Vorwort Christoph Becker
Dieses Buch ist einem auf den ersten Blick vertrauten Thema gewidmet, das alle Welt mit Amerika verbindet. Der Ausdruck »Pop Art« taucht erstmals um das Jahr 1955 in London auf- und bezeichnete zunächst nicht Kunst, sondern die kommerzielle Massenkultur: Science-Fiction-Filme, Jukeboxes, Comicstrips. Von den kommerziellen amerikanischen Massenbildproduzenten führte der Weg über britische Architektur, Kunsttheorie und Künstler und verbreitete sich zu jenem weltumspannenden Phänomen eines poppig bunten Stils in der Kunst, der Mode und im Design. Wir kennen die Namen, die Höhepunkte und Untiefen. Hier geht es um die Anfänge, sozusagen den Urknall der Pop-Kultur. Überraschenderweise zeigen die europäischen Anfänge weniger mannigfache Variationen eines Formenrepertoires als vielmehr das gekonnt leichthändige Jonglieren mit Attitüden: »L'esprit pop« spielt mit den bunten Bildern der Magazine, der Plakatwände und der Leinwände, und er gibt sich mal ironisch und humorvoll, mal kritisch und subversiv, mal staunend naiv und ein andermal wieder ganz unverblümt bitter und zynisch. Von hier geht die erste wechselseitige Beeinflussung zwischen europäischer und amerikanischer Kunst im 20. Jahrhundert aus. Die Gründe für dieses Phänomen werden in diesem Band ebenso aufgezeigt wie seine weitreichenden Auswirkungen. Und nun haben sich die wichtigsten Protagonisten noch einmal versammelt, im wahrsten Sinn des Wortes »in alter Frische«.
Unser herzlicher und großer Dank gilt deshalb zuerst den Künstlern für ihre Bereitschaft, bei diesem Projekt mitzuwirken. Sie alle sind Individualisten mit höchst eigenständiger Entwicklung, sie sind teils neue und andere Wege gegangen, aber ihre Wurzeln sind spürbar geblieben - ein Glück, denn so ist keine Retrospektive oder nostalgische Zeitreise entstanden, sondern ein stimmiger, informativer und unterhaltsamer Überblick in vielen Facetten, der das allzu festgefügte populäre Bild der Pop Art in ein anderes Licht zu setzen vermag. Bei Pop, so kann man sehend lernen, geht es nicht um Technik, Form und Stil, sondern primär um eine Haltung. Dass sich Tobia Bezzola, tatkräftig begleitet von Franziska Lentzsch, diesem Vorhaben gewidmet hat, bedeutete für die Kolleginnen und Kollegen an anderen Museen nicht selten eine Entdeckungsreise in die eigenen Sammlungen, die manches erstaunlich frisch gebliebene Werk zu Tage brachte. Ebenso großzügig haben Privatsammler - und natürlich die Künstler - das Projekt unterstützt. Tobia Bezzola und Franziska Lentzsch sowie allen neugierigen und begeisterungsfähigen Helferinnen und Helfern sei hier sehr herzlich für ihr Engagement gedankt, wie auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DuMont Buchverlags für die gute Zusammenarbeit bei der Produktion des Katalogbuchs!
Die Credit Suisse hat sich als Partner des Kunsthaus Zürich für das ebenso ambitionierte wie vielversprechende Europop-Projekt stark gemacht und es in Fahrt gebracht, wofür wir alle herzlich danken: »Mehr Pop!« könnte man also sagen. Aber sehen Sie selbst...