Vorwort
Im Sommer des Jahres 2000 erwarb der Städelsche Museums-Verein eine aus Rosengranit gestaltete Pharaonenstatue, die Alexander den Großen wiedergibt. Den Kauf verband er mit der an das Liebieghaus gerichteten Anregung, eine Sonderausstellung über Alexander den Großen zu präsentieren. Dem gewissermaßen folgend sind nunmehr über zwanzig Bildwerke verschiedener Formate, Gattungen und Stilrichtungen, die Alexander wiedergeben, für drei Monate in Frankfurt zu sehen.
Aber die sich zunächst in einem engeren Rahmen bewegenden Überlegungen zu einer Alexander-Ausstellung führten bald zu dem anspruchsvolleren Plan, nicht allein die Stellung der neu erworbenen Statue zwischen der ägyptischen und der griechischen Kunst zu beschreiben, sondern zu einer umfassenden Darstellung der wechselseitigen Einflüsse zwischen den beiden Hochkulturen auszuholen. Dieses Unterfangen führte uns allerdings auf bisher unbeschrittenes Terrain. Zwar waren in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Ausstellungen zu sehen, die einzelne, teilweise eher entlegene Völker der Antike wie die Numider, die Skythen oder die Picener in den Blick nahmen. Aber bislang war noch nie versucht worden, im Rahmen einer großen Ausstellung die wechselseitigen Beziehungen zweier antiker Hochkulturen darzustellen. Daß das Liebieghaus erstmals dieses ehrgeizige Ziel ins Auge faßt, liegt neben dem aktuellen Anlaß auch in der Konzeption dieses Museums begründet, welche ihm die Aufgabe stellt, die Entwicklung der Bildhauerkunst bei den historischen Kulturvölkern zu verfolgen. Diesem somit nicht auf eine einzige Epoche oder einen einzelnen Kulturkreis beschränkten Auftrag sind wir in der Vergangenheit mit Ausstellungen und Forschungsprojekten nachgekommen, welche die Rezeption historischer künstlerischer Leistungen in späteren Zeitaltern behandelten. Die Ausstellung »Natur und Antike in der Renaissance«, die Ausstellung »Dürers Verwandlung in der Skulptur zwischen Renaissance und Barock«, die sechs umfangreiche Bände umfassenden »Forschungen zur Villa Albani« sowie die Symposien »Antikensammlungen im 18. Jahrhundert« oder »Antikenrezeption im Hochbarock« sind in diesem Zusammenhang zu sehen. Es ist somit nur konsequent, wenn wir uns nun erstmalig mit den wechselseitigen künstlerischen Einflüssen verschiedener Kulturkreise innerhalb einer Epoche befassen. Die Beschreibung der Interaktion der ägyptischen und der griechisch-römischen Kultur war gleichwohl eine besondere Herausforderung. Während Kunsthistoriker und Archäologen, die bei früheren Projekten des Liebieghauses zusammenarbeiteten, seit jeher einen engen Austausch pflegen und vergleichbare Ziele verfolgen, haben sich die Archäologie und die Ägyptologie trotz gemeinsamer Wurzeln über Generationen hin auseinander entwickelt. Um den wissenschaftlichen Austausch, der seit dem 19. Jahrhundert fast zum Erliegen gekommen war, zu erneuern, hatte das Liebieghaus zunächst im Winter 2002/3 zu zwei Symposien eingeladen, bei denen Ägyptologen, Klassische Archäologen und Althistoriker aus Ägypten, Griechenland, Italien, Österreich, Frankreich, Polen, der Schweiz, den Niederlanden, den USA und Deutschland sich zu Vorträgen und Diskussionen trafen. Die Erträge dieser Tagungen wurden in Band 19 des Städel-Jahrbuchs unter dem Titel »Fremdheit und Eigenheit, Ägypten, Griechenland und Rom, Austausch und Verständnis« vorgelegt. Sie bildeten die Basis für die weitere Vorbereitung der Ausstellung. Ferner konnten wir von den Erfahrungen und Erkenntnissen von Wissenschaftlern profitieren, die an der Universität Mainz an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich »Kulturelle und sprachliche Kontakte: Prozesse des Wandels in historischen Spannungsfeldern. Nordafrika/Westasien« beteiligt sind. Einige in das Mainzer Projekt involvierte Gelehrte haben auch bei der Vorbereitung unserer Ausstellung mitgewirkt.
Den zahlreichen an der Erarbeitung der Ausstellung beteiligten Wissenschaftlern sei für ihr Engagement und ihren Idealismus ganz besonders gedankt. Die im Impressum aufgeführten Mitarbeiter der Städtischen Galerie und des Städelschen Kunstinstituts haben sich ebenso wie mehrere dem Hause verbundene Kollegen weit über ihre dienstlichen und vertraglichen Verpflichtungen hinaus für unser gemeinsames Unterfangen eingesetzt. Dies gilt ebenso für Ernst J. Wasmuth und seine Mitarbeiterinnen Sigrid Hauser und Rosa Wagner, die den anspruchsvollen Katalogband mit großem Einsatz realisiert haben.
Besonderer Dank gilt Herrn Tessen von Heydebreck (Deutsche Bank). Durch seine Unterstützung konnte die finanzielle Absicherung der Ausstellung erzielt werden.
Schließlich stellte uns die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zahlreiche Vitrinen zur Verfügung.
Die für die einschlägigen Sammlungen in aller Welt verantwortlichen Kollegen sind auf unsere umfangreichen Leihwünsche nicht nur mit größter Bereitwilligkeit eingegangen, sondern haben uns mehrfach ihrerseits auf Bildwerke der ihnen anvertrauten Bestände hingewiesen, die in unserem Zusammenhang wichtig sind. Den Druck des Katalogs ermöglichte die Deka-Bank durch eine großzügige Spende. Ganz besonders sind wir dem Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler, verpflichtet. Als Schirmherr unserer Ausstellung bestätigt er mit der Autorität seiner Person und seines Amtes die Bedeutung und den Anspruch unseres Anliegens.