Vorwort
Heuschrecken und Grillen kennen viele von uns durch ihr unermüdliches Zirpen an heißen Hochsommertagen. Zuweilen bis tief in die Nacht verbreiten sie damit oft einen Hauch mediterraner Atmosphäre. Aber nicht nur ihre lautstarken Gesänge, sondern auch ihr außergewöhnliches Sprungvermögen machen sie zu einer auffallenden und daher bekannten Insektengruppe.
Heuschrecken sind überwiegend licht- und sonnenbedürftige Lebewesen, die vor allem die typischen Biotope der traditionellen Kulturlandschaft besiedeln, wie beispielsweise Wacholderheiden und Streuwiesen. Viele Arten sind auf eine extensive, biotopprägende Nutzung ihrer Lebensräume angewiesen. Aufgrund des Rückgangs traditioneller landwirtschaftlicher Nutzungen verwundert es daher nicht, dass die Rote Liste Bayerns 46 Heuschreckenarten als bedroht ausweist. Heute ist vielerorts selbst das Zirpen einer einstigen Allerweltsart wie derfeldgrille völlig verstummt. Aus der naturschutzfachlichen Praxis sind Heuschrecken als Indikatoren und Leitarten nicht mehr wegzudenken.
Das vorliegende Buch befasst sich mit den 75 in Bayern vorkommenden Heuschreckenarten, ihren Lebensräumen sowie Schutzmaßnahmen. Es wendet sich nicht nur an Experten, sondern auch an alle, die mit Liebe und Interesse die Fülle und Vielfalt der Natur beobachten, ohne ausgesprochene Kenner zu sein.
Dank der Unterstützung durch mehr als 300 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es gelungen, 139 000 Nachweise von 25 000fundorten im Datenbanksystem "Artenschutzkartierung" des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz zuammenzutragen und das gesammelte Wissen über die Heuschrecken Bayerns in diesem umfassenden Kompendium aufzuarbeiten.
In Bayern verfügt die Heuschreckenkunde (Orthopterologie) durch die Person von Dr. Kurt Harz (1915-1996) als einem derführenden Heuschreckenspezialisten Europas über eine besondere Tradition. Dr. Helmut Kriegbaum (1956-1997) war Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaftfür Orthopterologie (DGfO) sowie Mitarbeiter am LfU. Er hatte sich schon mit konkreten Überlegungen zum vorliegenden Atlas befasst, als er einem Gewaltverbrechen zum Opferfiel. Beide Heuschreckenkundler haben maßgebliche Vorarbeiten zu diesem Buch geleistet. Deshalb sei es auch ihrem Andenken gewidmet.
Christoph Himmighoffen
Präsident des Bayerischen
Landesamtesfür Umweltschutz
Dr. Peter Detzel
1. Vorsitzender der Deutschen
Gesellschaftfür Orthopterologie
Josef Göppel
Vorsitzender des Deutschen Verbandesfür Landschaftspflege