Vorwort
Was unterscheidet Filme von Hobbyfilmern und Profis?
Die Antwort ist einfach: Der Hobbyfilmer schwenkt zuviel, zoomt zuviel und wackelt zuviel - Verhaltensweisen, die dem Berufskameramann fremd sind. Und wenn der Profi mal zoomt, dann als Aufzieher und nicht als Ranfahrt, und wenn er mal schwenkt, dann möglichst kurz (das lieben die Cutter!) oder lang und langsam, wenn Zeit im Film ist, und wenn er mal wackelt, weil er von der Schulter drehen muss, ist es die Ausnahme - die, wie wir wissen, jede Regel bestätigt.
Wenn der Hobbyfilmer diese "kleinen Ärgernisse" möglichst vermeiden würde, wären seine Filme bestimmt sehenswerter. Nicht nur für die Familie und die Großeltern, sondern auch im Verein oder etwa im Kollegenkreis.
Filmen ist Erfahrungssache! Nicht nur Übung macht den Meister, sondern auch das "gewusst wie". Hier setzt das vorliegende Buch an, denn die Aufgabenstellung und deren optimale filmische Umsetzung sind sowohl für den Profi als auch den Hobbyfilmer ähnlich. Deshalb lade ich Sie ein, kommen Sie mit auf Produktionsreise zu den Inuit an die Nordspitze von Grönland, mit dem Traumschiff "MS Europa" von Singapur nach Manila oder einfach nur zu einem Treff mit Verona Feldbusch im Supermarkt.
Meine langjährigen praktischen Dreh-Erfahrungen als Kameramann von TV-Reportagen, Features und Dokumentationen wie auch Magazinbeiträgen und Nachrichtenfilmen möchte ich an den interessierten Leser weitergeben, damit seine privaten Filme in puncto Ausleuchtung, Kameraführung und Bildgestaltung sowie beim guten Ton einen professionellen Touch bekommen.
Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben.
Aber weil die Sendebeiträge der Fernsehanstalten auf dem Bildschirm meistens so perfekt wirken, ist es für den ambitionierten Hobbyfilmer sicherlich von besonderem Interesse, im Laufe der zahlreichen Buchkapitel mit den Augen eines Kameramanns hinter die Kulissen von Fernsehfilmproduktionen zu schauen, um dabei Tipps und Tricks aus der Aufnahmepraxis der Profis anschaulich erklärt zu bekommen - damit die privaten Videofilme auch ähnlich perfekt auf dem Bildschirm wirken können.
Bei meinen zahlreichen Seminaren für das Bildungszentrum BürgerMedien des Offenen Kanals (Ludwigshafen) in den vergangenen Jahren habe ich im ständigen Dialog mit den ambitionierten Filmern immer wieder bestätigt bekommen, dass im Grunde genommen meistens dieselben Fehler gemacht werden, die einen Film nicht so gut aussehen lassen: Der Ton ist schlecht verständlich, weil kein zusätzliches Mikrofon aufgebaut wurde oder das Dreibeinstativ wird als lästig angesehen und deshalb erst gar nicht mitgenommen. Anstatt der bewährten Schnittbildtechnik wird entweder mehr gesucht als geschwenkt oder mit dem Zoom hantiert.
Überhaupt sollte ein länger dauernder Vorgang (Bild malen, Tonkrug töpfern oder Fahrrad reparieren) erst einmal komplett in der Halbtotalen gedreht werden, bevor dann die wichtigen Großaufnahmen zum späteren Kürzen und zum besseren Verständnis des Zuschauers folgen.
Lesen Sie ruhig einmal quer und nehmen sich die Kapitel vor, die Sie besonders interessieren. In jedem stecken meine individuellen Dreh-Erfahrungen: Gerade beim Ausleuchten gehört viel Know-how dazu - einige Beispiele und Vorschläge habe ich aus meiner ganz persönlichen Berufserfahrung zusammengetragen, um Anstöße für mehr Lichtstimmung zu geben. Denn es zeichnet den guten Kameramann aus mit Licht Stimmungen zu zaubern. Aber auch der Ton, zu Unrecht oft ein Stiefkind, kommt in diesem Buch zu seinem Recht.
Ich hoffe sehr, dass Sie die Lektüre etwas weiter bringt bei der Ausübung Ihres schönen Filmhobbys, und kann Ihnen jetzt nur noch wünschen: viele neue Erkenntnisse beim Lesen!
Ihr
Ulrich Vielmuth,
Neuwied am Rhein