Vorwort der Herausgeber
Die Methoden der Psychologischen Diagnostik dienen der Erhebung und Aufbereitung von Informationen, um begründete Entscheidungen zu treffen. Heute bietet die Psychologische Diagnostik ein großes Spektrum an Erhebungsverfahren, das von systematischen Ansätzen zur Befragung und Beobachtung bis zum Einsatz psychometrischer Tests und physiologischer Methoden reicht. Immer schwieriger wird die gezielte Auswahl geeigneter Verfahren und die Kombination verschiedener Ansätze im Rahmen einer ökonomischen Diagnosestrategie.
Unsere neue Buchreihe möchte aktuelles Wissen über diagnostische Verfahren und Prozeduren zur Weiterentwicklung der psychologischen Diagnostik zusammenstellen. Wir als Herausgeber der neuen Buchreihe erwarten, daß zukünftig die Kompetenzen der Psychologischen Diagnostik verstärkt nachgefragt werden. Es handelt sich hierbei um Basiskompetenzen psychologischen Handelns, denen in den letzten beiden Jahrzehnten im deutschen Sprachraum relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Zukünftig sollten Problemanalysen und Problemlösungen vermehrt auf dieses gut fundierte Fachwissen der Psychologie zurückgreifen.
Die einzelnen Bände dieser Reihe konzentrieren sich jeweils auf spezifische psychologische Themengebiete wie zum Beispiel Depression oder Aufmerksamkeit. Durch diese Spezifikation können diagnostische Fragen im Rahmen der einzelnen Themen intensiver als in der Standardliteratur abgehandelt werden. Zudem kann eine engere Verbindung zwischen theoretischen Grundlagen und den diagnostischen Fragestellungen erfolgen.
Diese Reihe möchte dem Praktiker eine Orientierung und Vorgehensweisen vermitteln, um in der Praxis eine optimale Diagnosestrategie zu entwickeln. Kurzgefaßte Übersichten über die aktuellen Trends, praxisnahe Verfahrensbeschreibungen und Fallbeispiele erleichtern auf verschiedenen Ebenen den Zugang zum Thema. Ziel der Reihe ist es somit, die diagnostische Kompetenz im Alltag zu erhöhen. Dies bedeutet vor allem
- diagnostische Entscheidungen zu verbessern,
- Interventionsplanungen besser zu begründen und
- in allen Phasen der Informationsgewinnung die Praxiskontrolle zu optimieren.
Unser Anspruch besteht darin, bestehende Routinen der Psychologischen Diagnostik kritisch zu durchleuchten, Bewährtes zu festigen und neue Wege der Diagnostik, zum Beispiel im Rahmen computerunterstützter Vorgehensweisen und neuerer testtheoretischer Ansätze, zu etablieren.
Mit unserer Buchreihe möchten wir in den nächsten Jahren schrittweise und systematisch verschiedene Anwendungsbereiche der Psychologischen Diagnostik bearbeiten. Pro Jahr sollen zwei bis drei Bände publiziert werden, wobei jeder Band zirka 120 Druckseiten haben soll. Folgende Bände sind zur Zeit in Vorbereitung:
Depressionsdiagnostik
Forensische Diagnostik
Intelligenzdiagnostik
Die Reihe startet mit Fragestellungen der Klinischen Diagnostik und wird sich dann schrittweise auf andere Gebiete erweitern. Wir wünschen hierzu einen intensiven Austausch mit unseren Lesern.
| Bremen und Münster, im März 2001 | Franz Petermann und Heinz Holling |
Vorwort
Prozesse der Aufmerksamkeit beziehen sich auf basale Fertigkeiten menschlichen Handelns. Viele Jahre wurden in der psychologischen Diagnostik diese Fertigkeiten global erfaßt, teilweise mit sehr unspezifischen Konzentrationstests. Dies entsprach nicht der Komplexität und der (klinischen) Bedeutsamkeit dieser Fertigkeiten.
In unserem Buch gehen wir davon aus, daß es sich bei der Aufmerksamkeit um ein Konzept handelt, das mehrdimensional konzipiert und erfaßt werden sollte. Hier sind Informationen aus der Verhaltensbeobachtung, der Exploration von Angehörigen und psychometrische Daten vonnöten. Einen besonderen Stellenwert erhält hierbei die computergestützte Diagnostik.
Immer klarer kristallisieren sich heute die Anforderungen an eine moderne Aufmerksamkeitsdiagnostik heraus: Wesentlich ist dabei, die unterschiedlichen Komponenten der Aufmerksamkeit differenziert zu erfassen. Eine solche Differenziertheit ist notwendig, um durch die immer detaillierter ausgearbeiteten Förderprogramme die einzelnen Komponenten der Aufmerksamkeit gezielt zu erfassen.
In der Klinischen Psychologie wurde die Aufmerksamkeitsdiagnostik durch die Hyperaktivitätsdebatte überlagert. Die umfassende Bedeutung des Konzeptes "Aufmerksamkeit" wurde dadurch vielfach verkürzt. Aus diesem Grund war es uns wichtig, möglichst vielfältige Anwendungsgebiete vorzustellen und vor allem den Aspekt "Aufmerksamkeit über die Lebensspanne" nicht aus den Augen zu verlieren.
Mit unserem Kompendium versuchen wir, auf neue Erhebungsverfahren hinzuweisen. Es handelt sich in der Regel um gut erprobte Verfahren, die bislang im deutschen Sprachraum eine geringe Verbreitung gefunden haben. Vor diesem Hintergrund hoffen wir, daß unser Kompendium den Blick auf neue, multidimensionale Strategien der Aufmerksamkeitsdiagnostik weitet. Auf diese Weise wünschen wir unseren Lesern eine gewinnbringende Lektüre.
| Bremen, im März 2001 | Dietmar Heubrock Franz Petermann |