Vorwort
Die ersten bildlichen Darstellungen in der Menschheitsgeschichte, die unsere eiszeitlichen Vorfahren nach Beobachtungen und Erlebnissen auf der Jagd hinterließen, waren Wandmalereien größerer Tiere. Diese bestimmten damals noch die Umwelt, oft auch das Überleben der Menschen. Die schon in meiner Kinderzeit verfügbaren Reproduktionen aus den Höhlen von Lascaux haben mich bis heute fasziniert, auch weil sie mit wenigen Strichen das Wesentliche der spezifischen Gestalt (Morphe) und der Anatomie der Tiere wiedergeben.
Als Veterinärmediziner wird man vom ersten Tag des Studiums an mit Vergleichender Anatomie konfrontiert - von Katze bis Pferd. Manchem war und ist diese Formenfülle eine Last; mich hat sie immer wieder neugierig gemacht und angeregt, besonders auch zum Zeichnen. Im Laufe meines erfüllten Berufslebens habe ich mich in der Lehre vorwiegend mit der funktionellen Morphologie unserer Haustiere befasst, in der Forschung jedoch vergleichend fast ausschließlich mit Wildtieren, meistens Huftieren. Meine eigenen Illustrationen für zahlreiche Veröffentlichungen waren über diverse Zeitschriften und Bücher im deutschen wie im englischen Sprachraum weit verstreut.
Mein Dank gilt der Leiterin des Lektorats Veterinärmedizin des Verlages, Dr. med. vet. Ulrike Oslage, für die engagierte Unterstützung und die exzellente Realisierung der Idee, meine Tier-Zeichnungen aus über fünfzig Jahren zusammen zu tragen. Bettina Sodemann (Producing) hat - von der großen Tafel bis zur kleinsten Vignette - stets elegante Layoutlösungen gefunden.
Meiner Frau Karin Arndt-Hofmann danke ich für facherfahrene Beratung und viele gute Ideen insbesondere bei der Textgestaltung.
Ich hoffe, dass Studenten der Tiermedizin, der Zoologie, der Wildbiologie und der darstellenden Kunst in diesem Buch Informationen und Anregungen finden.
Schließlich hoffe ich, dass dieses Buch auch dazu beiträgt, die wunderbaren Wildtiere unseres wildreichen Landes, unseres alten Europas - ebenso wie die Formenfülle afrikanischer Wildtiere - nicht nur zu bewundern, sondern auch für künftige Generationen zu erhalten: durch strikten Schutz oder durch nachhaltige Nutzung. Das bedeutet anständige Bejagung, nicht aber ständige Verfolgung. Wildtiere sind ein kulturelles Erbe unserer Entwicklung.
Tiere standen am Anfang des organisierten Lebens menschlicher Gesellschaften ebenso wie am Anfang menschlicher Beobachtungen und Ausdrucksformen. Tiere haben mein Leben unschätzbar bereichert.
R. R. Hofmann, im September 2006