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Holzschnitzen 2
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Vorwort



In der Mitte des 20. Jahrhunderts war das Schnitzen als künstlerisches Handwerk in den englischsprachigen Ländern so gut wie verschwunden, weil die Verwendung traditioneller Ornamentik und die Anfertigung genauer figürlicher Bildwerke außer Mode gekommen waren. Nur einige wenige Werkstätten führten die Schnitzkunst weiter, wobei sie zum Einen den sehr begrenzten Markt für Schmuckelemente an Bauwerken und Möbeln befriedigten und zum Anderen die für die Restauration von Kathedralen und anderen historischen Gebäuden notwendigen Arbeiten ausführten. Zu den wenigen, die willens und fähig waren, ihre Kenntnisse an außerhalb der Handwerkerkreise Stehende weiterzugeben, gehörten Gino Masero, der Chris Pye angeleitet hat, und William Wheeler, bei dem ich gelernt habe. Nach Meinung der meisten professionellen Schnitzer war das Schnitzenzum Tummelplatz von Amateuren geworden. Die Amateure waren meist Autodidakten oder von Autodidakten angeleitet. Nur allzu oft gaben sie in ihrem Unterricht und ihren Büchern schlechte Gewohnheiten weiter. Von den Techniken und den Qualitätsansprüchen früherer Meister des Fachs hatten sie häufig keine Ahnung. Im Buch eines solchenAutors habe ich einmal gelesen, dass Eiche für das Schnitzen zu hart sei - der Verfasser ignorierte schlichtweg den Großteil der Schnitzereien des mittelalterlichen Europas, darunter wunderbare Werke der Ornamentik und Skulpturen. Die meisten Autoren empfehlen den Gebrauch von Schleifpapier als Mittel gegen zu rau geratene Flächen. Manchen Schnitzwerken wird so durch übertriebenes Überschleifen jegliche Lebendigkeit genommen.

Seit meiner ersten Begegnung mit den Schriften von Chris Pye über das Schnitzen und die Werkzeuge des Schnitzers schätze ich seine Ideen. Wie ich legt er allergrößten Wert auf die alten und erprobten Methoden beim Gebrauch von Handwerkzeugen, ist aber immer offen für Neuentwicklungen, vorausgesetzt, sie liefern das gewünschte Ergebnis und sparen Zeit.

Wir alle kennen Leute, die jede Neuerung ohne große Prüfung aufgreifen, in der Hoffnung, sie erweise sich als Zauberwerkzeug, durch das sie ohne große Mühe zum brillanten Schnitzer werden. In der realen Welt gibt es so etwas nicht. Für ein Lernen durch Zeichnungen und eine Folge sorgfältig geplanter Übungen, die von guten Lehrmeistern überwacht werden, hat sich bis heute noch kein Ersatz gefunden. Dennoch haben sich die Werkzeuge über die Jahrhunderte fortentwickelt; jede neue Form war die Lösung für ein bestimmtes Schnitzproblem. Durch neue Werkzeuge sollte Zeit eingespart, sauberes Arbeiten ermöglicht und noch anspruchsvollere Formen geschnitzt werden können. Heute sind Anzahl und Vielfalt der Werkzeuge und Hilfsmittel in einem solchen Maße verwirrend, dass ein Buch wie dieses nicht hoch genug bewertet werden kann, und zwar sowohl für den Neuling, der wissen möchte, womit er anfangen soll, als auch für den erfahrenen Schnitzer, der seinen Arbeitsbereich erweitern möchte.

Dieses Buch ist eine erweiterte und aktualisierte Fassung einer 1994 in englischer Sprache erschienenen Ausgabe; ein überaus nützliches Nachschlagewerk. Es ist umfassend und genau, es demonstriert das Einfühlungsvermögen und die Fachkenntnis des Autors. Zaubertricks vermittelt es nicht, aber es wird Ihnen ein wertvoller Ratgeber sein und zur Freude an Ihrem Handwerk einen wertvollen Beitrag leisten.


Dick Onians
September 2001



 
   


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