Vorwort
Dieses Buch ist kein Konzertführer, noch weniger eine musikwissenschaftliche Abhandlung.
Wer aber beispielsweise wissen möchte, was eine Sonate ist, die er im Konzertsaal oder im Radio hört, warum denn Beethoven nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern auch für uns heute eine so wichtige Figur ist, oder wer etwas über die Gründe erfahren möchte, warum die abendfüllenden Opernwerke Richard Wagners auf die Komponisten in ganz Europa einen so gewaltigen Einfluß hatten, kann dies hier in kurzer, übersichtlicher Form erfahren.
Die Darstellung der musikgeschichtlichen Fakten - die so oft trockene Materie zahlreicher Schul- und Lehrbücher - erscheint nicht als Aneinanderreihung von allerlei Wissenswertem, sondern schafft eine Verbindung zwischen den musikalischen Ereignissen einer jeweiligen Epoche und den Voraussetzungen und Gegebenheiten, unter denen sie entstanden. Die Musik vor diesem Hintergrund wahrzunehmen, macht sie nicht nur interessant, sondern oft sogar spannend. Wenn man weiß, warum z. B. Johann Sebastian Bach in seiner Zeit bereits als veraltet galt, sein Sohn aber als "Superstar" gehandelt wurde, wenn man die Gründe kennt, warum das Sacre du Printemps von Igor Strawinsky 1913 in Paris einen derartigen Skandal auslöste, oder wenn man ein Konzert mit Werken Arnold Schönbergs hört und sich vorstellen kann, warum diese Musik seinen Zeitgenossen so fremd erschien, geht die Freude an der Musik weit über den aktuellen Genuß eines Konzertabends oder Opernbesuchs hinaus.
Und eines ist dieses Buch gewiß auch nicht: Musikgeschichte als Denkmalpflege. Vielmehr wird die Bedeutung eines Komponisten oder seines Werks durch die Impulse, die eine Weiterentwicklung der Musik bewirkten, bestimmt und nicht dadurch, daß man Werk und Komponist ungeprüft für genial erklärt.
Die kompakte Form des Buches erlaubt über den raschen Zugriff auf die zahlreichen Fakten und Daten hinaus eine schnelle Orientierung über die wesentlichen Zusammenhänge europäischer Musikgeschichte. So ist der DUMONT Schnellkurs eine Hilfe, Musik nicht nur als ein kulturgeschichtlich wichtiges, sondern auch als ein spannendes und interessantes Phänomen wahrzunehmen.
Johannes Rademacher, Köln