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Steuerbelastung - Steuerwirkung - Steuergestaltung
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Vorwort

Am 31. Juli 2007 vollendet Prof. Dr. Winfried Mellwig sein 65. Lebensjahr. Intellektuelle Wachheit, Tatendrang und Begeisterungsfähigkeit sind ihm gemeinsam mit guter körperlicher Verfassung bislang erhalten geblieben. Schüler und Kollegen freuen sich hierüber umso mehr, indem sie dem Jubilar in Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre, insbesondere der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre diese Festschrift widmen.

Das wissenschaftliche Anliegen Winfried Mellwigs war einerseits eine praxisverbundene, aber immer auf einem wissenschaftlichen Fundament ausgerichtete Betriebswirtschaftslehre. Andererseits ist dem Jubilar zu attestieren, dass er in Forschung und Lehre eine fachlich äußerst anspruchsvolle Betriebswirtschaftslehre mit mathematischquantitativer Ausrichtung vertreten hat. Viele neuartige Forschungsimpulse zeichnen sein wissenschaftliches Wirken aus, welches stets geprägt ist von der Offenheit gegenüber neuen Entwicklungslinien der Betriebswirtschaftslehre. Winfried Mellwig wurde am 31. Juli 1942 in Essen geboren. Nach dem Abitur 1962 in Wuppertal begann er sein Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Neben Physik und Mathematik studierte er Betriebswirtschaftslehre und legte dort das Examen als Diplom-Kaufmann im Jahre 1967 ab.

Seine intellektuellen und analytischen Begabungen blieben seinem akademischen Lehrer, Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Koch, nicht verborgen, der ihm an seinem Institut für Industrielle Unternehmensplanung eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter anbot. Im Jahr 1971 erfolgte die Promotion (summa cum laude) zum Dr. rer. pol. mit der Arbeit »Anpassungsfähigkeit und Ungewissheitstheorie - Zur Berücksichtigung der Elastizität des Handelns in der Unternehmenstheorie".

Dem breiten Feld der quantitativen Unternehmenstheorie blieb der Jubilar auch im Zuge seines Habilitationsverfahrens stark verwurzelt. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Habilitationsschrift wurde nach nur vier Jahren an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Jahre 1975 mit dem Titel "Betriebswirtschaftliche Wachstumstheorie - Grundlagen und Modellansätze einer Betriebswirtschaftlichen Theorie einzelwirtschaftlichen Wachstums" mit der Venia Legendi für das Fach "Betriebswirtschaftslehre" abgeschlossen.

Die Veröffentlichungen des noch sehr jungen Forschers stießen in der deutschen Hochschullandschaft auf breite Anerkennung. Dies belegt die Tatsache, dass er im Jahr 1975 an den Universitäten Frankfurt am Main (Lehrstuhlausschreibung für das Fachgebiet Betriebswirtschaftliche Steuerlehre), Hamburg (Lehrstuhlausschreibung für das Fachgebiet Genossenschaftswesen) und Siegen (Lehrstuhlausschreibung für das Fachgebiet Finanzierung) jeweils auf dem 2. Platz der Berufungslisten stand.

Als Privatdozent nahm er ab April 1975 eine Lehrstuhlvertretung für das Fachgebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main wahr. An der gleichen Universität wurde er genau ein Jahr später zum Ordinarius der Betriebswirtschaftslehre, insbesondere für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre (H4, später C4) ernannt.

Der Johann Wolfgang Goethe-Universität blieb Winfried Mellwig trotz ehren- und auch reizvoller Rufe treu verbunden, obwohl ihm die Universitäten Mainz und Köln in den Jahren 1990 und 1993 die Rufe auf renommierte Steuerlehrstühle erteilt hatten.

Der Jubilar hat sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn durchgehend mit Grundsatzfragen der Betriebswirtschaftslehre unter Verwendung von komplexen Entscheidungsmodellen beschäftigt. Insbesondere seine quantitativ-mathematische Ausrichtung im Rahmen seiner Dissertation und Habilitation hat ihm die Möglichkeit eröffnet, ein breites Forschungsspektrum zu bearbeiten. Winfried Mellwig beschäftigte sich intensiv mit dem damals noch nicht durchdrungenen Forschungsfeld der Steuerwirkungsanalyse bei Investitions- und Finanzierungsentscheidungen unter Verwendung anspruchsvoller und zugleich realitätsnaher Entscheidungsmodelle. Dabei entwickelte der Jubilar für unterschiedliche Problemstellungen zahlreiche Entscheidungsmodelle unter Einbeziehung des konkreten Ertrag- und Substanzsteuersystems. Untersuchungsgegenstand waren etwa die Beurteilung von Investitionen bei gegebenen Steuersätzen sowie der Einfluss von Steuersatzänderungen und Steuersatzdifferenzierungen auf die Vorteilhaftigkeit von Investitions- und Finanzierungsgestaltungen.

Ab Mitte der achtziger Jahre steht allerdings der anwendungsorientierte Charakter in den wissenschaftlichen Ausführungen von Winfried Mellwig im Vordergrund. So herrschte in der betriebswirtschaftlichen Literatur lange Zeit die Meinung vor, dass bei Kauf/Leasing-Entscheidungen steuerliche Effekte von untergeordneter Bedeutung seien. Gerade durch die detaillierte Analyse der Besteuerungswirkungen von Leasing-Entscheidungen als Alternative zum fremdfinanzierten Kauf ist es dem Jubilar in zahlreichen Publikationen gelungen, die (steuer-)effektive Belastung von Leasingverträgen darzulegen. Insbesondere die von Winfried Mellwig entwickelten ausgefeilten Belastungsvergleiche bei steuerbefreiten Leasingnehmern haben die ursprünglich in der Literatur formulierten Hypothesen falsifiziert. Neben den spezifischen Belastungsrechnungen und -Wirkungen von Leasingverträgen hat sich der Jubilar auch kritisch mit den handelsrechtlichen Zurechnungs- und Bilanzierungskriterien bei Leasing sowie den Grundsätzen der internationalen Leasingbilanzierung beschäftigt. Hierbei hat Win
fried Mellwig in jüngerer Zeit weitreichende Vorschläge zur Neukonzeption des IAS 17 vorgelegt und damit einen wertvollen Forschungsbeitrag zum Prinzipiengefüge dieser Rechnungslegungsnorm geleistet.

Die interdisziplinäre Forschungsleistung des Jubilars wird insbesondere in den zahlreichen Veröffentlichungen zu dem komplexen Theoriefeld der Besteuerung von Personengesellschaften augenscheinlich. Dabei hat sich der Jubilar weniger mit steuerjuristischen Einzelfragen, als vielmehr mit der Entwicklung von steuersystematischen Grundsätzen auseinandergesetzt. Winfried Mellwig hat maßgeblich dazu beigetragen, essentielle Forschungsfragen zu beantworten, die beispielsweise darauf abzielen, Besteuerungsprinzipien von Mitunternehmerschaften aufzuzeigen. Von innovativem Charakter zeugen zudem die fundierten wissenschaftlichen Beiträge zur Abbildung von Anteilen an Personengesellschaften in der handels- und steuerrechtlichen Gewinnermittlung.

Das Verhältnis zwischen juristischer und betriebswirtschaftlicher Bilanzlehre ist von kontroversen Auseinandersetzungen geprägt. Winfried Mellwig hat mit seinen bilanztheoretischen Veröffentlichungen stets versucht, eine Brücke zwischen diesen beiden Disziplinen zu schlagen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Bilanzrechtsdiskussion geleistet. Dem Jubilar ist es gelungen, eine Vielzahl von unterschiedlichen Forschungsfeldern im theoretischen Bilanzrechtsgebäude wissenschaftlich zu durchdringen. Stellvertretend hierfür wird auf seine konzeptionellen Beiträge zur "Betriebswirtschaftlichen Gewinnermittlung" sowie zu Ansatzfragen von immateriellen Vermögensgegenständen/Wirtschaftsgütern oder Rechnungsabgrenzungsposten verwiesen. In dem Beitrag "Bilanzrechtsprechung und Betriebswirtschaftslehre" erörtert Winfried Mellwig die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes zum Bilanzrecht unter Zugrundelegung betriebswirtschaftlicher Kriterien; diese ist durch handelsrechtliche Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung bestimmt, die aus der gesetzlichen Zwecksetzung der Handelsbilanz abgeleitet werden. Nach Meinung von Winfried Mellwig darf die teleologische Methode der Bilanzrechtsfindung nicht in Frage gestellt werden, auch wenn von betriebswirtschaftlicher Seite Mängel nachgewiesen werden.

Neben dem schriftlichen Wirken Winfried Mellwigs müssen ebenfalls noch seine herausragenden Lehrleistungen Erwähnung finden. So versteht es der Jubilar, seinen Lehrstoff stets systematisch und didaktisch aufzubereiten, sodass es ihm gelingt, selbst komplizierte Zusammenhänge ohne Verlust an wissenschaftlicher Exaktheit einfach und verständlich darzustellen. Sein begeisternder und anschaulicher Vorlesungsstil trägt dazu bei, dass die Zuhörer den stets anspruchsvollen Inhalten seiner Vorlesungen und Seminare gleichwohl folgen können. Winfried Mellwig gehört zu den wenigen Hochschullehrern, die einen druckreifen Vorlesungsstil beherrschen. Darüber hinaus besticht Winfried Mellwig auf wissenschaftlichen Tagungen und Diskussionsforen gegenüber seinen Gesprächspartnern durch seine intellektuelle Präsenz und seine scharfsinnige Auffassungsgabe.

Nicht unerwähnt soll die Tatsache bleiben, dass sich der Jubilar seit 1989 im Rahmen der Wirtschaftsprüferausbildung engagiert. Durch die Vermittlung des qualitativ anspruchsvollen Stoffgebietes der gesamten Breite der Betriebswirtschaftslehre werden die Kandidaten für das Wirtschaftsprüferexamen in hervorragender Weise vorbereitet, sodass mit Recht behauptet werden kann, dass Winfried Mellwig einen Großteil der deutschen Wirtschaftsprüfer maßgeblich ausgebildet und geprägt hat.

Es ist uns ein Anliegen und eine besondere Freude, unserem geschätzten akademischen Lehrer mit dieser Festschrift unsere Hochachtung und Dankbarkeit insbesondere für eine lehrreiche Zeit an seinem Lehrstuhl zu bekunden.

Die Herausgeber und Autoren möchten Winfried Mellwig stellvertretend im Namen aller mit dem Jubilar eng verbundenen fachlichen Weggefährten die allerbesten Wünsche für den weiteren Lebensweg zukommen lassen.

Ein besonderer Dank geht an die KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die mit ihrer großzügigen Unterstützung den gesamten Beitrag zur Finanzierung dieser Festschrift geleistet hat. Dies unterstreicht auch die große Wertschätzung, welche Winfried Mellwig in der freien Wirtschaft genießt. Ferner gilt unser Dank natürlich allen Autoren für die gute Zusammenarbeit. Wir danken auch Herrn Andreas Franke, der für eine einheitliche Formatierung der Beiträge gesorgt hat und den Mitarbeitern des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre der Philipps-Universität Marburg, Frau Katrin Nickel und Frau Gerda Ochs, sowie den Mitarbeitern des Lehrstuhls für Prüfungswesen und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre der Universität Siegen, Frau Sabrina Funk und Herrn Marco Klübenspies, für ihren Einsatz bei der Durchsicht der eingereichten Manuskripte.

Jeder, der den Jubilar näher kennt, weiß, wie sehr er die Forschungs- und Lehrtätigkeit liebt und da wir seinen unermüdlichen Arbeitseifer und seine bewundernswerte Arbeitsdisziplin schätzen gelernt haben, gehen wir nicht davon aus, dass Winfried Mellwig sich mit Vollendung seines 65. Lebensjahres zur Ruhe setzen wird.

Deshalb seien die herzlichsten Glückwünsche zu seinem Geburtstag mit dem Wunsch verbunden, dass dem Jubilar seine Schaffenskraft noch viele Jahre bei guter Gesundheit erhalten bleiben möge.

Michael Wehrheim Philipps-Universität Marburg

Rainer Heurung Universität Siegen


 
   


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