Statt eines Vorworts
Bioanalytik: Alles einsteigen zur Abenteuerreise!
Hongkong, Mitternacht, Nachricht auf meinem Anrufbeantworter (englische Männerstimme mit französischem Akzent, von mir rückübersetzt, RR):
Allo, Renard? Oh... es ist très spät ... ich sollte noch etwas zum neuen Buch sagen ... morgen fliege ich zurück nach Kalifornien ...
Kurz: Dein Buch ist unglaublich ... keine langweilige Sammlung von Kochrezepten wie die Analytikbücher, sondern ein Abenteuerroman ...
Eine Reise durch die Bioanalytik-Welt. An jeder Ecke eine Überraschung. Mille Ana-Effekte ... très très bien!
Ich habe alles gelesen und am Schluss gesagt: Oh, merde, es ist schon zu Ende!
Und immer, wenn es auch nur ein bischen langweilig wird, erscheint das très witzige Nanoru. Du musst das Ding patentieren! Ich glaube auch, dass das Nanoru wirklich exisitiert ... haha ... c'est vrai...
also BON VOYAGE, BIOANNE, und lass uns einen guten Rotwein darauf trinken!
Das war unverkennbar mein Freund Georges. Er ist einer der lezten Renaissancemenschen. Ich hatte dem 72-jährigen Professor Halpern einzelne Kapitel der Bioanalytik zum kritischen Lesen gegeben. Er war gerade in Hongkong zum Studienaufenthalt. Ich war dann doch überrascht, bei Georges eine regelrechte Sucht nach der "Bioanna" (wie wir das Buch liebevoll nennen) festzustellen. Er ist einfach ein enthusiastischer, netter Mensch und begeisterter Lehrer - und natürlich mein Freund. Das tut einem einsamen Autor wohl! Aber ob es der LESER auch so sieht?
Kleine Bedenken hatten wir schon etwas damit, das Baby Bioanna "Einsteigerbuch" zu nennen, denn echte Anfänger brauchen zumindest mein "Biotechnologie-Mutterbuch" (Biotechnologie für Einsteiger, Spektrum Akademischer Verlag, 2. Aufl. 2007) zum Verstehen. Also einen Einsteiger zum Einsteiger. Die Bioanna ist fachlich viel anspruchsvoller, verwendet z. B. mathematische Ausdrücke.
Einsteiger in den Zug der Reise sollten also zumindest (wie im realen Leben) wissen, warum sie gerade diese gefährliche Abenteuerreise machen wollen oder sich andernfalls lieber mit einem Kochbuch in die sichere heimische Ecke setzen.
Also, etwas Arbeit macht Baby Bioanna dem Reisenden schon, und Fehlerchen hat sie auch noch, die sich aber hoffentlich verwachsen.
Andererseits, richtig einsam war der Autor nicht wirklich: er war umringt von seinen bewährten Mitstreitern. Die Amerikaner würden es ein dream team nennen.
An erster Stelle steht "die beste Bio-Grafikerin von allen", Darja Süssbier in Berlin. Dascha und ich sind nach den vielen gemeinsamen Büchern nun schon wirklich wie ein altes Ehepaar, verstehen uns auf Zuruf, was nicht heißt, dass es gelegentlich nicht das eine oder andere Missverständnis gibt und der eine (meist ich?) stur auf seiner Idee beharrt. Und das ging alles über Tausende E-Mails zwischen Hongkong und Berlin hin und her!
So hat Dascha sicherlich mächtig den Kopf geschüttelt, als Renneberg plötzlich wochenlang rund um den Erdball nach Bioanalytik-Briefmarken jagte. Ergebnis ist eine einmalige "Geschichte der Bioanalytik auf Briefmarken". Zur Verzweiflunge habe ich sie auch ein wenig mit der Idee getrieben, dem Buch einen Basteibogen für ein Enzym beizulegen. Das gab's noch nie zuvor!
So ist die Bioanna auch ein Kind von Geduld und Toleranz.
Auf gleicher Höhe mit Darja steht Merlet Behncke-Braunbeck ("MMM: Merlet macht's möglich!"). Merlet ist die "Seele vom Geschäft", sie kann wunderbar trösten, und ein Lob von ihr ist ein solch großer Ansporn, dass der Autor noch freiwillig eine Nacht länger durcharbeitet, nur um die Termine zu halten.
Und Projektmanagerin Imme Techentin, die mit
freundlichem Summen bienenfleißig Termine setzt und organisiert, um am Ende den süßen Honig des Erfolgs in den Verlag einzufliegen.
Mein amerikanischer Biomolekül-Kollege David Goodsell hat nach seiner Glanzleistung im Biotechnologie-Buch nun noch neuere Bilder für mich kreiert. Ich bin süchtig danach! Für Studenten ist das genau die richtige Darstellung von Biomolekülen. Mein italienischer "älterer Bruder" Francesco Bennardo hat wochenlang das GOD-Molekül zum Basteibogen umgebaut und auch einen tollen Kurzfilm produziert. Ich hoffe, wir können ihn dem Leser bald zeigen.
Mein chinesischer Freund Ming Chow, Starcartoonist der South China Morning Post, hat sich mit mir (bei unzähligen leckeren Dim-Sum-Essen) das Nanoru ausgedacht und so das Buch hoffentlich belebt. Inzwischen fragen meine Studenten schon nach einem Buch NUR mit dem Nanoru ...
Neu im Team war Andreas Held als Lektor und Rückübersetzer einiger Teile meines US-Buches. Welch ein Glück für Bioanna, einen solchen Taufpaten gefunden zu haben, der ihr Sprachstil und neudeutschrechtschreiblichen "Benimm" beibrachte.
Laila Al-Halabi aus der Arbeitsgruppe von Stefan Dübel in Braunschweig hat inhaltlich geschickt Hand angelegt an die Kapitel 6 und 8, und sie hat dem Buch das gewünschte Glossar gegeben.
Nun noch zu meinen Fachkollegen. An erster Stelle möchte ich Werner Müller-Esterl nennen. Er gestattete großmütig, aus seinem Biochemie-Lehrbuch umfassend zu zitieren. Und der Leser überzeuge sich selbst in Kapitel 2: Besser kann man - kurzgefasst - das Wesen der Instrumentellen Analytik gar nicht darstellen! Danke, Werner!
Oliver Kayser, Groningen, mein Wunsch-Co-Autor, den ich jedoch aus zeitlichen Gründen fast schon verloren glaubte, hat Kapitel 8 verfasst.
Ganze Kapitel des Buches haben die folgenden Damen und Herren professores et doctores gelesen, kritisiert und verbessert: Rolf Aderjan, Heidelberg (Drogen und Drogentests); Wolfgang Aehle, Leiden (Kap. 3); Wolfgang Arber, Basel (Kap.6); Rita Bernhardt, Saarbrücken (Kap. 3); Thomas Braunbeck, Heidelberg (Kap. 5); Bernd Gründig, Leipzig (Kap.7); Jan Peter Hildebrandt, Greifswald; Martin Holtzhauer, Berlin; Oliver Kayser, Groningen; Stephen Korsman und Wolfgang Preiser, Stellenbosch (HIV-Tests); Matthias Lehmann, Berlin; Reinhold Paul Linke, Martinsried (Anfang des Kap. 4); Peter Rauch, (Kap. 7); Frieder Scheller, Potsdam (Kap. 7); Dietmar Schomburg, Braunschweig und Henryk Kalisz, Wien (GOD-Struktur und Geschichte). Kalyan Varma schickte mir Tierfotos aus dem indischen Dschungel, Maiken Nailor hat an der University of Buffalo eine exzellente Webseite zur Geschichte der Physik auf Briefmarken gestaltet. Sie hat mir geholfen, ihre Idee auf die Geschichte der Bioanalytik zu übertragen. Ein fantastisches neues Sammelgebiet!
Wie man gleich am Anfang sehen kann, widme ich dieses Buch meinem Lehrer, Freund und Vorbild Frieder Scheller und meiner lieben Mama Ilse Renneberg, die sich zumindest an den Geschichten meiner Kindheit, vom Fliegenfang bis zum DNAModellbau, erfreuen wird.
Beiden lieben Menschen verdanke ich so viel in meinem Leben.
Bleibt gesund und munter, lieber Frieder und liebe Mutter!
Beendet am Morgen des 3. Juni 2008, dem 80. Geburtstag meiner Mutter