Vorwort
Die Putz- und Stucktechnik bzw. die Applikation und Verarbeitung von Putzmörteln und Beschichtungsstoffen stellt im Rahmen der Fassadenbeschichtung und -sanierung sowie der Innenraumgestaltung und -renovierung eine elementare Herausforderung dar. Neben funktionalen und gestalterischen Aspekten werden komplexe Problemstellungen und fachübergreifendes Wissen abgefordert. Deshalb ist die Putz(be)schicht(ung) nicht nur als strukturgebende Deckschicht zum Schutz einer Fläche zu sehen, sondern verkörpert den optisch-ästhetischen und technisch-funktionalen Charakter der jeweiligen Epoche und damit verbunden der Architektur dieser Zeit. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich mit der Putzart, -struktur und -technik in den einzelnen Jahrhunderten auseinandersetzt. So vielfältig und zeittypisch die Putze und Mörtel auch immer gewesen sind, so sehr wird die handwerkliche Leistung und Kreativität der Menschen dokumentiert. Im Zeitalter der kostengünstigen und zeitsparenden Fassaden- und Innenraumbeschichtung sind Individualität und handwerkliches Können weiterhin gefragt.
Aber auch für die Architekten und Planer wird die Putzfläche eine zukunftsweisende Richtgröße darstellen. Da Bauleistungen im Neubaubereich kontinuierlich zurückgehen und sich die Altbausanierung und -modernisierung entgegengesetzt proportional entwickelt und weiter an Bedeutung gewinnen wird, sind auch die Planer und Architekten gefordert, die Putzflächen im Zuge der Sanierungen und -erneuerungen dem neuesten Stand der Wärmedämmung, dem Schall- und Feuchteschutz und den gestalterischen und optischen Anforderungen anzupassen.
Für die Produkthersteller und Systemanbieter gilt es, innovative Putze und Beschichtungsstoffe anzubieten, damit auch die nächste (und übernächste) Generation feststellen kann, daß die Putze heutiger Qualität den Charakter unserer Zeit widergespiegelt haben. Für die Herstellung und die Verarbeitung von Putzmörteln und Beschichtungsstoffen sind heute mehr Kenntnisse erforderlich und höhere Anforderungen zu erfüllen, als es in Normen und Richtlinien dargelegt werden kann.
Was die meisten anderen Branchen bereits seit Jahren längst besitzen, wurde von der Putzindustrie, von den Stukkateuren, Putz- und Baugeschäften, von Architekten und Planern sowie den Gutachtern und Sachverständigen seit Jahren vergeblich gesucht: ein umfassendes Nachschlagewerk und Kompendium zugleich, das auf die Fragen und Probleme der Putzthematik abgestimmt ist. Diese Lücke soll mit dem vorliegenden Lexikon der Putz- und Stucktechnik geschlossen werden.
Das Lexikon der Putz- und Stucktechnik behandelt einzelne Begriffe, Aspekte und Themen in kompakter Form. Dabei werden Baustoff- und Materialkenntnisse, bauchemische und -physikalische Grundlagen genauso vermittelt wie Putzarten, -strukturen, -verarbeitung und -techniken. Das Lexikon richtet sich deshalb auch nicht nur an Handwerker aus dem Maler- und Stukkateurgewerbe, sondern auch an Bautenschützer und Baugeschäfte sowie in gleicher Weise an Architekten und Planer, an Gutachter und Sachverständige. Durch eine leicht verständliche und praxisbezogene Beschreibung und eine Vielzahl erläuternder Abbildungen ist es als Nachschlagewerk für die Berufsaus- und -weiterbildung genauso geeignet wie für Behörden und Ämter.
Stühlingen, im November 1998