1. Vorwort: Der Handlungsleitfaden
1.1 Motivation
Wir, die Autoren, sind zwei Ergotherapeutinnen, die hauptsächlich im Fachbereich Pädiatrie tätig sind. In unserer bisherigen Berufspraxis sind wir bei der Behandlung körperbehinderter Kinder häufig auf Ratlosigkeit der Eltern gestoßen, wie man das integrative Spiel körperbehinderter Kinder optimieren kann.
Durch eine gründliche Literaturrecherche und regen Austausch mit anderen Ergotherapeutinnen sowie mit Fachkräften angrenzender Berufsgruppen (z.B. PhysiotherapeutInnen, SozialpädagogInnen, Erzieherinnen) gelangten wir zur Erkenntnis, dass auf diesem Gebiet insgesamt ein deutlicher Handlungsbedarf besteht.
Daher beschäftigten wir uns im Rahmen unserer Diplomarbeit mit der Frage: "Wie kann aus ergotherapeutischer Sicht zur Optimierung des integrativen Spiels zwischen körperbehinderten und nichtbehinderten Kindern im Alter von 5-7 Jahren an Integrationskindergärten beigetragen werden?"
Der Gebrauch des Leitfadens kann sich jedoch unabhängig von der Diplomarbeit gestalten.
Um uns einen notwendigen Überblick über evtl. bestehende Schwierigkeiten körperbehinderter Kinder im Spiel mit nichtbehinderten Kindern verschaffen zu können, entwickelten wir Fragebögen an die Eltern (vgl. 1.2) und Kollegen (vgl. 1.3). Die Informationen über Interessen und Wünsche in Bezug auf das integrative Spiel erhielten wir durch eine kindgerechte persönliche Befragung körperbehinderter Kinder.
Durch die umfangreichen Ergebnisse der drei Befragungen und eigene Recherchen erfuhren wir, welche Spiele bei körperbehinderten Kindern im Alter von 5-7 Jahren besonders beliebt sind. Die Durchführung mancher Spiele ist vielen Kindern jedoch (wenn überhaupt) nur unter großen Schwierigkeiten möglich und bedarf laut aller Befragten einer Anpassung von Spielmaterial und / oder -Situation.
Im vorliegenden Handlungsleitfaden finden Sie zu allen von den in der Studie befragten Kindern als "gern gespielt" betitelten Spielen praktisch nutzbare Anpassungsvorschläge zu Spielmaterial bzw. Spielsituation.
Arn Gesamtergebnis unserer Studie lässt sich ablesen, dass in allen der sechs Spielkategorien (vgl. Kapitel 3) Schwierigkeiten und Veränderungswünsche bestehen.
Dementsprechend haben wir Anpassungen für alle in dieser Hinsicht relevanten Spiele entwickelt, um körperbehinderten Kindern eine günstigere Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am integrativen Spiel bieten zu können.
Unsere Vorschläge zur klientenzentrierten Anpassung des Spiels sind vor allem für den Einsatz in Integrationskindergärten, aber auch für Gruppentherapiesituationen bis hin zur auf die Gruppe vorbereitenden Einzelsituation zwischen Kolleginnen, Eltern, ErgotherapeutInnen und Kind entwickelt worden. Oberstes Ziel des Einsatzes sollte jedoch immer die Förderung des integrativen Spiels zwischen körperbehinderten und nichtbehinderten Kindern sein.
Die zusätzlichen Spielvorschläge für die Ergotherapie (vgl. Kapitel 5.7) beinhalten Anpassungen und Spielideen bezogen auf spezifisch ergotherapeutische Ansätze und Medien, sie können aber evtl. durch zusätzlich erfolgte ergotherapeutische Beratung sowohl im Kindergarten als auch im häuslichen Umfeld umgesetzt werden.