Schmerz ist keineswegs allein etwas, das einem widerfährt, Schmerz wird vielfach bewußt erzeugt: Als Mittel der Bestrafung stellt Schmerz bis heute eine legitime Praxis der Kulturisation dar, als Schauspiel sind Schmerzhandlungen Kernereignis einer Vielzahl ästhetischer Darstellungen, deren Spektrum von der antiken Laokoon-Skulptur bis zum zeitgenössischen Horrorfilm reicht. Spätestens seit der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzenden Laokoon-Debatte gewinnt aber auch die diskursive Bearbeitung der Möglichkeiten und Grenzen des Ausdrucks wie die Frage nach der Legitimität von Schmerzzufügungen Bedeutung weit über den engeren Kontext des Ästhetischen hinaus. In diesem Sinne sucht der vorliegende Band in einem Querschnitt vornehmlich durch die deutschsprachige Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts Schmerz nicht nur als das Leiden des Einzelnen, sondern als einen generell wirksamen Kulturfaktor zu erfassen.
ISBN 978-3-8260-3801-3