Vorwort
Mit viel Liebe, mit Ehrfurcht vor der Kreatur, mit wirtschaftlichem Interesse und mit viel Selbstausbeutung betreiben wir unseren Milchziegenhof. Wir nennen alle Tiere beim Namen - und sie kennen uns und sich selbst. Wir stellen statt anderer unsinniger Sachen ein vernünftiges, sehr schmackhaftes und äußerst gesundes Lebensmittel her. Aber: der Weg vom Ausmisten über die Gesundheit der Ziegen, über das Verbringen der Wintervorräte bis zum Käse ist lang und manchmal sehr, sehr anstrengend. Es gibt jedoch genügend Kunden, die genau das zu schätzen wissen und in klingender Münze für dieses Gourmetprodukt bezahlen.
Das ist die Freiheit, die Sie finden können. Es ist die Stärke des Einzelnen auf seinem eigenen, kleinen Stück selbst bewirtschafteten Landes. Heute genauso wie im Mittelalter. Man kann damit nicht reich und berühmt werden. Aber man kann sein ehrliches Auskommen finden und man muss sich nicht verlieren oder demütigen und erniedrigen lassen, man wird nicht politischer Willkür ausgesetzt und bangt mindestens nicht um sein tägliches Brot.
Die Ziege passt dazu perfekt: sie ist eigensinnig, intelligent und wild, sie weiß, was sie will, sie sucht Mittel und Wege für ihr Glück, sie schadet niemand anderem, sie will nur sie selbst sein. Sie ist der geborene Anarchist, sie stammt aus dem Ursprung. Ihre Haltung ist anstrengend aber höchst interessant - sagt sie doch so viel über das Potenzial aus, das wir Ziegenhirten selbst besitzen.
Palmzin, im Herbst 2005
Andrea Kurschus