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EINLEITUNG



DIE VORSTELLUNG, MENSCHEN KÖNNTEN UNTER WASSER ATMEN, GALT EINST ALS PURE FANTASTEREI. HEUTE IST DAS TAUCHEN EINE SPORTART MIT MILLIONEN VON ANHÄNGERN IN ALLER WELT. WER SICH DARAUF EINLÄSST, ERLANGT ZUTRITT ZU EINER WUNDERSAMEN UND SCHÖNEN WELT, IN DER JEDER TAG EIN ABENTEUER IST.


Seit Urzeiten hat es den Menschen gereizt, die unbekannte Welt unter der Wasseroberfläche zu erkunden sei es, um Nahrung zu finden, versunkene Schätze zu bergen oder um seine Neugier zu befriedigen. Erste Belege für das Muscheltauchen stammen aus der Zeit um 3000 v. Chr. (siehe S. 22).

Trotz dieser langen Beziehung zur Meereswelt ist der menschliche Körper für längere Aufenthalte unter Wasser nicht geeignet. Erst vor relativ kurzer Zeit, etwa ab dem Mittelalter, ermöglichten primitive Tauchglocken und -helme ausgedehntere Tauchgänge. Im 18. und 19. Jh. machte die Tauchtechnologie bemerkenswerte


Fortschritte wie z. B. Tauchanzüge, die von der Wasseroberfläche aus mit Luft bepumpt wurden. Diese oftmals durch den Traum von lukrativem Bergungsgut vorangetriebenen Entwicklungen erlaubten längere Tauchzeiten und gewährten Zugang zu größeren Tiefen.

Die Erfindung des Lungenautomaten Mitte des 20.Jhs. ermöglichte erstmals die ungehinderte Erkundung der Weltmeere. Dank dieses Geräts können Taucher ihren eigenen Luftvorrat mit sich nehmen und benötigen keine feste Verbindung zur Oberfläche mehr. Die daraus entwickelte Technik wird heute von Sporttauchern und Profis gleichermaßen genutzt.


GLOBALER SPORT

Dank sinkender Kosten für die Ausrüstung wurde das Gerätetauchen zum Volkssport. Das einstige Privileg der Experten und Profitaucher entwickelte sich zu einem Sport, der weltweit Anhänger fand. Selbst in Ländern ohne eigene Küste gibt es Taucher, die in Seen und Flüssen tauchen oder ins Ausland reisen, um die Schönheit des Ozeans zu genießen. Nach einer Tauchausbildung kann man praktisch überall auf der Welt tauchen. Die Sprache ist unter Wasser kein Hindernis, da die Handzeichen, mit denen sich Taucher verständigen, international standardisiert sind.

Eine genaue Schätzung ist schwierig, aber jedes Jahr qualifizieren sich etwa eine Million Menschen fürs Tauchen. Seit seiner Gründung 1966 hat der US-amerikanische Tauchlehrerverband PADI (Professional Association of Diving Instructors) über 13 Millionen Taucher ausgebildet, und dabei ist PADI nur eine von vielen Ausbildungsorganisationen. Die Faszination ist ungebrochen. Tauchen ist eine Sportart mit enormen Wachstumsraten.


DIE WELTMEERE

Die Ozeane bedecken etwa 71 Prozent der Erdoberfläche, das sind 361 Millionen Quadratkilometer - eine kaum vorstellbare Größe. Das Gesamtvolumen des Meerwassers beträgt etwa 1 347 000 000 km3, das entspricht rund 97 Prozent allen Wassers auf der Erde; der Rest existiert in Form von Gletschereis, Flüssen, Seen,Grundwasser und Wasserdampf. Die durchschnittliche Meerestiefe liegt bei 3,8 km, wobei sich der tiefste Punkt im pazifischen Marianengraben befindet, wo der Meeresboden in nahezu 11 km Tiefe liegt. Bisher sind nur fünf Prozent des Meeresbodens detailliert kartografiert. Wir wissen mehr über die Mondoberfläche als über den Grund unserer Ozeane.

Das Meer wimmelt vor Leben, vom Riesenseetang und dem gewaltigen Blauwal (dem größten lebenden Tier) bis zum mikroskopisch kleinen Plankton, das die Grundlage der marinen Nahrungskette bildet. Wissenschaftler schätzen, dass es zwischen 500 000 und 10 Millionen bisher unentdeckte Arten in den Ozeanen gibt. Zwar konzentriert sich ein Großteil des biologischen Reichtums der Meere auf die Kontinentalschelfe und Küstenränder, aber auch die offene See ist voller Leben. Selbst der Schlamm am Grund des Marianengrabens ist von einzelligen Foraminiferen (Amöben) besiedelt.


ERFORSCHUNG DER MEERESWELT

Was werde ich zu sehen bekommen?

Wie fühlt es sich an? Werde ich Beklemmungen bekommen? Dies alles sind Fragen, die sich der Tauchnovize vor seinem ersten Tauchgang stellt. Jeder fühlt sich unter Wasser anders. Einige Menschen sind sofort begeistert, andere hingegen brauchen etwas mehr Training und Erfahrung. Davon abgesehen ist es ein unvergleichliches Erlebnis, unter Wasser atmen und sich ungehindert in alle Richtungen bewegen zu können. Möglich wird das durch den Auftrieb, den der Körper im Wasser erfährt. Der Auftrieb bewirkt, dass die Schwerkraft, die den Menschen an Land fesselt, nahezu aufgehoben wird, sodass er sich entspannt und mühelos durch das Wasser bewegen kann. Manche Taucher sprechen von einer Geborgenheit "wie im Mutterleib".

Dazu kommt die Aufregung, als Erster ein versunkenes Schiff oder ein Korallenriff zu entdecken, einem wilden Delfin zu begegnen oder unter Eis zu tauchen. Was immer man unter Wasser suchen mag, das Meer wird einen niemals enttäuschen.


WAS IST MIT DER SICHERHEIT?

Viele Neulinge haben Bedenken hinsichtlich der Sicherheit. Es stimmt, dass jedes Jahr ein kleine Anzahl an Tauchern umkommt. Die meisten dieser Unglücksfälle sind aber nicht auf ein Versagen der Ausrüstung zurückzuführen, sondern vielmehr auf schlechte Ausbildung, Tauchen in Extremsituationen oder das Überschreiten von Sicherheitsgrenzen.

Tauchen ist heute sicherer denn je. Mit dem richtigen Training und bei Beachtung der Vorschriften sollte es kaum zu Problemen kommen. Die Tauchausbildung ist gründlich und legt viel Wert auf die Vermittlung von Rettungstechniken und die Bedeutung des Tauchens in Zweierteams (siehe S. 108). Zu zweit zu tauchen ist deshalb eine der wichtigsten Grundregeln, da sich die meisten kleineren Probleme mit Hilfe eines anderen Tauchers leicht lösen lassen.


NEUES KÖNNEN, NEUE UFER

Unter Umständen macht das Tauchen so viel Spaß, dass man über den Hobbybereich hinausgehen möchte. Manche Taucher setzen ihr Können ehrenamtlich oder auch beruflich ein. Die Möglichkeiten reichen von Umweltarbeit, Meeresarchäologie und Geschichtsforschung über die Arbeit mit behinderten Menschen bis hin zu Film- und Fotoarbeiten und zur Ausbildung anderer Taucher.


RESPEKT UND VERANTWORTUNG

Fragt man Taucher, was sie inspiriert, erhält man die unterschiedlichsten Antworten, von der Liebe zum Meer bis zum Verlangen, die eigenen Grenzen auszuloten. Allen gemeinsam ist aber, dass sie immer wieder zum Wasser zurückkehren - dieses magische Universum, das Jacques Cousteau (siehe S. 27) die "Welt der Stille" nannte. Taucher sollten Bewahrer der Meere sein und sie als Lebensraum respektieren: "Nimm nichts mit außer Fotos und hinterlasse nichts außer Luftblasen" heißt die Maxime.

Viele marine Ökosysteme sind heute bedroht. Hoffentlich können Aufklärung und Meeresschutz diesen Trend umkehren, damit die Taucher von morgen gesunde Ozeane erforschen können. Indem man die Umwelt aktiv schützt und verantwortungsbewusst taucht, kann man seinen Teil dazu beitragen, die Schätze der Meere zu bewahren.



 
   


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