Sie heißen Brigitte, Jochen, Elke, Marcel und Bernd, sie gingen, genauso wie ein großer Teil von uns, am 1. September 1961 zum ersten Mal in die Schule. Zwei Wochen zuvor hatte die DDR ihre Grenzen geschlossen, und sie wuchsen, wie wir alle, in einem überschaubaren Land auf, das viele Nischen bot, aber kaum Auswege für jene, die sich an der Enge stießen.
Mit der Langzeitdokumentation über die "Kinder von Golzow", einem unauffälligen Dorf im Oderbruch, hat sich unsere Generation der Welt vorgestellt, ist mit "Lebensläufe" sogar unter die 100 wichtigsten deutschen Filme und die Guinness-Rekordhalter geraten.
Was für eine Karriere für eher unspektakuläre Biographien, die, oberflächlich betrachtet, einander so ähnlich sind, weil der Rahmen, der uns gesetzt war, Ausreißversuche nicht vorsah. Wir sind in ähnliche Kindergärten gegangen, nach denselben Lehrplänen unterrichtet worden, haben Meister Nadelöhr, Zuckerstangen und die Beatles geliebt, Lebertran, Lernkonferenzen und hohle Phrasen verabscheut und uns mehr oder weniger an die ausgetretenen Pfade gewöhnt, die uns vorgezeichnet schienen.
Und doch: Schaut man dem Einzelnen ins Gesicht und nimmt sich Zeit, die Dramen, Komödien, Tragödien und das Gleichmaß seines Alltags zu betrachten, dann hat jeder von uns ein unverwechselbares Schicksal. Wir haben Fahnenappelle und Blauhemdzwänge über uns ergehen lassen, geprägt aber haben uns Eltern, Freunde und Lehrer, Spiele, Lektüre, Filme und Musik, auch bewegende politische Ereignisse.
Dieses Buch soll gemeinsame Erinnerungen an unsere Kindheit und Jugend wecken, in denen sicher jeder von uns seine ganz eigenen wiederfindet.
Constanze Treuber