Vorwort der Herausgeberinnen
Der vorliegende Band gibt Einblick in den Prozeß der Selbstverständigung jüdischer Aufklärer, Maskilim, untereinander und mit ihrem Publikum innerhalb der jüdischen Gemeinden sowie mit christlichen Gelehrten über ihre Sicht notwendiger Modernisierungen des jüdischen Gemeindelebens im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert. Dabei zeigen sich zahlreiche inhaltliche Parallelen und Verbindungen mit dem Aufklärungsdiskurs insgesamt, aber auch charakteristische Unterschiede. Die jüdischen Gemeinden befanden sich noch in weitreichender kultureller, sozialer und ökonomischer Isolation - eher am Rande des deutschen Sprachraums als in ihm. Die jüdische Aufklärungsbewegung, Haskala, zielte darauf, diese Situation grundlegend zu ändern und die Juden - als Juden - in die deutsche Gesellschaft zu integrieren: durch Erneuerung der Sprache und Religion, der Bildung und Kultur, der Wissenschaft und des Unterrichts. Die hier versammelten Textdokumente aus der Epoche der Aufklärung in Deutschland zeigen, welche Programmpunkte die Maskilim den Debatten im „Zeitalter der Vernunft" hinzufügten, welche Mittel und Maßnahmen sie ins Auge faßten, welche Vorschläge sie umsetzen wollten. Alle Dokumente stammen aus der Zeit von 1760, als das erste zweisprachige hebräischdeutsche Bibellexikon erschien, bis 1811, kurz vor dem Erlaß vom 11. März 1812, dem sogenannten Emanzipationsedikt, mit dem die Juden als „Einländer" und „Staatsbürger" anerkannt und rechtlich gleichgestellt wurden.
Die Herausgeberinnen danken folgenden Personen und Institutionen für ihre Unterstützung beim Zustandekommen dieses Bandes: Louise Hecht (Tel Aviv), Thomas Kollatz (Duisburg) und Andrea Schatz (Duisburg/ Princeton) für die Hilfe beim Auffinden einzelner besonders seltener Texte; den Archiven und Bibliotheken im In- und Ausland für das Bereitstellen schwer zugänglicher Dokumente, insbesondere der Bibliotheca Rosenthaliana (Amsterdam), dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte (Duisburg), der Jewish National and University Library (Jerusalem) sowie der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main; Ursula Blümer, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, für die Abschrift der deutschsprachigen Quellen; Susanne Spieker für die Hilfe bei der Erstellung des Registers, Isabelle Sieh für die Fertigstellung der Abbildungen; der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie der Preußischen Seehandlung (Berlin) für die Finanzierung der Übersetzungen aus dem Hebräischen und der Transkriptionen aus dem Jüdisch-Deutschen.
Besonders herzlich danken wir schließlich den Übersetzerinnen und dem Übersetzer, die herausragende Arbeit bei der Erschließung der Texte aus dem Haskala-Hebräischen geleistet haben: Rainer Wenzel (Duisburg/Heidelberg), Andrea Schatz (Duisburg/ Princeton), Lucie Renner (Berlin/Halle) und Emily Link (Berlin).
Die Übersetzungen der Bibelzitate orientieren sich an der Ausgabe von Leopold Zunz, teilweise unter Hinzuziehung der Bibelübersetzung Moses Mendelssohns, die Übersetzungen der Talmudzitate an der Ausgabe von Lazarus Goldschmidt. Für weiteren Aufschluß über die hier vorgelegten Texte und ihre Autoren verweisen wir auf das hebräische Glossar, den Index, das Literaturverzeichnis sowie auf die Kurzbiographien zu den Autoren am Schluß des Bandes.