Warenkorb anzeigen
 
 
im Gesamtkatalog   nur in Geschichte > Sonstiges
   
 
     
  Architektur
Bau- & Umwelttechnik
Belletristik
Betriebswirtschaft
Biologie
Briefe, Bewerbung, Rhetorik
Chemie
Entspannung & Meditation
Esoterik & Anthroposophie
Essen und Trinken
Fitness, Aerobic, Bodybuilding, Gymnastik
Garten, Pflanzen, Natur
Geowissenschaften
Geschenkbücher
Geschichte
Gesundheit, Körperpflege
Heimwerken
Hobby, Freizeit, Natur
Informatik & EDV
Innenarchitektur & Design
Journalistik & Presse
Kinder- & Jugendliteratur
Kunst
Lebensführung
Literaturwissenschaft
Lyrik, Dramatik, Essays
Management
Mathematik
Mechanik & Akustik
Medien & Kommunikation
Medizin & Pharmazie
Musik
Nachschlagewerke
Naturmedizin & Homöopathie
Naturwissenschaft & Technik
Partnerschaft, Beziehungen
Pädagogik
Philosophie
Physik & Astronomie
Politik, Gesellschaft, Arbeit
Psychologie
Recht
Reise
Religion
Romane, Erzählungen & Anthologien
Sachbuch / Ratgeber
Schule & Lernen
Soziologie
Sport
Sprachwissenschaft
Steuern
Technik
Theater, Ballett & Film
Tiere
Tiermedizin
Umwelt, Land- & Forstwirtschaft
Verlagswesen, Buchhandel, Bibliothekswesen
Völkerkunde & Volkskunde
Werbung & Marketing
Wirtschaft
 
 
 

Design, Architektur & bildende Kunst
Aktuelle Buchempfehlungen

 
   
 
 
   
Buchcover Titelblatt Vorwort Klappentext Inhaltsverzeichnis Register Autor 
 

 


vergrössern
Weiterempfehlen
Grenzen und Entgrenzungen
Neu   48.00 EUR   In den Warenkorb

 
 
 

Vorwort



Seit dem Jahr 2002 beschäftigt sich eine interdisziplinäre Forscherinnengruppe an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck mit Fragen des Kulturkontakts, des Kulturkonflikts und damit verbundenen Wahrnehmungsmustern des "Anderen". Aus dieser Zusammenarbeit von NeuphilologInnen und HistorikerInnen entstand die Idee zum vorliegenden Sammelband Grenzen und Entgrenzungen. Historische und kulturwissenschaftliche Überlegungen am Beispiel des Mittelmeerraums. Die darin versammelten Beiträge setzen sich aus interdisziplinärer Perspektive auf theoretischer und praktischer Ebene mit den unterschiedlichen Dimensionen von "Grenze" auseinander. "Grenze" wird dabei konkret als territoriale, nationale, sprachliche, religiöse, kulturelle Grenze verstanden, in einem weiteren Sinn aber auch als mentale, ideologische Grenzziehung aufgefasst. "Entgrenzung" bezieht sich auf alle Formen der Durchbrechung und Dekonstruktion dieser Grenzen. Im Zentrum des Interesses stehen sowohl Mechanismen der Aus- und Abgrenzung als auch Phänomene der Grenzüberschreitung und der Einebnung von Grenzen, wobei beide gleichermaßen die Konstruiertheit von Grenzen sichtbar machen. Als ein ambivalenter Raum von Grenzziehung und Grenzüberschreitung, von Ab- und Ausgrenzung und Hybridität, die stets nebeneinander und gleichzeitig existieren, verdient der Mittelmeerraum besonderes Augenmerk und wurde daher von der interdisziplinären ForscherInnengruppe als "Untersuchungsraum" gewählt.

Es lässt sich feststellen, dass sich gegenwärtig zahlreiche unterschiedliche Forschungsdisziplinen für das Phänomen "Grenze" interessieren und seit den 1990er Jahren die Diskussionen um den Mittelmeerraum als "geeinten" und/oder "gespaltenen" Raum nicht mehr verebben. Die rege Beschäftigung mit Fragen der Grenzziehung im mediterranen Raum ist in engem Zusammenhang mit politischen Entwicklungen der 1990er Jahre zu sehen. Seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem damit verbundenen Einreißen einer "sichtbaren" Grenze, nämlich jener, die Europa in zwei Teile trennte, kamen die Grenzen in Mittel- und Osteuropa sowie am Balkan massiv in Bewegung. Während sich vor allem mit der zuletzt erfolgten Aufnahme von zehn neuen Mitgliedsstaaten die Grenzen der Europäischen Union immer weiter gegen Osten verschoben, scheint die mediterrane Südgrenze starrer denn je zu sein. Zwar hat die EU im Jahr 1995 den "euro-mediterranen Dialog" mit dem Ziel des Austausches und der Kooperation mit den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers initiiert, diesem aber ein überwiegend ökonomisches und sicherheitspolitisches Gepräge gegeben. Anders formuliert, bevorzugt es Europa, mit seinen südlichen Nachbarn im Gespräch zu bleiben und dennoch die Grenzen aufrechtzuerhalten.

Das gesteigerte Interesse für die Grenzthematik lässt sich auch vor dem Hintergrund verstärkter Migrationsbewegungen und zunehmender Globalisierung erklären. In einer Welt, die wirtschaftlich, medial, technologisch, aber auch kulturell immer enger zusammenwächst und dadurch auch der Gefahr der Nivellierung ausgesetzt ist, entsteht augenfällig ein großes Bedürfnis der Ab- und Ausgrenzung. Das Erstarken der politischen Rechten in Europa seit den 1990er Jahren muss jedenfalls im Zusammenhang mit dieser Angst vor dem Verlust von "Eigenem" gesehen werden.

Im Mittelmeerraum haben zudem die Bürgerkriege in Algerien und im ehemaligen Jugoslawien nicht nur eine verstärkte Migration in die Europäische Union ausgelöst und in diesem Zusammenhang Fragen von Öffnung und Schließung von Grenzen aufgeworfen, sondern auch die Wahrnehmung der islamischen Welt als akute "Bedrohung" verstärkt und somit neue, vor allem mentale Grenzen in den Köpfen der Menschen entstehen lassen. Es ist in diesem Kontext kein Zufall, dass Samuel P. Huntingtons Buch The Clash of Civilizations (1996) so große Resonanz fand.

Vor dem Hintergrund dieser - nicht auf Europa beschränkten - geopolitischen Brisanz von "Grenze" und "Grenzziehung", aber durchaus auch von "Entgrenzung" durch Migration, hat sich innerhalb der Kulturwissenschaften das Interesse am Begriff und am Phänomen "Grenze" verstärkt. Dieses Interesse bettet sich darüber hinaus ein in eine generelle Hinwendung der Kulturwissenschaften zum Raum: Michel Foucault spricht in diesem Zusammenhang von einer "Epoche des Raumes", Sigrid Weigl von einem "topographical turn", der sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts abzeichne. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch der Einzug von Raummetaphern, wie z. B. "Heterotopie" (Foucault), "Schwelle" (Waldenfels), "borderland" (Clifford) oder "third space" (Bhabha), in die kulturwissenschaftlichen Theorien.

Haben sich unsere Überlegungen bislang auf die geopolitische und kulturwissenschaftliche Gegenwart konzentriert, so zeigen die historisch ausgerichteten Beiträge dieses Bandes - sowohl jene aus dem Bereich der Literaturwissenschaft wie der Geschichtswissenschaft -, wie aufschlussreich es ist, einen diachronen Blick auf Grenzen, Grenzziehungen und Grenzverschiebungen im Mittelmeerraum, aber auch auf den Grenzraum "Mittelmeer" zu werfen. Eine historische Perspektive macht beispielsweise deutlich, dass der mediterrane Raum seit jeher einen Raum darstellt, in dem Grenzen gleichzeitig gezogen und überschritten werden. Diese bestätigt auch, dass Grenzen nie fixiert und eindeutig, sondern an den Blickwinkel derer gebunden sind, die Grenzen festlegen, sei es durch konkrete oder diskursive Handlungen. Dabei kamen interessanterweise immer schon dieselben Stereotypen zu tragen, die auch die Gegenwart bestimmen. Die geschichtswissenschaftlichen Beiträge im engeren Sinn zeigen darüber hinaus, dass die Historiografie selbst durch ihre Rekonstruktion bzw. durch die Tradierung von Geschichte einen erheblichen Beitrag zur Grenzziehung bzw. zur Verfestigung von Grenzen geleistet hat. Neue methodische Ansätze haben sowohl in den Geschichtswissenschaften wie in den Literatur- und Kulturwissenschaften eine Revision von Tradiertem initiiert, jahrzehntelang in der Forschung festgeschriebene binäre Oppositionen und darauf basierende Grenzziehungen aufgeweicht und die Konstruiertheit homogener Gruppen und Gruppenidentitäten aufgezeigt.



Der vorliegende Band versammelt dreizehn Beiträge, die sich aus Sicht der Alten Geschichte, der Geschichte der Neuzeit, der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Allgemeinen Sprachwissenschaft, der Vergleichenden Literaturwissenschaft, der Anglistik und der Romanistik mit den oben skizzierten Fragestellungen zur Erschaffung und Einebnung von Grenzen im mediterranen Raum auseinander setzen. Die zwei Beiträge des Einführungskapitels nähern sich den beiden thematischen Bereichen, auf die der Band fokussiert: Monika Schmitz-Emans widmet sich in ihrem Beitrag "Vom Archipel des reinen Verstandes zur Nordwestpassage" aus philosophischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive dem Begriff "Grenze" und seiner Entwicklung, den Strategien der Grenzziehung und dem ästhetischen Spiel mit Grenzen. Beate Burtscher-Bechter und Birgit Mertz-Baumgartner präsentieren den Mittelmeerraum im Spannungsfeld zwischen unmöglichem Übersetzen und postkolonialem Übersetzen. Ihre Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Prosatexten in französischer, italienischer und spanischer Sprache zeigt, dass AutorInnen aus dem Mittelmeerraum das Mittelmeer selbst einerseits als unüberwindbare, diskursiv errichtete und immer wieder aufs Neue verfestigte "Mauer" darstellen, andererseits als Ort der Begegnung und des Austauschs inszenieren, wo neue kulturelle Identitäten entstehen und Hybridität ihren Platz findet.

Der erste Abschnitt des vorliegenden Bandes vereint zwei zunächst sehr unterschiedlich erscheinende Beiträge, die jedoch beide, einmal aus politikwissenschaftlicher, einmal aus literaturwissenschaftlicher Perspektive, politische Einheiten und deren Abgrenzungsversuche unter die Lupe nehmen. Am Beispiel der Debatte um den EU-Beitritt der Türkei zeigt Anton Pelinka in "Die Grenzen Europas", dass alle Argumente, die gegen die Aufnahme der Türkei in die EU ins Treffen geführt werden, in sich bereits widersprüchlich und widerlegbar sind. So kann beispielsweise das geografische Argument, die Türkei gehöre zu Asien, bereits dadurch entkräftet werden, dass der Mitgliedsstaat Zypern auf dem asiatischen Festlandsockel liegt. Dass sich Europa nicht auf das europäische Festland beschränkt, zeigen weiters zahlreiche Beispiele wie das dänische Grönland, die spanischen Enklaven in Marokko oder die zu Frankreich gehörigen Überseeterritorien in der Karibik und in der Südsee. Die Grenzen politischer Einheiten sind - so lässt sich der Beitrag Pelinkas resümieren - konstruiert und daher verschiebbar. Zu einem ganz ähnlichen Befund kommt Ursula Mathis-Moser in ihrem Aufsatz ""Französische" Literatur aus der Feder von "Fremden"". Sie konstatiert zunächst das Bemühen Frankreichs, den Nationalstaat über "die" französische Nationalliteratur zu festigen, und dies trotz des Anspruchs der französischen Literatur auf Universalität. Wie brüchig ein solches Modell nationaler Identität gegenwärtig ist, wird z. B. an AutorInnen aus den Überseegebieten deutlich, die französische StaatsbürgerInnen sind und dennoch nicht unter dem Etikett "französische Literatur" subsumiert werden. Auch die zahlreichen Migrationsautorinnen, die ihre Werke in französischer Sprache verfassen, stellen beim Versuch, sie zu klassifizieren, ein Problem dar. Die französische Gegenwartsgesellschaft und -literatur können - so Mathis-Moser - mit dem Konzept von Nationalstaat und von Nationalliteratur nicht adäquat erfasst werden.

Die Althistoriker Robert Rollinger und Reinhold Bichler lenken im zweiten Abschnitt des Bandes den Blick auf die Geschichtsschreibung und -tradierung bzw. auf die daraus resultierenden stereotypen Wahrnehmungen des "Anderen" und Grenzziehungen zwischen Hellenen und Barbaren. In ""Griechen" und "Perser" im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. im Blickwinkel orientalischer Quellen" macht Rollinger zum einen deutlich, dass die scharfe Abgrenzung der griechischen und persischen Welt, wie die Geschichtswissenschaften sie lange suggerierten, durch die komplementäre Lektüre von griechischen und persischen Quellen aufgebrochen wird. Es gelingt dem Autor zu zeigen, dass Griechenland und Persien nicht zwei abgeschottete Welten darstellen, sondern einen durchlässigen Raum bilden, in dem Menschen und Wissen zirkulieren. Zum anderen illustriert Rollinger anhand der altorientalischen Schriftquellen und ikonografischen Zeugnisse, dass griechische und persische Quellen sich derselben stereotypen Bilder zur Abgrenzung und Aufwertung des Eigenen bedienen. In seiner Relektüre von Herodots Historien relativiert Bichler die für Herodot stets konstatierte Grenzziehung zwischen Hellenen und Barbaren, zwischen sesshaftem, städtischem Leben und Nomadentum, zwischen Zivilisation und Wildheit. Zwar arbeitet Herodot mit diesen Dichotomien, weicht sie jedoch vielfach auf, indem er zivilisierte Barbaren zeigt, Hellenen und Barbaren ähnlich handelnd darstellt und Barbaren als maßgebliche Lehrmeister der Griechen präsentiert. Darüber hinaus finden sich in den Historien metareflexive Passagen, die deutlich machen, dass Herodot um die Blickgebundenheit von Grenzziehungen weiß. Wer als "fremd" wahrgenommen wird, hängt von der Position des Betrachters ab. Auch der dritte Abschnitt widmet sich den Formen der Eigen- und Fremdwahrnehmung, wobei die Beiträge von Gerhild Fuchs / Angelo Pagliardini und Leona F. Cordery auf stereotype Wahrnehmungsmuster der Sarazenen und deren Brüchigkeit in literarischen Texten der italienischen Renaissance bzw. in mittelenglischen Texten fokussieren. Anhand Pulcis Morgante, Boiardos Orlando innamorato und Ariostos Orlando furioso zeigen Fuchs / Pagliardini auf, dass die in der altfranzösischen Chanson de Roland rigide und alles bestimmende Abgrenzung zwischen der christlichen und der heidnisch-maurischen Welt in den italienischen Renaissance-Epen immer durchlässiger bzw. mitunter durch die Fabulierlust der Autoren gänzlich zu Fall gebracht wird. Dass Ähnliches auch auf mittelenglische Texte zutrifft, macht Leona F. Cordery in ihrem Beitrag "Middle English Crusading Literature: A Blend of Intolerance, Tolerance and Curiosity" deutlich. Zwar durchziehen die stereotypen Bilder vom tugendhaften, schönen und weißen christlichen Ritter und vom monstruösen, hässlichen und schwarzen Sarazenen die Kreuzzugsliteratur, diese werden jedoch, zu bestimmten historischen Momenten vom Bild des kultivierten, gebildeten und edlen sarazenischen Ritters bzw. von einer Orientfaszination unterwandert. Manfred Kienpointner stellt in seinem Beitrag "Sprachliche Grenzziehungen im mediterranen Raum" aus linguistischer Sicht Betrachtungen zur diskursiven Konstruktion von nationalen und kulturellen Grenzen durch Eigen- und Fremdbezeichnungen, Phraseologismen und argumentative Texte an. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Kienpointner, wie ethnische, kulturelle und politisch-geografische Grenzen im Mittelmeerraum sprachlich-diskursiv erschaffen, verfestigt, aber durchaus auch aufgeweicht werden. Obwohl Wolfgang Scheffknecht in seinem mit "Ausgrenzung und gesuchte Nähe" übertitelten Beitrag nicht unmittelbar auf den Mittelmeerraum Bezug nimmt, illustrieren seine "Bemerkungen zur Grenze zwischen der "ehrlichen" und der "unehrlichen" Gesellschaft am Beispiel der frühneuzeitlichen Scharfrichter im Heiligen Römischen Reich" einen wieteren zentralen Aspekt von Grenze und Entgrenzung. Anders als in den bislang vorgestellten Beiträgen geht es bei Scheffknecht nicht um Grenzen und Abgrenzungen gegenüber einem "fremden Anderen", sondern um Grenzziehungen innerhalb einer Gese

Dass Grenzen durchlässig sind und Grenzräume prädestiniert sind für Transfer-, Integrations- und Transformationsprozesse, machen - wenn auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise - die in Abschnitt vier angesiedelten Beiträge von Peter Haider und Roland Steinacher deutlich. Haider richtet sein Augenmerk auf den Kulturtransfer aus der phönizischen Welt in den westlichen Mittelmeerraum (Malta, Balearen, Südspanien) von der Mitte des 9. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. Dort kommt es in Abhängigkeit von Sozialstruktur, ökonomischen Gegebenheiten und kultureller Gleichstellung bzw. kulturellem Gefalle bei den jeweiligen Eliten in unterschiedlichem Ausmaß zu Assimilation und Akkulturation. "Rex oder Räuberhauptmann?" - so der Titel des Beitrags von Steinacher - setzt sich mit den ethnischen und politischen Identitäten von Vandalen und Herulern i und 6. Jahrhundert auseinander. Anhand spätantiker Quellen belegt Steinacher, in welch hohem Ausmaß es in den Grenzregionen des Imperium Romanum zu Akkulturation und zur Entstehung neuer Identitäten bei den dort lebenden und agierenden militärischen wie politischen Eliten der gentes kam. Diese zielten nicht auf die Abgrenzung ethnischer Identität gegen eine andere oder die römische "supra-nationale" Gesellschaft ab, sondern auf die Integration in die Strukturen des spätrömischen Reichs. Mit diesen Befunden widerspricht Steinacher den Zuschreibungen fester ethnischer Identität, wie die Historiografie sie bezogen auf Vandalen und Heruler bisher vornahm. Mit seinen abschließenden kritischen Überlegungen zur Geschichtswissenschaft als "Legitimationswissenschaft" knüpft der Autor an die Beiträge des zweiten Abschnitts an.

Der Band schließt mit den facettenreichen Überlegungen zum "Unbehagen in der Multikultur", die der Soziologe Bernd Weiler anhand demografischer Entwicklungen, Migrationsflüssen und daraus resultierender gesellschaftlicher Veränderungen anstellt. Über Bevölkerungsstatistiken der westlichen Industrieländer verglichen mit jenen Afrikas und Asiens und Berechnungen zum Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2050 versucht Weiler das titelgebende "Unbehagen" faktisch zu verankern. Während die Bevölkerungszahlen Afrikas und Asiens wachsen, schrumpfen jene der westlichen Industrieländer, die in der Zukunft vermehrt auf Zuwanderung von außen angewiesen sein werden. Weiler ist darum bemüht, die Debatte um multikulturelle Gesellschaften, die zwischen Angstmache und Hybriditätseuphorie schwankt, auf den Boden des Faktischen zurückzuholen, indem er historisch vergleichbare Phänomene ins Blickfeld rückt, den Wunsch nach sichtbaren kulturellen Differenzen wie beispielsweise das Tragen des Kopftuchs soziologisch zu erklären sucht und letztlich dafür plädiert, im Bewusstsein der Konstruiertheit von Grenzen "die Menschen und ihre Grenzen ernst zu nehmen".


Beate Burtscher-Bechter / Birgit Mertz-Baumgartner




 
   


Newsletter bestellen


 
    Titelempfehlungen aus dem Sachgebiet Sonstiges:
 
       
Reinschauen  

Adalbert Stifter - Dichtung als Weg der Einweihung
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

der Güter Gefährlichstes
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Die Rituale der Freimaurer
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Vom kritischen Gebrauch der Erinnerung
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Abschied vom Stern
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Handwerk hat silbernen Boden
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Görke - Mein Leben mit HIV
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Warum das heilige Land auch den Palästinensern gehört
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Kommunikation - Gedächtnis - Raum
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Der Bär
Reinschauen  

 
   
Reinschauen  

Schweizer Geschichte für Dummies
Reinschauen  

 
   
Weitere Titel anzeigen aus dem Sachgebiet Sonstiges  
   

 
 
 
Einkaufen so komfortabel wie in der Buchhandlung: blättern und lesen im Buch vor dem Kauf. Bestellen Sie bei Gefallen das gewünschte Buch über den Onlineshop.
 
© 2000 - 2012  www.DeutschesFachbuch.de