VORWORT
Liebe 33er!
Unser Leben begann in friedlichen Zeiten, wenn sich auch die schrecklichen Ereignisse schon ankündigten. Im Jahr unserer Geburt hatte Hitler die Macht ergriffen, und unsere Umgebung hatte dieses Ereignis bejubelt und gefeiert. Nicht alle, gewiss, aber die meisten Menschen im Lande hatten das "Dritte Reich" begrüßt als eine Erlösung von den Ungewissheiten der vorangegangenen Jahre. Sie wollten, dass es ihnen besser ginge, und das versprachen die Nazis ihnen auch. Wir wuchsen in eine sich von der übrigen Welt zunehmend isolierende Gesellschaft hinein und wurden fokussiert auf eine Ideologie des Verderbens. Unser Bewusstsein wurde durch fortwährende Propaganda schon in den ersten Jahren unseres Lebens durch Rassismus und unsägliche Vorurteile geprägt. Wir waren verplant als Teil für eine riesige Kampfmaschine gegen die Menschlichkeit. Und wir kämpften bereits mit Worten und am Ende sogar mit Waffen. Natürlich haben wir selbst das alles nicht durchschauen können, haben unsere Kindheit gelebt und genossen, im Vertrauen auf die, die schon da waren und die Welt so regierten, wie wir annehmen mussten, dass es schon richtig sei.
Wir vertrauten auch auf unsere Eltern, die wiederum denen vertrauten, die vorgaben, sie in eine grandiose, deutsche Zukunft zu führen. Wer von uns überlebt hat, stand mit zwölf Jahren in den Trümmern zerstörter Städte, hatte vielfach den Vater verloren oder gar die ganze Familie, hatte in Feuerstürmen und in Flüchtlingsströmen den Tod gesehen. Beladen mit diesen Erlebnissen brachen wir jung auf in eine neue Zeit. Und die hat uns zwar für vieles entschädigt, aber unsere Verletzungen nie endgültig heilen können. Irgendwann konnten wir uns wieder satt essen, lernten wir einen Beruf, erhielten einen immer besser bezahlten Arbeitsplatz, konnten ein Haus bauen, ein Auto kaufen und in alle Welt reisen. Unsere Rente war gesichert und es ging uns gut.
Dieses Buch wirft Schlaglichter auf die ersten achtzehn Jahre unseres Lebens. Die meisten werden sich darin wiederfinden. Und wenn nicht, dann haben sie vielleicht woanders gelebt.
Klaus Weise