schuck (1980; 1981) sehr weit, nahezu zur Lösung. Es fehlte nur der umfassende Blick über das Geschehen im Walde, die richtige Einordnung der Befunde. Vielleicht errichtete auch die vorgefasste Meinung über Luftschadstoffe unüberwindliche Barrieren. Da hat ein wissenschaftlich interessierter Praktiker entscheidende Vorteile, denn die Ergebnisse dieser Wissenschaftler kann er ja wiederum in seine Gedanken- und Beobachtungswelt aufnehmen und einordnen! Kommen ihm dann noch unwahrscheinliche Zufälle, wie dies mir vergönnt war, zu Hilfe, dann scheint schon verständlich, dass ein Praktiker aus dem hintersten Schwarzwald zu richtigen Lösungen, zur Deutung des Waldsterbegeschehens gelangen konnte. Ähnliches kann übrigens durchaus in der älteren Literatur nicht nur einmalig dokumentiert werden. Weiter ist zweierlei zu beachten.

  • Forstliche Institute, die sich mit Waldkrankheiten befassen können, gibt es ganz wenige. Die Kapazität dürfte geringer sein, als sie in der Landwirtschaft für ein einziges Tier, etwa das Hausschwein, aufgewendet wird. Und dies angesichts der ungeheuren Fülle von Pflanzen, Pilzen und Tieren im Walde. Diese wenigen forstlichen Spezialisten sind oft mit zwingenden Routinearbeiten ausgelastet. Was bliebe an Kapazität für Waldsterben?

  • Zweitens dürften sich fachfremde Institute, die Waldsterbefragen dankenswerter Weise vielfach aufgegriffen haben, mangels forsdichen Erfahrungshintergrundes sehr schwer tun, was sich auch tatsächlich so gezeigt hat.

An dieser Stelle bleibt mir für vielfältige Förderung und Unterstützung zu danken. Zuerst richtet sich dieses Gefühl an die Familie, die stets geduldig, rücksichtsvoll und hilfreich das Hobby des Vaters tolerierte, ja in Urlaub und Freizeit mitwirkte.

Meine Ergebnisse wären aber auch nicht möglich gewesen ohne Kooperation mit vielen Kollegen. Namendich erwähnt seien nur ganz wenige: So danke ich für aktive Mitarbeit bei Versuchen J. Hoferer, N. Krotz und B. Müller, für Hinweise zahlreichen Kollegen und Geschäftspartnern, für die Bereitschaft zu hilfreichen Gesprächen und Besichtigungen insbesondere den Professoren K.E. Rehfuess, H. Mohr, O. Kandier, W. Liese, H.-J. Steinlin, K. Dengler und W. Schöpfer.

Prof. Vite und Landesforstpräsident M. Scheifele bin ich dankbar für die Überlassung eines Epidiaskops. Dankbar bin ich den sehr tüchtigen Bibliothekarinnen der Forsdichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA), Frau Haug, und Frau Gienke von der Forsdichen Fakultät der Universität in Freiburg. Sie haben mir sehr viel Fahndungsarbeit abgenommen und meine Arbeiten jeweils sehr erleichtert.

Herzlicher Dank für Spenden zur Senkung der Druckkosten gilt meinem Freund Paul Ege, dem Waldbesitzer Dr. Hermann Dietrich-Tröltsch sowie dem sehr guten Kenner und Liebhaber der Waldnatur Anton Wandel. Wir verdanken ihnen einen noch vertretbaren Buchpreis.

Ich danke Herrn Prof. Dr. Werner Konoid für Durchsicht, gute Ratschläge und für die Aufnahme in die von ihm beim Rombach Verlag herausgegebene Reihe »Ökologie«.


 
   


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