VORWORT
Aus rein praktischen Überlegungen, getragen von der jahrelangen Erfahrung aus dem Universitätslehrbetrieb und der Betreuung von Diplomanden und Dissertanten, entstand das vorliegende Buch.1 Nach meiner Beobachtung fehlt den Studierenden oft nicht nur die Praxis im selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch eine klare Richtlinie zur Vorgangsweise in der empirischen Forschung und zum Abfassen wissenschaftlicher Arbeiten. Diese Defizite stellen oft auch eine große Hürde für einen erfolgreichen Studienabschluss dar. Da man Praxis nicht theoretisch vermitteln kann, besteht eine Hilfestellung vor allem in einer vereinfachten Darlegung der elementaren Grundlagen und in der praktischen Veranschaulichung einzelner Schritte des empirischen Forschens. Dieses Anliegen hat sich das vorliegende Buch zum Ziel gesetzt.
Ursprünglich ausgehend von einem zweiseitigen Merkblatt, sollte es zuerst eine 30-seitige Broschüre werden, schließlich entstand ein 200-seitiges Buch in einer 1. und 2. Auflage. Die nun vorliegende, vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage ergab sich daraus, dass der biomedizinische Bereich der Psychologie gleichgestellt wurde und somit neben dem Harvard System ein zweites Zitiersystem, nämlich das ursprünglich als Vancouver System beschriebene System, jetzt als Uniform Requirements for Manuscripts (URM) bekannt, des International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE, 2007) mit aufgenommen wurde. Weiters wurden nun vermehrt die Zitierweisen elektronischer Quellen mitberücksichtigt. Letztendlich wurden auch Hinweise zur rein technischen Manuskriptgestaltung aufgenommen, indem spezifische Funktionen von MS Word (im Folgenden Word genannt) bzw. Open-Office Writer (das in der Handhabung Word sehr ähnlich ist) vorgestellt werden, um die Formatierungen zu erleichtern, aber auch um das Inhaltsverzeichnis automatisch zu erstellen u. Ä.
Neben Informationen zur praktischen Vorgangsweise des wissenschaftlichen Arbeitens (seien es akademische Abschlussarbeiten oder Publikationen) bilden vor allem die Hinweise über die Art und Weise des Zitierens einen Schwerpunkt. Diese konzentrieren sich auf zwei Hauptformen (welche auch oft als "Normen" gesehen werden) des Zitierens, nämlich auf das in den biomedizinischen Fächern weit verbreitete Vancouver System (Quellenangabe durch eine Zahl im Text) und die auf dem Harvard System (Quellenangabe durch Autorennamen und Jahreszahl im Text) aufbauende Vorschrift der American Psychological Association (APA, 2001) sowie dessen Abkömmling für den deutschsprachigen Raum, nämlich die Vorschrift der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs, 2007). Dabei handelt es sich nicht um die " einzig richtigen " Formen des Zitierens, sondern lediglich um weithin akzeptierte und gepflogene Übereinkünfte. Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass es aber nicht nur um die Form der Zitate geht, sondern auch um mehr oder weniger genau festgelegte Formen des Aufbaus und des Stils einer Arbeit.
Während der redaktionellen Bearbeitung des vorliegenden Buches erschien sowohl eine Aktualisierung der Uniform Requirements for Manuscripts Submitted to Biomedical Journals des International Committee of Medical Journal Editors (2007) und eine neue (3., überarbeitete und erweiterte) Auflage der Richtlinien zur Manuskriptgestaltung der DGPs (2007). Die in den Neuauflagen vorgestellten Änderungen wurden in diesem Buch berücksichtigt, es ist also am Stand vom April 2008.
In diesem Leitfaden werden sowohl allgemeine als auch grundlegende Hinweise zum Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens gegeben. Konkrete Hinweise zu den vier einzelnen Schritten einer wissenschaftlichen Arbeit, nämlich der Problemstellung vor dem Hintergrund des Wissensstandes (Problembeschreibung, Literatursuche, Fragestellung bzw. Hypothesengenerierung), der Methode (Untersuchungsplanung, Operationalisierung, Durchführung, Datenerhebung), den Ergebnissen (deskriptive Statistiken und Hypothesentestungen) und der Diskussion der Ergebnisse (Interpretation, Kritik und Ausblick), sollen das Arbeiten bei empirischen Untersuchungen erleichtern.
Obgleich das vorliegende Buch im thematischen Bereich der Methodik angesiedelt ist, kann es keineswegs das gebührende Studium der Methodik und Statistik ersetzen. Vielmehr soll den Studierenden die praktische Bedeutung und Tragweite der methodischen Grundlagen veranschaulicht werden und sie sollen zu einem eingehenden Studium der einschlägigen Literatur aus Methodik, Statistik, Wissenschaftstheorie und Experimentalwissenschaft angeregt werden. Weiters wird der Leser auch zum Vergleich mit der Originalliteratur (siehe dazu das Literaturverzeichnis auf Seite 269) ermuntert, zumal viele Aspekte - obwohl diesem Thema nahestehend - nicht gebührend oder überhaupt nicht behandelt werden (wie z. B. die probabilistischen Testverfahren; siehe dazu z. B. Fischer, 1974; Kubinger, 1988).
Für die Durchsicht des Manuskripts und die wertvollen Anregungen möchte ich mich bei den Kollegen recht herzlich bedanken. Für die wertvolle und umfassende redaktionelle Mitarbeit möchte ich Frau Gabriela Langer herzlich danken. Selbstredend möchte ich festhalten, dass sämtliche Mängel und Fehler des vorliegenden Beitrages naturgemäß zu Lasten des Autors gehen. Abgesehen von - den sicher vorhandenen - Fehlern und Nachlässigkeiten im Text mögen manche Abschnitte nur teilweise auf allgemeine Akzeptanz stoßen, was nicht nur als Bestätigung der wissenschaftlichen Lehrfreiheit verstanden werden soll, sondern möglicherweise auch in der Folge zu einer Diskussion der methodischen Grundlagen führen könnte. Es sei noch angemerkt, dass sich die personenbezogenen Begriffe im gesamten Text auf alle Geschlechter beziehen.
Wien, im September 2008
Michael Trimmel
| 1 | Man könnte hier auch sagen: "Angeregt von den immer wiederkehrenden Problemen bei der Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten ..." |