Liebe 44er!
Wir vom Jahrgang 1944 sind Kriegskinder. Wir wissen von den Bombennächten, den Hungersnöten und ersten Aufbaujahren nur aus den Erzählungen der Erwachsenen. Wir - und das sind vor allen die Stadtkinder - können uns aber an die gefährlichen Trümmerberge und einsturzgefährdeten Ruinen erinnern - die waren nämlich oft unsere ersten Spielplätze.
Wir waren stolz, in die Schule zu kommen und noch stolzer, wenn wir keine Erstklässler mehr waren. Wir lernten lesen, schreiben, rechnen, durften als "Junge Pioniere" ein Halstuch tragen und erste größere Aufgaben übernehmen, beispielsweise Altpapier sammeln, Wandzeitungen gestalten, Pionierbeiträge kassieren.
Mit dem Personalausweis und der Jugendweihe bzw. der Konfirmation hatten wir die Eintrittskarte in das Erwachsenenalter bekommen. Wir wuchsen in der DDR im Sozialismus auf, wir erfuhren auf unterschiedlichste Weise, was es bedeutet, in einer Diktatur zu leben. Später werden wir einmal sagen: "Es war nicht alles schlecht in der DDR!" und "Es war nicht alles gut in der DDR!"
Wir sind Zeitzeugen wichtiger geschichtlicher Ereignisse. Als Dreikäsehoch erlebten wir den Aufstand in der DDR und mit 17 Jahren den Mauerbau. Dazwischen lagen zahlreiche Erlebnisse, die erste Liebe im Betriebsferienlager, der erste Kuss im Park, der Tanzstundenball, die erste Zigarette und noch hundert andere Begebenheiten.
Erinnern Sie sich noch...?
Dietmar Sehn