Geleitwort
Die Komplexität, also die Differenziertheit und Dynamik, der Unternehmensumwelt nimmt ständig zu, so dass Annahmen, die zur Formulierung und Realisierung einer Strategie getroffen wurden, ihrem Charakter als langfristige Entscheidungsgrundlage nicht dauerhaft gerecht werden können. Als Folge müssen strategische Entscheidungen überarbeitet und Anpassungsmaßnahmen ausgelöst werden. Die daraus resultierende Führungskomplexität bedarf einer adäquaten Unterstützung durch betriebswirtschaftliche Instrumente.
Um strategisch relevante Veränderungen in der Unternehmensumwelt zu erkennen, also um Chancen zu nutzen und Bedrohungen abzuwenden werden in der Betriebswirtschaftslehre Konzepte der strategischen Kontrolle und der Frühwarnung, bzw. der Frühaufklärung diskutiert. Einige Autoren beanspruchen für die von ihnen entwickelten Ansätze jedoch lediglich ein theoretisches Basiskonzept entworfen zu haben. Trotz der hohen intellektuellen Brillanz dieser Basiskonzepte sowie der hohen Relevanz der Thematik in der Unternehmenspraxis haben bisher nur wenige Unternehmen Fortschritte bei der Einführung, bzw. Umsetzung der wissenschaftlichen Konzepte gemacht.
Ausgehend von dieser Problemlage nimmt sich mein Schüler Marc Piser der konzeptionellen und empirischen Fundierung des Strategischen Performance Management an. Das in dieser Arbeit vorgestellte Strategische Performance Management hat die Identifikation und Handhabung zukünftiger Chancen und Bedrohungen sowie die Früherkennung der Veränderung von Planungsprämissen als auch von Durchführbarkeitsbarrieren der Strategieimplementierung zur Aufgabe.
Innerhalb der theoriegeleiteten Analyse wurden bisherige Konzepte der strategischen Kontrolle, der strategischen Frühaufklärung und des Performance Measurement eingehend analysiert und den Erkenntnissen aus einer branchenübergreifenden empirischen Untersuchung gegenübergestellt. Die empirische Studie wurde einem T-Konzept folgend realisiert, bei dem sechs Großunternehmen in der Breite und ein Konzern detailliert in der Tiefe untersucht wurden. Innerhalb der explorativen Studie wurde der Bedarf der Unternehmenspraxis an einem Strategischen Performance Management verifiziert, Bedürfnisse abgeleitet und Erklärungsansätze gefunden, warum bisherige Konzepte der strategischen Kontrolle, bzw. der Frühaufklärung nicht in der Unternehmenspraxis umgesetzt werden konnten. Von der Unternehmenspraxis entwickelte implizit-intuitive Vorgehensweisen zur Bewältigung der Umweltkomplexität samt den auftretenden Diskontinuitäten sind in ein strategisches Kontrollmodell integriert worden. Dieses Modell stellt den Ausgangspunkt für eine innovative Betrachtung des strategischen Managementprozesses dar, mit dem durch dynamische Elemente die zunächst widersprüchlichen Sichtweisen der Ansoff-Mintzberg-Kontroverse nicht mehr als unvereinbar gelten dürfen.
Durch die Synthese der Erkenntnisse aus der empirischen Untersuchung und der Analyse bisheriger wissenschaftlicher Konzepte der strategischen Kontrolle sowie der Frühaufklärung hat der Autor unter Nutzung der neuartigen Möglichkeiten des Performance Measurement das Konzept des Strategischen Performance Management entwickelt. Die vorliegende Arbeit von Marc Piser stellt ein Instrument zur Verfügung, mit dem strategische Steuerungsmaßnahmen sehr frühzeitig möglich werden. Damit bietet es dem verantwortlichen Management für allfällige Entscheidungen ein erheblich größeres strategisches Umsteuerungspotenzial bzw. mehr Handlungsoptionen, um wirtschaftlich schwierige Situationen besser handhaben zu können. Das Aufrechterhalten der Effektivität der Strategie sichert zudem aus strategischer Perspektive die Performance von Unternehmen zuverlässig ab. Die Implementierung des Strategischen Performance Management ist der Unternehmenspraxis folglich uneingeschränkt zu empfehlen.
Professor Dr. Wolfgang Becker
Vorwort
Die vorliegende Arbeit ist aufgrund der Beobachtung von wiederkehrenden Phänomenen in der Unternehmenspraxis entstanden, die während meiner Beschäftigung bei einer international tätigen Top-Managementberatung gesammelt wurden. Es konnte beobachtet werden, dass trotz einer vorhandenen strategischen Planung, eines Performance Measurement und zahlreichen weiteren Instrumenten Restrukturierungen aufgrund der nicht vorhanden Übereinstimmung von Strategie zu Unternehmensumwelt notwendig wurden. Zielsetzung dieser Arbeit ist es ein betriebswirtschaftliches Instrument zu schaffen, das frühzeitig Adaptionserfordernisse der Strategie aufzeigt und damit strategische Ineffektivitäten vermeidet, die zu einer starken Belastung der Unternehmen führen.
Zum Gelingen dieser Arbeit haben neben dem Autor noch viele weitere Beteiligte beigetragen. Mein besonderer Dank gilt meinem Doktorvater Prof. Dr. Wolfgang Becker. Er gewährte mir den notwendigen Freiraum und war dennoch immer stets zur Stelle, wenn ich Beratung sowie Unterstützung bei fundamentalen Entscheidungen benötigte. Insbesondere seine Bereitschaft zur intensiven Diskussion wissenschaftlicher Fragestellungen waren wichtige Impulse für den Erfolg dieser Arbeit. Herrn Prof. Dr. Johann Engelhard danke ich für die Übernahme der Zweitgutachtens.
Die vorliegende Arbeit wäre ohne die Unterstützung durch die vielen Unternehmen und Interviewpartner innerhalb der empirischen Untersuchung nicht möglich gewesen. Ihnen gilt besonderer Dank für den, trotz der Vertraulichkeiten im Bereich strategischer Unternehmensführung, ermöglichten Einblick in die Unternehmenspraxis, für die Einsicht in sehr sensible Dokumente und die Überlassung von Unterlagen.
Hervorheben möchte ich ebenfalls die Hilfsbereitschaft und die kritisch-anregende Atmosphäre am Lehrstuhl für Unternehmensführung und Controlling der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Die Unterstützung durch meine Mitdoktoranden und auch durch ehemalige Doktoranden hat vieles erleichtert. Ganz besonders danke ich Frau Dipl.-Kffr. Claudia Stock, die permanent als Sparringspartnerin zur Verfügung stand und mich in entscheidenden Situationen auf den richtigen Weg brachte. Sie hat mich auch mit ihrer Freundschaft bestärkt, bisher nicht wahrgenommene Betrachtungsperspektiven sowie strategische Synergien zu nutzen.
Namentlich möchte ich auch Herrn Dipl.-Ing. Claus Schulz für das ausgiebige Feedback mit ingenieurwissenschaftlicher Präzision und das Korrekturlesen danken. Darüber hinaus danke ich Frau Dipl.-Betriebswirtin Julia Wagner für die Anregungen und Diskussionen, besonders aber für die moralische Unterstützung. Hervorzuheben ist auch ihre hervorragende Performance beim Korrekturlesen der Manuskripte und während den Feedbackschleifen.
Innerhalb des Vorworts ist es leider nicht möglich alle namentlich aufzuführen, die es verdient haben. Danken möchte ich jedoch allen, die mich auf einschlägige Literatur sowie Praktiken in verschiedenen Unternehmen hingewiesen haben, die mir mittels Kontakten zur Seite standen, die leidenschaftliche Diskussionen mit mir führten oder die einfach Interesse an meiner Arbeit zeigten und mich damit motivierten. Abschließend ein persönlicher Dank an meine Familie und meine Freunde für die umfangreiche moralische Unterstützung und die fortwährende Erinnerung, Arbeit und Privatleben in eine Balance zu bringen
Marc Piser