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Die Flippers
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Prolog

Es ist das Jahr 1969. Bernd Hengst (22), Olaf Malolepski (23) und Manfred Durban (27) stehen zusammen mit ihren Kollegen Claus Backhaus, Franz Halmich und Roland Bausert erstmals live im ZDF-Fernsehstudio Wiesbaden. Für die vor fünf Jahren gegründete Provinzband »Dancing Show Band« ist dieser Termin eine absolute Sensation. Sie haben den Song »Heut ruft mein Herz nur nach dir« mitgebracht und sollen ihn dem Fernsehpublikum präsentieren. Was die Musiker jedoch noch nicht wissen: Bereits vier Wochen später stehen sie erneut im Studio der »ZDF-Drehscheibe«. Diesmal mit ihrem Erfolgshit »Weine nicht, kleine Eva«.

Seit diesen legendären Fernsehauftritten sind 40 Jahre vergangen. Die Flippers haben sich verändert, sind professioneller geworden, männlicher, authentischer, gereift. Doch in ihren Gesichtern spiegelt sich noch immer die jugendliche Frische wider, eine heitere Leichtigkeit. Wenn die Drei von den vier Jahrzehnten ihrer Musikgeschichte erzählen, so klingt das nicht nach Nostalgie oder Selbstbeweihräucherung. In ihren Worten schwingt eine große Portion Dankbarkeit mit, ehrliche Glücksgefühle über eine einzigartige Karriere, die nach wie vor an Höhepunkten reich und an Sympathien kaum zu überbieten ist.

Die Flippers, das sind Bernd, Manfred und Olaf, unverwechselbar und mit keiner anderen Musikformation zu vergleichen. Als beliebte und erfolgreiche Schlagerkünstler stehen die drei Musiker seit vier Jahrzehnten gemeinsam auf der Bühne. 40 Jahre, das sind rund 15.000 Tage, in denen nach grob geschätzten 1,5 Millionen Kilometern auf Straßen und Autobahnen mehr als 8.000 Konzerte stattfanden. Mehr als 530 Titel haben sie aufgenommen und veröffentlicht. Die erste Platinplatte für drei Millionen verkaufte Tonträger im Jahr 1974 war ein toller Auftakt. 31 Gold- und 8 Platinschallplatten bzw. -CDs, 13 Goldene Stimmgabeln und 2 Echos zählen seit dem Jahre 1987 zur stolzen Bilanz der Flippers. Dazu kommen 6 Mal Gold und 1 Mal Platin für DVDs. In der Summe kommen somit 61 Tonträger in Platin und Gold zusammen.

Ihre Konzerte sind nach wie vor das effizienteste Kommunikationsmittel der Flippers. Die faszinierenden Auftritte fesseln das Publikum und begeistern die Fans. Der ganze Saal gerät aus dem Häuschen; die begeisterten Konzertbesucher singen im Stehen und bewegen sich im Rhythmus des Sounds. Herren lockern ihre Krawatten und Damen fächeln sich mit den Programmheften Luft zu. Die Flippers heizen ein mit Talent, Tonkunst und Charme. Standing ovations lassen die Halle beben. Bernd, Manfred und Olaf strahlen. Das sind magische Augenblicke des Glücks.

Hinter der Bühne erwarten sie ihre Ehefrauen. Bernd, Manfred und Olaf sind seit mehr als vier Jahrzehnten glücklich verheiratet, länger noch als es die Flippers gibt. Die drei Schlagerkünstler haben fantastische Partnerinnen. Frauen, die den Aufstieg ihrer erfolgreichen Männer aktiv mitgestaltet und die nervenaufreibende Durststrecke in den siebziger Jahren gemeinsam mit ihnen durchgestanden haben. Helene Durban, Edith Hengst und Sonja Malolepski sind die ideale Ergänzung ihrer prominenten Ehepartner und doch eigenständige, selbstbewusste Persönlichkeiten, die einen entscheidenden Anteil an der einzigartigen Karriere haben. Ohne ihr Engagement und die konstruktive Kritik, ihr Einfühlungsvermögen, ihre Geduld und Nachsichtigkeit wären die Flippers nicht das, was sie heute sind.

Kein Weg ist für die Flippers zu weit, wenn es um ihr Publikum geht. Und doch war es eine lange Strecke, die die Musiker aus dem beschaulichen Kraichgau in nationale und internationale Metropolen und Gegenden führte. Es ist ein interessantes Phänomen, dass die Flippers zwar ein stückweit Weltbürger geworden und doch gleichzeitig heimatverbundene Menschen geblieben sind.

Im individuell ausgestatteten Interieur ihrer nahezu unscheinbaren Eigenheime, eingefügt in die unspektakulären Straßenzeilen ihrer Kleinstädte, fühlen sie sich wohl. Hier sind sie daheim. Es ist eine gediegene Ruhe, eingefasst von gepflegten Gärten mit plätschernden Brunnen und üppigem Pflanzenwuchs, die sie in ihrem vertrauten Refugium umgibt. Hier dürfen Bernd, Manfred und Olaf privat liebenswerte Ehemänner, Familienväter und Opas sein. Manfreds Oma Lina Frick reagierte erbost, als sich ihr Lieblingsenkel von der traditionellen Blasmusik abwandte und wie besessen war von Beat, Rock 'n' Roll oder anderen heißen Rhythmen. »Bub, das ist doch alles nur ein verrücktes Tam-Tam«, pflegte sie zu sagen. Bernd ging es ähnlich: Nicht nur nach Meinung seines Vaters war ein Musiker ein armer Schlucker, der am Ende gar auf Almosen angewiesen sein würde. Bernds Schwiegermutter drückte ihren Unmut gegenüber ihrer Tochter bezüglich deren Heiratsabsichten ebenso deutlich aus: »Muss es denn unbedingt ein Musiker sein?« Bei Olaf war das anders. Seine Mutter musste den Stolz über ihren talentierten Sohn nicht verbergen und auch sein Chef, die Arbeitskollegen und alle Freunde fanden es toll, wenn Olaf musizierte.

In den sechziger Jahren, als die »Dancing Band« auftrat, schwangen begeisterte Teenies und Twens ausgelassen zu deren Rhythmus. Dass daraus einmal viel mehr als eine regionale Tingelkapelle würde, das konnte keiner ahnen. Damals meinten die Leute, Stars hätten anders auszusehen, Hits müssten aus Metropolen kommen und über den Kraichgau hinaus würden es die »Halbstarken« wohl nie schaffen.

Wie wir wissen, hatten sie unrecht.


 
   


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