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DuMont Schnellkurs Altes Ägypten
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Vorwort


"Und hier war das gefaßt,
was nie verborgen war und nie gelesen:
der Welt Geheimnis, so geheim im Wesen,
daß es in feein Verheimlichf-Werden paßt."
Rainer Maria Rilke, "In Karnak wars"


Über kein anderes Reich der Alten Welt wurde so viel erzählt, geschrieben und gefilmt wie über das alte Land am Nil, das Land der Götter und Pharaonen. Fachgelehrte unterschiedlicher Prägung und Herkunft, Journalisten, Romanciers, Sensationsautoren und sogar esoterische Visionäre greifen zu den farbigen Stoffen, aus denen nicht nur Märchen, sondern auch wahre Geschichten gemacht sind. Die einen sahen und sehen ihre Pflicht darin, Zeugnisse der Vergangenheit zu sammeln und sie zu ordnen, die anderen versuchten und versuchen, daraus "Stories" zu machen oder glauben sogar, die mit den Jahrhunderten verlorengegangenen Geheimnisse neu deuten und lösen zu können.

Alle ihre Schriften bilden eine umfangreiche, fast unübersichtlich gewordene Bibliothek voller Wahrheiten und Imaginationen. Auch wenn es ein leichtes wäre, das bereits Gesagte zu einer weiteren Kompilation zusammenzutragen: Etwas Neues ließe sich auf diese Weise nicht sagen. Warum also nicht die Erkundung einer in vielen Aspekten noch unerschlossenen Vergangenheit wagen? Dann gilt es, einen Zugang zu der Mentalität von damals zu suchen, der bisher durch die Dialektik der Neuzeit verstellt war.

Nicht die isolierte Betrachtung einzelner Aspekte der altägyptischen Kultur - die Frage nach dem "Was" ihrer Hinterlassenschaften -, sondern erst die vielseitige Beschäftigung mit dem Denken, Empfinden und Glauben der Menschen - die Frage nach dem "Wie" ihrer Ausdrucksweisen - kann zu einer Vergegenwärtigung der Mentalität im Alten Ägypten führen. Strukturen zu begreifen, um sie dann in unsere Sprache zu "übersetzen", darin liegt die Herausforderung.

Ihr hat sich auch die mit 200 Jahren noch junge wissenschaftliche Disziplin der Ägyptologie zu stellen, die sich einer mehrtausendjährigen Hochkultur gegenüber sieht. Die Geheimnisse, die im Verborgenen ruhen, erschließen sich uns jedoch nicht, indem wir sie der Vergangenheit entreißen. Vielleicht lassen sie sich ihr aber entlocken, wenn wir das Alte Ägypten als einen Kosmos würdigen. Der Schnellkurs kann das Tor zu einer zurückliegenden Welt immerhin einen Spalt weit öffnen und einen ersten Blick wagen: auf die Menschen des Alten Ägypten, ihre Götter und ihre Lebenswelt.

Aus dem Dialog zwischen Wort und Bild soll sich ein Diskurs über ihre Kultur- und Mentalitätsgeschichte entwickeln, der anerkennt, daß das Alte Ägypten und seine geistigen Inhalte auch einen entscheidenden Einfluß auf unsere abendländische Kultur genommen haben. Die Verdi-Oper "Aida" und die Glas-Pyramide vor dem Louvre sind u. a. ein plakativer Beweis für eine Faszination, deren Spuren labyrinthisch in eine alte Welt zurückführen.

Wer von dem Schnellkurs ein reallexikonartiges Buch erwartet, muß enttäuscht werden. Hier wird vielmehr ein Versuch unternommen, ein synthetisierendes Wissen über das Phänomen der altägyptischen Kultur mit neuen, diskussionswürdigen - nicht von allen geteilten - Ansätzen in eine essayistische Form umzusetzen und mit wenig bekanntem oder sogar unbekanntem Material zu illustrieren. Dieses individuelle Konzept bringt es mit sich, daß Wiederholungen von Bildern, die man so oft mit Ägypten assoziiert - etwa die Darstellung der Nofretete (heute im Ägyptischen Museum, Berlin) -, nach Möglichkeit vermieden bzw. durch andere, weniger bekannte ersetzt werden. Auf diese Weise soll der Schnellkurs auch eine imaginäre Reise zu Plätzen und Orten ermöglichen, die selten oder kaum besucht werden.

Schließlich darf nicht vergessen werden, daß ein solches Buch zwangsläufig Beschränkungen in Umfang und Gehalt unterliegen muß. Daher kann der Autor nie alles nahebringen, was vermittelnswert wäre. Ob es am Ende dennoch gelingt, in die "Mitte" Ägyptens vorzudringen, kann nur der Leser entscheiden. Sollte ihn jedoch die "Lichtgeschwindigkeit", mit der in diesem Kurs das Alte Ägypten durcheilt wird, zum Anhalten und Verweilen anregen, dann haben sich die Hoffnungen des Autors erfüllt.


Danksagung
Für einige seltene, bisher unveröffentlichte Bilder möchte ich Museen und Kollegen danken, insbesondere (in alphabetischer Reihenfolge) dem Liverpool Museum (National Museums & Galleries on Merseyside) und seinem Keeper of Antiquities, Dr. Piotr Bieńkowski, sowie Frau Professor Dr. Jadwiga Lipińska, der Leiterin der Altertumsabteilung des Nationalmuseums in Warschau, die die Bilder von Ausgrabungen des Tempels Thutmosis' III. in Deir el-Bahari zur Verfügung gestellt und ihre Zustimmung zur Veröffentlichung einiger Objekte aus dem Bestand des Museums gegeben hat. Dank sei auch denen, die ungenannt bleiben möchten, für mühsames Korrekturlesen, für Abbildungen aus Privatsammlungen und für ihren geduldigen Beistand in der Zeit des Zustandekommens dieses Schnellkurses.




Vorwort zu der zweiten Auflage


Nachdem der Schnellkurs seit zwei Jahren vergriffen ist, hat man sich zu einer Neuauflage entschlossen. Es ist dem Verlag zu danken, daß er aus diesem Anlaß einer Überarbeitung und geringfügigen Erweiterung durch Hinzufügung von altägyptischen Orginaltexten (in dt. Übersetzung) sowie einer Aktualisierung zugestimmt hat. Die Literatur über Ägypten ist seit Erscheinen der ersten Auflage sowohl im wissenschaftlichen als auch im populären Bereich weiter angewachsen, Sammlungen wurden erweitert, neue sind hinzugekommen. Dem allem Rechnung zu tragen war in diesem Rahmen kaum möglich. Einige bibliographische Nachträge bzw. Streichungen wurden durchgeführt, alles wurde durchgesehen und soweit nötig sinngemäß verbessert.


Für den Benutzer
Abkürzungen:
Häufig verwendete Begriffe und Worte werden abgekürzt. Ein Abkürzungsverzeichnis findet sich im Anhang.

Namen: Die altägyptischen Namen werden im laufenden Text in der üblichen, meist griechisierenden Schreibweise verwendet; nur im Register findet sich daneben auch die vereinfacht transkribierte altägyptische Form der Namen (z. B. Cheops = Chufu). Moderne Namen folgen den urkundlichen Angaben, z. B. Johann Ludwig Burckhardt und nicht John Louis u.ä. Sie stützen sich meist auf Warren R. Dawson & Eric P. Uphill, Who was who in Egyptology, London 21972; 31995 (s. Bibliographie).

Chronologie: Die überwiegenden Daten betreffen Ereignisse, die vor der Zeitwende stattfanden. Deshalb wurde auf den Zusatz "v.Chr." verzichtet. Wo Daten sich auf Geschehnisse unserer Zeitrechnung, d. h. nach Christi Geburt, beziehen, wird dies ausdrücklich kenntlich gemacht. Eine Ausnahme bilden die Lebensdaten von Personen und Autoren der Neuzeit, deren zeitliche Einordnung unmißverständlich ist.

Die Regierungsdaten und die Chronologie des Alten Ägypten folgen der Einteilung des ägyptischen (griechisch schreibenden) Priesters Manetho in 30 Dynastien, die durch die Berechnung von Jürgen von Beckerath festgelegt wurden. Soweit in einigen Fällen Angaben auf der Grundlage anderer Datierungsversuche gemacht werden, ist das ausdrücklich kenntlich gemacht.

Quellen und Zitierungsweise: Auf Anmerkungen wurde grundsätzlich verzichtet. Dennoch werden wichtige Zitate in abgekürzter Form kenntlich gemacht (z.B. Gen. = 1. Buch Moses des Alten Testaments, Genesis).

Bildnachweise: Alle Abbildungen ohne Angaben von Bildquellen stammen aus dem Archiv des Autors. Trotz intensiver Nachforschungen konnten die Urheberrechte nicht in jedem Fall ermittelt werden. Wir bitten gegebenenfalls um Mitteilung.

Piotr O. Scholz, Sommer 2002





 
   


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