Vorwort
Bodennutzer stellen häufig drei verschiedene Fragen:
Wozu kann ich diesen Boden nutzen?
Kann ich diesen Boden für mein Nutzungsziel gebrauchen oder
wie muss ich den Boden verändern, damit ich ihn besser nutzen kann?
Das Studium der Bodenwissenschaften soll dazu dienen, solche Fragen selbst besser beantworten zu können oder zu lernen, wem man am erfolgreichsten diese Fragen stellt. Der alte Lehrsatz: "Je besser ich einen Boden kenne, desto besser kann ich ihn auch nutzen" besagt, dass mit zunehmendem Verständnis auch eine Zunahme des Wissens über die Funktionalität des Bodens verbunden ist. Dann muss sich der Bodennutzer auch die Fragen des Bodenkundlers stellen: Welcher Boden entwickelt sich aus welchem Gestein im Laufe der Zeit? Welche bodenbildenden Prozesse laufen dabei ab und welche Eigenschaften haben sich entwickelt?
Da unsere Böden für viele verschiedene Nutzungen gebraucht werden, ist das Bodenwissen auch für viele angrenzende Wissenschaftsbereiche interessant. Traditionell befassen sich Agrar-, Forst- und Gartenbauwissenschaftler mit den Böden als Produktionsstandort. Geowissenschaftler wie Geoökologen, Geografen, Geologen und Mineralogen sehen in ihnen Landschaftssegmente, erdgeschichtliche Urkunden und Mineralumwandlungen. Für den Ingenieur sind Böden Körper, deren Belastbarkeit und Bearbeitbarkeit sie ausnutzen möchten. Bauingenieure und Lagerstättenkundler interessieren sich für die techn. Verwertung von Bodenmaterialien. Standortgemäße Nutzung steht bei Landschaftsplanern, Stadt- und Verkehrsplanern oder Architekten im Vordergrund. Ökologen sehen Böden als die abiotischen Komponenten ihrer Ökosysteme und Grundlagennaturwissenschaftler (Biologen, Physiker und Chemiker) suchen nach allgemeingültigen Naturgesetzen in Böden.
Dieses Buch möchte für alle jene, die sich für Böden interessieren, Grundlage und Einführung darstellen.
Das didaktische Konzept dieses Buches stellt die Böden selbst und ihre Verschiedenheit in den Mittelpunkt. Ausgehend von unterschiedlichen Gesteinen wird die Entwicklung von Böden in Zeit und Raum beschrieben. Damit bildet die Spezielle, Systematische Bodenkunde den Rahmen für das Lehrbuch. Immer dann, wenn wir bestimmte Böden mit ihren Prozessen kennengelernt haben, erfahren wir aber auch, dass uns grundlegendes Wissen fehlt, um sie interpretieren zu können. Deshalb sind jeweils dort, wo dies am wichtigsten erscheint, grundlegendes geowissenschaftliches Wissen sowie Unterkapitel der Allgemeinen Bodenkunde eingefügt. Dies versetzt den Leser in die Lage, von Anfang an etwas Konkretes über Böden zu wissen, liefert ihm die wichtigsten Grundlagen meist an den entscheidenden Stellen nach und ermöglicht so das Entstehen eines bereits relativ umfassenden Bildes der Bodenwissenschaft beim Studium des gesamten Werkes. Das Stichwortverzeichnis soll dabei helfen, über die Querverweise hinaus den Leser schnell an die entscheidende Stelle zu führen. Das umfangreiche Abbildungs- und Tabellenmaterial soll die Anschauung verbessern ebenso wie die beigegebenen Farbtafeln. Das Literaturverzeichnis soll weniger ein Quellennachweis sein als vielmehr Anregungen zu weiteren, vertiefenden Studien geben.
Die vier Autoren haben sich entsprechend ihrer Spezialisierung die Bearbeitung wie folgt aufgeteilt:
Ellen Kandeler Kapitel 2.6.1 und 2.6.2 sowie Kapitel 9
Thilo Streck Kapitel 3.7 sowie Kapitel 8
Ludger Herrmann Kapitel 2.1, 3.1, 3.2, 4.1 und 5.1
Karl Stahr alle anderen Kapitel.
Wir sind uns bewusst, dass die Generation unserer Lehrer unser Herangehen an bodenkundliche Fragestellungen und die Vermittlung bodenkundlichen Wissens stark geprägt hat. Insbesondere gilt das für Ernst Schlichtung, Eberhard Ostendorff, Heinz Zöttl, Jörg Richter und Hans-Peter Blume. Wir haben aber vor allem auch unseren Mitarbeitern, einschließlich den ehemaligen, für erfolgreiche Diskussionen und für die Korrektur vor und bei der Erstellung dieses Manuskripts zu danken. Dazu gehören:
Reinhold Jahn (Halle), Michael Sommer (Potsdam/Müncheberg), Thomas Gaiser (Bonn), Sabine Fiedler, Daniela Sauer, Mehdi Zarei, Andreas Lehmann, Norbert Billen, Dagmar Tscherko, Christian Poll, Joachim Ingwersen, Sven Marhan, Liliane Rueß (Hohenheim). Besonders danken wir Peter Kallis, der sämtliche Abbildungen erstellt oder überarbeitet hat. Auch unser Sekretariatsteam, Nadine Brunsmann, Gabriele Seeger, Natalja Jörg und Achim Schmid haben wesentlichen Anteil an der Erstellung des Manuskripts.
Möge dieses Buch dazu dienen, dass möglichst viele Studierende den Böden etwas näher kommen.
Hohenheim im August 2007 Karl Stahr, Ellen Kandeler,
Ludger Herrmann, Thilo Streck