Vorwort
Die erste Auflage erschien 1984. Mehr als zwanzig Jahre später kommt die vierte Auflage des Buches unter demselben, unverändert aktuellen Titel heraus. Das wirft die Fragen au Was hat sich in dieser langen Zeit im Bereich der Ingenieurakustik getan, und wie haben die Autoren darauf reagiert?
Natürlich nehmen die Grundlagen wieder einen breiten Raum ein. Ein enzyklopädisches Wissen, wie es zum Teil in der anwendungsbezogenen Literatur vermittelt wird, reicht nicht aus und ist auf Dauer nicht zukunftsfahig. In Kap. 2 werden die wesentlichen schall- und schwingungstechnischen Grundlagen der Schallentstehung, -Übertragung und -abstrahlung behandelt und die Anwendung durch Beispiele untermauert. Im Vergleich zur 3. Auflage wurde u.a. in Kap. 2.4 das wichtige Thema "Impedanz", hier vor allem die "mechanische Impedanz", überarbeitet und erweitert.
"Entstehung und Abstrahlung von Schall" bestimmen darüber, was die Schallquelle an die Umgebung emittiert. Kap. 3 beschäftigt sich weiterhin schwerpunktmäßig mit Schallsendern und deren Abstrahlverhalten. Damit lassen sich viele in der Praxis vorkommende Fälle durch relativ einfache Strahlermodelle beschreiben.
Ein Hauptziel der Ingenieurakustik ist die Geräuschminderung bei Produkten und Anlagen. Dazu müssen die Schallquellen geortet werden und deren akustisches Verhalten bekannt sein. Selbst bei Neuentwicklungen sind Messungen an Vorgängermodellen oder an Komponenten erforderlich. Akustische Probleme können in der Regel erst gelöst werden, wenn zuverlässige Messungen und Analysen vorliegen. Aus diesem Grund wurde ein neues Kapitel Messtechnik aufgenommen. Kap. 4 enthält die heute gängige Schall- und Schwingungsmesstechnik für die Messung von Schalldruck, Schallintensität und Schallschnelle (Körperschall). Die physikalischen Zusammenhänge werden erläutert, einige dafür notwendige Messgeräte vorgestellt.
Kap. 5 gibt einen Überblick über "Technische Geräusche und ihre Entstehung" und wurde um Hinweise auf "Akustische Zustandsüberwachung und Schadenfrüherkennung" erweitert. "Physiologische Grundlagen des Hörens und objektive Lautstärke" werden in Kap. 6 zusammengefasst und aktualisiert. Die starke Reglementierung durch Gesetze und Normung im Bereich der Technischen Akustik macht es schwierig, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Darüber hinaus sind die Normen nicht immer kompatibel. Die Autoren haben sich bemüht, den aktuellen Status bei Redaktionsschluss wiederzugeben.
Kap. 7 mit dem Schwerpunkt "Schallausbreitung im Freien" wurde auf der Grundlage der aktuellen Normung völlig neu überarbeitet und erweitert. Die Anwendung der Berechnungsgrundlagen erfolgt anschaulich an Hand von einfachen Beispielen. "Schallausbreitung in geschlossenen Räumen" ist die Standardsituation, die der Akustiker in Arbeitsstätten und Fabrikationshallen mit häufig sehr komplexen Schallfeldern vorfindet. Kap. 8 wurde ebenfalls, basierend auf den neuen Normen und Vorschriften, überarbeitet und aktualisiert.
Die "Schallleistung" ist eine wichtige Kenngröße, u. a. wenn es um den akustischen Vergleich von Schallquellen geht. Sie wird auch häufig als Eingangsgröße für akustische Berechnungen benötigt. Das aktualisierte Kap. 9 ist deshalb allein der Schallleistung gewidmet. Kap. 10 "Rohrleitungsgeräusche" wurde, abgesehen von kleinen Korrekturen, weitgehend unverändert übernommen.
Einer der Hauptabnehmer für akustische Dienstleistungen ist nach wie vor die Automobilindustrie, wobei alle Hersteller aufwändige eigene Versuchseinrichtungen wie Schallmessräume, Rüttelprüfstände, akustische Windkanäle etc. und das notwendige Personal vorhalten. Der Kreis der Autoren wurde deshalb erweitert, so dass mit Kap. 11 nun auch die Fahrzeugakustik Einzug in das Buch hält. Hier wird ein Überblick über die wichtigsten Schallquellen gegeben. Eine Auswahl von praktischen Beispielen zeigt die Komplexität der Geräuschphänomene. Ein Lösungsweg, der im Fahrzeugbereich beschritten werden kann und durch die Weiterentwicklung der Empfangs- und Sendetechnik noch Potenzial für weitere Anwendungen hat, ist Active Noise. Entsprechende Hinweise sind enthalten.
Der Titel Ingenieurakustik lässt ein breites Spektrum an Themen zur Schallentstehung, -weiterleitung und -abstrahlung sowie zur Geräuschminderung erwarten, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei näherer Betrachtung wird man aber feststellen, dass viele akustische Probleme aus unterschiedlichen Bereichen ähnlicher Natur sind und damit auch die Problemlösungen zu vergleichbaren Lösungsansätzen führen. Damit richtet sich das Buch nicht nur an direkt angesprochene Fachkreise, sondern auch an alle Ingenieurinnen und Ingenieure aus Entwicklung, Konstruktion, Fertigung, ja sogar aus dem Vertrieb, für die Lärmminderung Bestandteil der Produktentwicklung ist. Angesprochen sind auch Fachkräfte, die mit der Beurteilung von Maschinenlärm und der Einhaltung von akustischen Vorgaben befasst sind.
Darüber hinaus ist das Buch ein wichtiges Hilfsmittel für Studierende an Fachhochschulen und Technischen Universitäten beim Umgang mit der komplexen Materie der Technischen Akustik.
Besonders möchten wir Herrn Dr. Christoph Erhard, Daimler AG für seine Mitarbeit und Erstellung des Kapitels Fahrzeugakustik danken.
Für die Unterstützung bei der Gestaltung, der Überarbeitung und für das Korrekturlesen des Buches bedanken sich die Autoren herzlich bei den Mitarbeitern der Firma IBS Frankenthal, Frau Veronika Novotny und Herrn Dipl.-Ing.(FH) Eric Tschöp. Besonderer Dank gilt Herrn Dipl.-Ing. (FH) Udo Thorn, der u. a. maßgebend bei der Erstellung des neuen Kapitels "Messtechnik" beteiligt war.
Dank gebührt auch den Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Akustik der TU Kaiserslautern, Herrn Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Kammer und Herrn Dipl.-Ing. Kai Pies, für Anregungen und Korrekturen an der 4. Auflage.
Dem Lektorat, namentlich Herrn Thomas Zipsner, Herrn Stefan Kreickenbaum und Frau Imke Zander, sei gedankt für die gute Unterstützung und entgegengebrachte Geduld.
Bingen, Frankenthal und Kaiserslautern, im Juli 2008
Gh. Reza Sinambari
Manfred Fallen