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Jazz in Deutschland
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Vorwort

Man mag es kaum glauben, aber der Jazz hat in Deutschland eine lange Tradition, beginnend in den Zwanzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts und nur halbwegs unterbrochen durch die Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er dafür umso stärker wiederbelebt und hat nach schwierigen Anfängen ("Negermusik", "Krach") seit den Sechzigerjahren ganz eigene Ausprägungen, Strömungen und Musikerpersönlichkeiten hervorgebracht. Dabei sind Grenzüberschreitungen ("improvisierte Musik") zur Neuen Musik, zur experimentellen Musik, zur Popmusik und zur "Weltmusik" in Verbindung mit Text und Tanz selbstverständlich geworden. Die Zahl der professionellen Musiker und Musikerinnen ist beträchtlich gewachsen, besonders seit entsprechende Studieneinrichtungen an Musikschulen und Musikhochschulen eingerichtet wurden. Viele Musiker sind dort wieder als Dozenten tätig, oft, ohne nennenswerte Erfahrungen als "Working Musicians" gesammelt zu haben; es gibt einfach nicht genug Jobs für ein solches Überangebot. Es ließe sich hier spöttisch von beinahe inzestuösen Vorgängen sprechen. Denn die Mehrzahl dieser gut ausgebildeten Musiker findet als Jazzmusiker nicht genug Arbeit, um davon leben zu können. Die Infrastruktur in Deutschland (und allen anderen Ländern) gibt das einfach nicht her. Beinahe jede Woche erscheinen mehrere neue Namen auf der Jazzszene, die hochgelobt werden, ein oder zwei CDs veröffentlichen, dann aber wieder von der Bildfläche verschwinden.

Ein Lexikon über den Jazz in Deutschland, besonders über die Musiker, war längst überfällig. Schließlich gibt es Jazz oder jazzverwandte Musik in Deutschland schon seit den Zwanzigerjahren, wenn auch die Anfange oft von Dilettantismus bis Klamauk überlagert wurden. Dieses Buch ist ein Versuch, den Jazz in Deutschland (oder den deutschen Jazz, was immer das sein mag) von den Anfängen bis zur Gegenwart in Lexikonform darzustellen. Daher enthält es eine Reihe von ausländischen Musikern, die zeitweilig oder für immer in Deutschland arbeiten oder arbeiteten. Deutschland meint hier das gesamte Land, die alte BRD und die DDR. Und warum Österreich und die Schweiz auch ihren Platz finden, erklärt sich von selbst. Dieses Buch ist daher sehr speziell; es enthält keine Definitionen von Jazzstilen, Fachausdrücken oder gar die beliebte Diskussion, was denn Jazz überhaupt sei. Dies und mehr findet sich in meinem Lexikon des J azz (Hannibal Verlag, 1999). Fehler und Auslassungen sind bei der Fülle des Materials unvermeidlich. Der Leser ist daher aufgefordert, Lücken zu schließen, Daten zu korrigieren oder allgemein Vorschläge für Ergänzungen und Verbesserungen zu machen.

Zu danken habe ich Wolfgang Dohl, Gudrun Endress, Manfred Gillig-Degrave, Wolfram Knauer, Roland Löper, Olaf Schönborn und zahlreichen in diesem Buch genannten Musikern.

Gütersloh, im April 2008 Jürgen Wölfer


 
   


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