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Sukkulentenlexikon 3
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Vorwort


Mit dem stetigen Import von Pflanzen nach Europa zur Zeit der großen Expeditionen im 18. und 19. Jahrhundert wuchs auch die Notwendigkeit, die beständig wachsende Vielfalt zu ordnen und zu katalogisieren. Sukkulente Pflanzen haben die Pflanzenliebhaber schon immer in überdurchschnittlichem Maße fasziniert, so dass die ersten Handbücher, die sukkulenten Pflanzen gewidmet waren, schon im 19. Jahrhundert publiziert wurden. Anfänglich konzentrierte sich das Interesse jedoch auf die Cactaceae. Erst 1954/55 stellte Hermann Jacobsen (1898 - 1978), der frühere Kurator des Botanischen Gartens in Kiel, ein erstes Lexikon vor. Dieses allein den Sukkulenten (Kakteen ausgenommen) gewidmete Werk nannte er "Handbuch der sukkulenten Pflanzen". Eine verkürzte Version dieses Handbuchs wurde 1970 als "Das Sukkulentenlexikon" veröffentlicht. Es enthielt Beschreibungen, synonyme Namen und zahlreiche Illustrationen. Das Sukkulentenlexikon war das lang ersehnte Referenzwerk, das Mitarbeiter Botanischer Gärten, Wissenschaftler und Liebhaber gleichermaßen bei der Navigation durch die sukkulente Diversität unterstützte. Eine englische Auflage folgte 1975 als "Succulent Lexicon", und eine revidierte deutsche Ausgabe wurde 1981 veröffentlicht. Fertiggestellt wurde diese zweite Auflage von Jacobsens Nachfolger in Kiel, Klaus Hesselbarth, der bezüglich der Asclepiadaceae vom Erstautor des vorliegenden Buches unterstützt wurde.

Über zwanzig Jahre sind seitdem vergangen, in denen das Wissen über sukkulente Pflanzen permanent angewachsen ist. In dieser Zeit erschienen Monographien auch von vormals wenig bekannten Gruppen sowie viele Revisionen und Re- Revisionen, die die Taxonomie einzelner Gruppen erheblich veränderten. Zum einen kam eine immense Zahl neuer Taxa zur Veröffentlichung, zum anderen wurden aber auch viele Taxa in die Synonymie verwiesen. Die Erarbeitung eines neuen, lexikonartigen Werkes, das die gesamte sukkulente Pflanzenwelt einschließlich der Cactaceae beinhalten sollte, wurde deshalb von verschiedenen Mitgliedern der Internationalen Organisation für Sukkulenten- Forschung (IOS) vor über zehn Jahren auf den Weg gebracht. Der Gustav Fischer- Verlag Jena - der Verlag, der bereits Backebergs "Kakteenlexikon" und Jacobsens "Sukkulentenlexikon" herausbrachte - unterstützte das Projekt, welches informell "New IOS Succulent Plant Lexicon" (später "Synopsis Plantarum Succulentarum") genannt wurde. Dieses neue Werk war ursprünglich 3- bändig mit Einzelbänden für die Cactaceae, Aizoaceae sowie die "anderen Sukkulenten" geplant.

Nachdem Übereinstimmung bezüglich Stil und Format erzielt worden war, begannen wir 1994 mit der Zusammenstellung der Asclepiadaceae- Taxa. Wegen des außerordentlichen Umfangs der einzuschließenden Taxa wurde das urprüngliche Konzept aber bald aufgegeben, so dass die deutsche Ausgabe nunmehr in zusammen 4 Bänden erscheint:

Je ein Band beschreibt die Monocotyledonen (Eggli 2001), die Asclepiadaceae (respektive die Apocynaceae-Asclepiadoideae und -Periplocoideae) (Albers & Meve 2002, dieser Band) und die Crassulaceae (Eggli 2003), während die übrigen Gruppen in einem gemischten Band der Dikotylen (Eggli 2002) zusammengefasst sind. Die Fertigstellung der Cactaceae verspätet sich, und dieser Band erscheint deshalb noch nicht in der vorliegenden Lexikon- Serie. In der parallel erscheinenden englischen Ausgabe werden auch die Aizoaceae in einem zweibändigen Beitrag behandelt.

Mit dem Rückzug des Gustav Fischer- Verlags wechselte das Projekt zum Verlag Eugen Ulmer (bzw. für die englische Ausgabe zum Springer- Verlag), und die Serie erhielt schließlich den Titel "Sukkulenten- Lexikon" (bzw. "Illustrated Handbook of Succulent Plants" für die englische Ausgabe).

Neben der Verdopplung der behandelten Asclepiadaceae-Gattungen und ihrer Präsentation in einem ihnen allein gewidmeten Einzelband hat das neue Sukkulenten- Lexikon viele zusätzliche Besonderheiten zu bieten, wie die erheblich erweiterten Gattungs- und Artbeschreibungen, Angaben zu den Typen aller akzeptierten Taxa, komplette Synonymien und ein Literaturverzeichnis, das vorrangig auf Veröffentlichungen mit Illustrationen hinweist. Schlüssel zu den Hauptgruppen und den Gattungen werden ebenso angeboten. Obwohl wünschenswert, musste auf Schlüssel zu den Arten verzichtet werden. Dies hätte besonders bei den artenreichen Gattungen wie Ceropegia einen außerordentlichen, nicht im Rahmen dieses Lexikons zu leistenden Aufwand erfordert.

Über all die Jahre verursachte es erhebliche Mühe, diese Zusammenstellung taxonomisch so aktuell wie möglich zu halten. Taxonomie heißt immer auch Veränderung - das wurde besonders in den letzten Jahren deutlich, in denen die systematische Forschung innerhalb der Asclepiadaceae eine mächtige Renaissance erlebte. Im Jahre 2000 "verloren" wir sogar "unsere" Familie, die Asclepiadaceae, auf Grund der formalen Überführung ihrer Unterfamilien Asclepiadoideae and Periplocoideae in die Apocynaceae (Hundsgift- Gewächse). Aus pragmatischen Gründen (v.a. um umständlich lange Taxonnamen zu vermeiden) blieben wir im Titel des vorliegenden Werks bei den vertrauten "Asclepiadaceae".

Nicht selten fehlten Revisionen oder Monographien, die als Basis für die Darstellung der Taxa hätten benutzt werden können. Das trifft besonders auf die zwei größten Gattungen der Asclepiadaceae-Ceropegieae, Ceropegia (ca. 180 Arten) und Brachystelma (122 Arten), wie auch auf Hoya (ca. 200 Arten), zu, größte Gattung in der Tribus Marsdenieae. Während die Ceropegia- Revison von H. Huber (1957) veraltet ist, wurde für Brachystelma niemals eine komplette Gattungsbearbeitung publiziert. Eigene Forschung und Literaturstudien waren hier unvermeidbar. Obwohl nicht alle Probleme gelöst werden konnten, so stellt z.B. unsere hier vorgestellte Brachystelma-Bearbeitung die erste kritische (und vollständige) Präsentation dieser Gattung dar. Die einzigen vollständigen Gattungsbearbeitungen von Hoya stammen aus dem 19. Jahrhundert (Decaisne 1844, Hooker 1885). Vor allem auf Grund des enormen Anwachsens beschriebener Taxa blieben seitdem weitere Revisionen von Hoya auf Teile der Gattung in abgegrenzten geographischen Regionen beschränkt. Und auch ihre Summe ist weit von einer kompletten Revision entfernt. Die vorliegende Darstellung dieser Gattung ist deshalb auf die besser bekannten, vielfach kultivierten und mehr oder weniger deutlich sukkulenten Taxa beschränkt. Die wohl wichtigste und populärste Gruppe sukkulenter Asclepiadaceae sind die stammsukkulenten Aasblumen, die Stapelieen. Hier konkurrieren jüngere Revisionen sogar oft miteinander und machen es manchmal schwer zu entscheiden, welchem Bearbeiter gefolgt werden sollte. Normalerweise haben wir uns für eine Revision entschieden. Doch wird manchmal auch ein pragmatisches Konzept verfolgt, das die Revisionen zu Grunde legte, aber eigene Einschätzungen in die vorliegende Bearbeitung einfließen ließ. Die Gattung Caralluma s. 1. wird hier in ihrer konservativen Umschreibung präsentiert, trotz des Wissens der Herausgeber über die notwendige Neuumschreibung von Caralluma einschließlich einer Untergliederung in einige kleinere Gattungen. Die neue Taxonomie stand zum Zeitpunkt des Abschlusses der Arbeiten am vorliegenden Band jedoch nicht zu Verfügung. In Teilen trifft das auch auf Cynanchum und seine ebenfalls nicht abgeschlossene Neuumschreibung zu.

Neben den klassischen Sukkulenten der Tribus Ceropegieae fanden viele weniger bekannte Gruppen Eingang in dieses Buch. Ihre Aufnahme wurde im wesentlichen von ihrer Kulturwürdigkeit bestimmt.

Zahlreiche Personen halfen bei der Produktion dieses Buches, sei es bei der Zusammenstellung der Texte (Anke Brennecke, Christiane Hoffmann, Janine Kiel, Rainer Kranz, Dr. Sigrid Liede, Birgit Müller, Petra Stegemann, Beate Willke und Ruurd van Donkelaar) oder als zusätzliche Bildautoren (Josef Bogner, Dr. Wiebe Bosma, Dr. Urs Eggli, Dr. David Goyder, Dr. Sigrid Liede, Ernst Specks, Dr. Joachim Thiede und Ruurd van Donkelaar). Für die Unterstützung beim Publizieren von neuen Kombinationen und neuen Namen in verschiedenen Zeitschriften sind wir den Herausgebern zu Dank verpflichtet. Viele der oben genannten und weitere ungenannte Personen steuerten Literatur bei, versorgten uns mit zusätzlichen Belegen oder lebenden Pflanzen (v.a. die Sukkulenten- Sammlung Zürich unter ihrem früheren Direktor Dieter Supthut) oder mit einer Fülle diverser Informationen über Taxa, Typen und Verbreitung. Bei allen möchten wir uns für ihr anhaltendes Interesse an diesem Projekt bedanken.

Wir bedanken uns bei Dr. Johanna Schlüter, Gustav Fischer- Verlag Jena, für die fruchtbare Kooperation während der ersten Jahre des Projektes und bei Roland Ulmer für die Verwirklichung im Verlag Eugen Ulmer. Dr. Urs Eggli, dem Herausgeber der Lexikon- Serie, sei gedankt für die endlose Geduld, Sorgfalt und Genauigkeit beim Übertragen unserer Texte in ein Standardformat, beim Aufspüren zahlreicher nomenklatorischer Probleme und beim Erstellen des endgültigen Layouts von Text und Abbildungen.


Münster und Bayreuth, April 2002
Focke Albers
Ulrich Meve



 
   


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