Vorwort
In Österreich und Deutschland war man seit jeher gewohnt, Weine sortenrein zu trinken. Der Konsument erwartete sich von dem gekauften Wein ein entsprechendes Sortenaroma. Kommt nun eine mehr oder weniger deutliche Holznote zu diesem Charakter dazu, so kann dies im positiven Fall den Gesamteindruck harmonisch ergänzen - der Weintyp wird aber ein anderer sein. Es muss also der Winzer selbst entscheiden, ob er einen klassisch ausgebauten Wein mit typischem Sortencharakter haben will, ob die Frucht durch das Barrique unterstützt, aber auch verändert wird, oder ob er auch bei Weißwein einen Weinausbau im internationalem Stil - mit deutlicher Holznote und biologischem Säureabbau anstrebt.
Alle Ausbaumethoden haben heute ihre Liebhaber, vorausgesetzt das Ausgangsmaterial "stimmt". Barriquelagerung kann den vorhandenen Wein unterstützen um mehr Komplexität, Dichte und Ausdruckskraft zu erreichen, aber fehlende Weinqualität nicht ersetzen. Eine alleinige Geschmacksveränderung um ihrer selbst wird also nicht im Sinn der Sache sein.
Schaut man nach Übersee, wo Holzaromen im Wein üblich sind - nach welcher Methode auch immer sie erreicht werden - ist heute teilweise ein gegenläufiger Trend festzustellen: "Unwooded" oder "unoaked", also "ohne Holz" steht als Besonderheit am Etikett. Die Fruchtaromatik steht dann im Vordergrund - was seit jeher unsere Stärke gewesen ist.
Der Ausbau im Barrique hat heute eine immense Komplexität erreicht. Welches Holz für welche Sorte, welches Toasting für welche Lagerdauer, welche Holzherkunft für welches Terroir - da kann es keine einheitliche Meinung geben. Ganz im Gegenteil, die eigene Erfahrung, wie die individuellen Stärken am besten zu betonen sind, ist wichtiger denn je. Eine verwirrende, aber anspornende Herausforderung - für den der sich ihr stellt! Eines scheint aber damit klar zu sein: ein allgemein gültiges Rezept für diese Art des Weinausbaues wird nicht möglich sein.
Allgemein gültig ist aber die Wichtigkeit und Beachtung einiger Grundvoraussetzungen. Ziel dieses Buches ist es, die wichtigsten Kriterien anzusprechen, um dem Praktiker - hat er sich für diese Ausbaumethode entschieden - die richtigen Entscheidungsgrundlagen an die Hand zu geben, um kostspielige Fehler zu vermeiden, und möglichst rasch den für ihn befriedigenden Weg einzuschlagen.
Denn schließlich soll die Beschäftigung mit Wein lustvoll sein. Sowohl für den genießenden Konsumenten, als auch für den Produzenten, der hier eine Möglichkeit zur Kreativität finden kann, die sich sonst vielleicht selten bietet!
In diesem Sinne: Viel Erfolg und Freude!
Robert Steidl
Georg Leindl